Rechtschreibung

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Rechtschreibkonventionen

 

Über Jahrzehnte variierte Tolkiens Schreibweise von Quenya in verschiedenen Details. Wie oben diskutiert war irgendwie jeder Aspekt von Quenya auf die eine oder andere Art "variabel", doch im Gegensatz zur schwankenden Grammatik sind die Variationen in der Schreibweise nicht sehr logisch: Theoretisch ist unser Alphabet nicht das der Sprache Quenya "angeborene". Tolkien zögerte nur, wie man am besten die angenommene "original elbische Schrift" in unsere eigene übertragen sollte (die Tengwar, auch Fëanorische Schreibweise - eine einzigartige wunderschöne Schrift, die Tolkien mit derselben Liebe und Sorgfalt ersann wie die Sprachen selbst). In diesem Kurs wurde eine einheitliche Schreibweise durchgehalten, im wesentlichen basierend auf der Schreibweise, die im Herrn der Ringe benutzt wurde (ich sage "im wesentlichen", weil die Schreibweise im Herrn der Ringe selbst nicht völlig konsistent ist - aber fast!). Die Schreibweise in LotR betreffend schrieb Tolkien, dass die archaische Sprache der Überlieferung [Quenya] als eine Art "Elbenlatein" gedacht ist, und bei einer Übertragung in eine Schreibweise, die eng an die von Latein angelehnt ist (mit der Ausnahme, dass y nur als Konsonant benutzt wird), nimmt die Ähnlichkeit zu Latein augenscheinlich zu (Letters:176).

Ich will die Konventionen zur Schreibweise, die in diesem Werk benutzt werden, umreißen. Was folgt ist nicht etwas, das ein frischgebackener Student sorgfältig verinnerlichen muss. Wer Quenya studieren will, sollte sich dennoch der hauptsächlichen Ungereimtheiten der Schreibweise in den primären Quellen bewusst sein. Geleitet in erster Linie von der Schreibweise, die Tolkien im Herrn der Ringe benutzte, habe ich folgende Regeln angewandt:     

Die Vokallänge wird durch einen Akzent angezeigt (und kein anderes Symbol): In seiner Schreibweise von Quenya verwendete Tolkien immer eine Art von Symbol, um Vokale zu kennzeichnen, die lang auszusprechen waren (sollten Sie nicht wissen, was ein Vokal ist, erfahren Sie das in der ersten richtigen Lektion). Doch welches Symbol genau er benutzte variiert etwas. Manchmal verwendet er einen Längestrich, eine kurze horizontale Linie über dem Vokal; das gilt speziell für die Etymologies und bestimmte andere "philologische" Schriften. Manchmal wird ein Circumflex benutzt, zum Beispiel ô wie in fôlima "heimlich" aus dem frühesten "Qenya"-Wörterbuch (LT2:340/QL:38). Aber im Herrn der Ringe und den meisten Quellen danach verwendet Tolkien typischerweise einen normalen Akzent, um Vokallänge anzuzeigen, und so werden wir es auch hier halten: langes á, é, í, ó, ú im Gegensatz zu kurzem a, e, i, o, u. Sollten wir also jemals das Wort fôlima brauchen, werde ich es stattdessen fólima schreiben. Wenn ich jedoch Formen aus dem Ur-Elbischen zitiere, werde ich den Circumflex benutzen, um lange Vokale zu markieren. In den Quellen werden stattdessen normalerweise Längestriche verwendet: wir haben schon alk-wã "Schwan" zitiert von dem Eintrag ÀLAK in Etym., wobei der Längestrich über dem finalen a anzeigt, dass der Vokal lang ist. In einem Dokument, das über das Internet verbreitet wird, ist es sicherer, statt dessen alk-wâ (etc.) zu schreiben; Vokale mit Längestrichen könnten durch verschiedene sonderbare Symbole ersetzt werden, wenn die Software der Empfänger  mit Linguisten nicht besonders liebevoll umgeht.

C statt K: wenn Sieden  Verweis bemüht haben, den ich oben für den Satz Anar caluva tielyanna angegeben haben (Unfinished Tales  S. 22), haben Sie vielleicht bemerkt, dass in der Quelle das mittlere Wort in Wirklichkeit kaluva geschrieben wurde. In Quenya repräsentieren k und c denselben Laut (gesprochen K); Tolkien konnte sich nur nicht darüber klar werden, welchen Buchstaben er benutzen wollte. In Quellen vor LotR wie den Etymologies und dem frühen Qenya-Lexikon benutzte er meistens K (obwohl auch hier in einigen Fällen c auftaucht). Da die ursprüngliche Inspiration für Quenya das Finnische war und die finnische Rechtschreibung den Buchstaben k benutzt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass Tolkien ursprünglich diesen Buchstaben bevorzugte. Doch wie aus den Letters:176 hervorgeht, die oben zitiert wurden, entschied er sich später, im Herrn der Ringe die Schreibweise von Quenya dem Lateinischen so weit wie möglich anzunähern. Geleitet von der Orthografie der lateinischen Sprache begann er, den Buchstaben c anstelle von k zu verwenden: "I decided to be 'consistent' and spell Elvish names and words throughout without k" ("Ich entschied mich, 'konsequent' zu sein und elbische Namen und Wörter durchgehend ohne k zu schreiben", Letters:247). Beispiel: Das Wort für "Metall" wurde in den Etymologies tinko geschrieben (Eintrag TINKÔ), aber im Anhang E von LotR erscheint dasselbe Wort mit derselben Bedeutung stattdessen als tinco. Somit verwenden wir durchgehend für k das c. Es ist eine seltsame Tatsache, dass Tolkien selbst in Quellen nach LotR in vielen (eigentlich den meisten) Fällen zum Gebrauch des k zurückkehrte. In dieser Hinsicht sind seine Schriften nicht eindeutig. Ein Wort für "Zwerg" ist Kasar mit einem k in WJ:388; doch schon auf der nächsten Seite wechselt Tolkien zu c, wenn er den Namen von Moria nennt: Casarrondo ("Zwergenhöhle" oder "Zwergenhalle"). Ein Wort für "Haus" erscheint als köa in WJ:369 (köarya "sein Haus"), aber in MR:250 wird dasselbe Wort mit einem c geschrieben in der Zusammensetzung cöacalina "Licht des Hauses" (ein elbischer Ausdruck für die Seele im Körper). In einigen späteren Aufzeichnungen, veröffentlicht in VT41:10, erwähnt Tolkien ein Wort ruskuite "schlau", wobei er k statt c benutzt, aber unmittelbar danach schrieb er das Wort calarus "poliertes Kupfer" nieder, wobei er c statt k benutzt. Aus dem posthum veröffentlichten Silmarillion erinnern wir uns an Namen wie Melkor und Tulkas, aber in MR:362, 382 werden die Schreibweisen Melcor und Tulcas benutzt. Das Quenya-Wort für "Pferd" ist in Letters:282 rocco geschrieben, aber in Letters:382 finden wir stattdessen rokko. Tolkiens dauerhafte Unentschlossenheit auf diesem Gebiet nachahmen zu wollen wäre ziemlich witzlos oder sogar verwirrend. Zum Beispiel ist das Quenya-Wort für "Bett" in LR:363 als kaima geschrieben, aber im Namarië in LotR ist das eindeutig verwandte Wort "liegt" caita geschrieben. Die inkonsistente Schreibweise aus missverstandener Verehrung beizubehalten würde die Zusammenhänge zwischen den Wörtern unverständlich machen; in Übereinstimmung mit caita sollte das Wort für "Bett" klar caima geschrieben werden. Ich sollte erwähnen, dass es auch andere gibt, die dem Material die Regel zugrunde legen, k stattdessen zu verwenden und die Schreibweise, die in LotR verwendet wird, verwerfen zugunsten der Orthografie, die Tolkien in vielen anderen Quellen verwendet. Das ist nur eine Frage des Geschmacks, und in der Frage "C oder K" kann jeder Schreiber seine eigene Wahl treffen. Doch ich werde normalerweise festhalten an der Schreibweise von LotR. Letzten Endes ist LotR das zentrale Werk, der Schauplatz, in dem Tolkien seine Sprachen ansiedelte.

ANMERKUNG: Doch im Fall des Titels des Markirya-Gedichtes neige ich dazu, k beizubehalten, weil das Wort markirya oder "Arche" nur in der frühen "Qenya"-Version des Gedichtes auftaucht. Es findet sich nicht in der späteren Quenya-Version, obwohl ich nicht weiß, wie wir es sonst nennen sollten. So werde ich in diesem Fall das k belassen, um es als ein frühes "Qenya"-Wort zu kennzeichnen - obwohl eine Form marcirya es sicher tun würde im LotR-Stil-Quenya. Und die letztere Schreibweise würde ich benutzen, wenn ich jemals das Wort "Arche" in einem aktuellen Quenyatext verwenden wollte. Ich denke, ich würde das k auch in einigen Namen beibehalten, mit denen wir aus dem Silmarillion sehr vertraut sind: Melkor, Tulkas, Kementári und einige andere. Aber das Silmarillion bedient sich auch Formen wie calaquendi (statt Kalaquendi), somit liegt wenig Konsistenz in dieser Arbeit.

QU statt einfach nur Q: in den meisten Quellen vor LotR wird die Kombination "cw" durch den Buchstaben q dargestellt. Aber in einigen wenigen frühen Quellen (nur posthum veröffentlicht) und wichtiger im LotR benutzte Tolkien qu an Stelle von einfach nur q: Wieder war die Inspiration die lateinische Schreibweise. Das berührte sogar den Namen der Sprache; wie oben erwähnt, schrieb Tolkien sie ursprünglich Qenya. Ein weiteres Beispiel: Aus dem Wort für "Feder", geschrieben qesse in einer Quelle vor LotR (Etym, Eintrag KWES) wurde quesse in LotR (Anhang E). Dieser Wechsel zieht sich konsequent durch Tolkiens Schriften nach LotR, so weit wir sie kennen. Somit brauchen wir nicht zu zögern, diese Schreibweise auch dem früheren Material aufzuerlegen. (Tolkiens eigener Sohn tut dies in LT1:170; als er den ersten Teil des Namens Qerkaringa bespricht, der in frühem Material auftaucht, benutzt Christopher Tolkien statt dessen querka. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und querca schreiben.)

X statt KS (beziehungsweise CS): Tolkiens Schreibweise dessen, was "ks" ausgesprochen wird, variiert. Die meisten Quellen scheinen ks zu enthalten, aber gelegentlich wird stattdessen auch x benutzt (schon im Qenya-Lexikon von ca. 1915, S. 95, scheinen wir tuxa als alternative Schreibweise zu tuksa "144" zu haben). Durch die Etymologies hindurch wird die Schreibweise ks benutzt, z. B. maksa, "geschmeidig, weich" (Eintrag MASAG). Die Etymologies, Eintrag KARAK, geben Helkarakse für den Namen des arktischen Gebietes an, das einige Noldor überqueren auf dem Weg ins Exil. Doch erscheint der Name als Helcaraxë im veröffentlichten Silmarillion, mit x für ks (und c für k), und wir wenden die letztere Regel an in Übereinstimmung mit der späteren Schreibweise - zum Beispiel maxa anstatt maksa. In veröffentlichten Quellen nach LotR scheint Tolkien durchgehend x für ks zu verwenden, z. B. axan "Vorschrift, Gebot" und nixe "Frost" in WJ:399/417, oder axo "Knochen" in MC:223 - somit muss x als seine endgültige Entscheidung in dieser Sache gesehen werden. Im Anhang E von LotR verweist Tolkien auf die Kombinationen ts, ps, ks (x), die in Quenya bevorzugt wurden; es scheint nahezuliegen, dass ks in normaler Schreibweise durch x repräsentiert wird. (Kein echtes Beispiel eines Quenya-Wortes, das x/ks enthält, scheint im LotR aufzutauchen, aber wie erwähnt haben wir Helcaraxë im Silmarillion.)

N anstelle von Ñ: In vielen Quellen benutzt Tolkien das Symbol ñ, das nicht so ausgesprochen werden sollte wie in der spanischen Orthographie (z. B. in señor). "In the transcription ñ [is used for] the Fëanorian letter for the back nasal, the ng of king" ("in der Schreibweise ñ steht der Feanorische Buchstabe für den hinteren Nasal ng von king [Ding]", MR:350). Im Gegensatz zum Englischen [und Deutschen] kennt Quenya diesen Laut ursprünglich auch am Wortanfang (ebenso wie an anderen Positionen, wo er auch im Englischen [und Deutschen] auftaucht). Ein berühmtes Beispiel ist das Wort Ñoldo, Plural Ñoldor, das in vielen Quellen so geschrieben ist. Aber im Anhang E von LotR schrieb Tolkien, dass dieses ng oder ñ umgeschrieben wurde in n (wie in Noldo) in Übereinstimmung mit der Aussprache im Dritten Zeitalter". Die Liste mit den Tengwar-Namen im selben Anhang bestätigt die Entwicklung, die Tolkien andeutete: Die Aussprache bestimmter Symbole der Tengwar-Schrift änderte sich leicht mit dem Verstreichen der langen Zeitalter Mittelerdes. Die Buchstaben, die ursprünglich ngoldo und ngwalme (=ñoldo, ñwalme) hießen, wurden später stattdessen noldo und nwalme genannt; da diese Buchstaben nach gegenwärtig existierenden Quenya-Wörtern benannt wurden, die den durch den Buchstaben verkörperten Laut enthielten, gibt das eine Entwicklung wieder, während der ein ñ- am Wortanfang zu einem normalen n- wurde. Schon in den Etymologies aus der Mitte der Dreißiger  deutete Tolkien eine ähnliche Entwicklung an: Unter Eintrag ÑGAR(A)M, dem Wort für "Wolf", sind "ñarmo, narmo" aufgelistet, was eindeutig als frühere und spätere Form zu verstehen ist. MR:350 erwähnt ein Wort ñólë "Überlieferung, Wissen", das ebenso wie in den Etymologies  mit ñ am Wortanfang geschrieben ist (Eintrag ÑGOL, dort gedeutet als "Weisheit"); aber im Anhang des Silmarillion (Eintrag gûl) ist es nólë geschrieben. Das wäre die spätere Form, die des Dritten Zeilalters. Wir halten uns immer an die Form des Dritten Zeitalters und schreiben durchgängig n für ñ. (Beachten Sie aber, dass in der Tengwar-Schrift der Unterschied zwischen den Symbolen n und ñ erhalten blieb, auch nachdem zwischenzeitlich beide wie "n" ausgesprochen wurden. Doch ist das so lange kein Problem, solange wir Quenya in unserem normalen Alphabet schreiben.) Ohne Zweifel waren die Kombinationen ng und nc in der Wortmitte ebenfalls sprachtechnisch betrachtet ñg und ñc, wie in anga "Eisen" oder anca "Kiefer", aber diese Aussprache ist für Englischsprachige (und Deutschsprachige) natürlich und muss mit der  Schreibweise nicht ausdrücklich dargestellt werden. Soweit bekannt ist, hat Tolkien in Quenya-Wörtern niemals den Buchstaben ñ vor g oder c benutzt, sondern immer nur n. 

S anstelle von þ: Das ist ein Fall, der jenem mit ñ vs. n ähnelt: Tolkien stellte sich vor, dass das Quenya von Valinor  þ besaß, ein Laut, der mehr oder weniger wie das englische th wie in think gesprochen wird (ein deutsches Pendant gibt es da leider nicht). (Im Quenya von Valinor war es genauer ein wenig mehr dem s angenähert als der englische Laut, ausgesprochen mit der Zungenspitze nur an den oberen Zähnen, nicht zwischen oberen und unteren wie im Englischen.) Aber im Dialekt der Noldor entwickelte sich dieses s-ähnliche þ möglicherweise in normales s und verschmolz mit den zuvor existierenden s (ein Wechsel, gegen den sich Fëanor vehement, aber vergeblich wehrte: siehe PM:331 -  339 mit einem ausgezeichneten Beispiel, wie eng Tolkiens Sprachen und Erzählungen verflochten sein können). Quenya als zeremonielle Sprache in Mittelerde benutzte immer s, da dort nur der Dialekt der Noldorin bekannt war. In WJ:484 erwähnt Tolkien þinde als Quenya-Wort für "grau, blass- oder silbergrau", aber er ergänzt, dass im Dialekt der Noldorin ("Ñ") daraus sinde wurde. In WJ:319 finden wir þelma als ein Wort für "fixe Idee, Willen"; in diesem Fall wird die spätere Noldorin-Version selma weder dort noch anderswo erwähnt, aber wir würden hier dennoch diese Schreibweise benutzen, da wir ja auf jene Art Quenya abzielen, wie sie in Mittelerde im Dritten Zeitalter benutzt wurde.

Die Diärese: In vielen Fällen fügt Tolkien über Vokalen zwei Punkte (Diärese, Trema) hinzu, zum Beispiel ä, ö, ë in den Namen Eärendil, Eönwë. Das die nur der Verdeutlichung der Aussprache, vor allem für Leser, die an englische Orthographie gewöhnt sind (Vorsicht ist hier für uns Deutschsprachige geboten: Hier werden nicht die Laute ä oder ü wie in "Länder" oder "schön" gekennzeichnet! Da wir aber meistens mit englischen Quellen arbeiten müssen, wo diese Schreibweise verwendet wird, setze ich sie auch hier ein, als "internationale" Schreibweise gewissermaßen. Dann tun wir uns auch weniger schwer im Austausch mit Tolkienlinguisten anderer Länder.) Es sollte betont werden, das die Diärese in keiner Weise nötig ist, um Quenya "korrekt" zu schreiben. Tolkien schrieb zu der Schreibweise ë, dass es nur eine Entscheidung in Sachen Übertragung sei, und im Original nicht benötigt - das heißt in der "originalen" Tengwar-Schreibweise (PM:343). Auch in der Übertragung wird sie nicht "wirklich" gebraucht - in den Etymologies verwendete Tolkien sie überhaupt nicht - und in E-Mails kann man sie sichreheitshalber auch weglassen. Tatsächlich sprechen sich einige Schüler dafür aus, dass man sie in allen Medien herauslassen sollte; sie empfinden sie als überflüssige grafische Belastung, nützlich nur für Leute, die von Quenya auch nicht die leiseste Ahnung haben (und für jene, die an die Orthographie von Sprachen wie Deutsch, Schwedisch oder Finnisch gewöhnt sind, kann es sogar irreführend sein). Aber ich weiß auch nicht; ich denke, ich würde die Diärese gerne sehen in sorgfältig präsentierten Texten, auch wenn es mir nicht mehr sagt als ich vorher schon wusste. Es gibt den Texten eine exotische Note, und repräsentiert auch einen Wink in Richtung auf geschriebenes Finnisch, da finnische Orthographie Buchstaben wie ä und ö verwendet - die aber für Laute stehen, die sich lautlich von normalem o und a unterscheiden, was in Quenya nicht der Fall ist. 

Wenn wir die Diärese verwenden, sollte sie aber durchgehend verwendet werden. In WJ:425 kommentiert Christopher Tolkien den "very variable", stark wechselnden, Gebrauch derselben, so dass eine gewisse Normierung erforderlich wird. (Christopher Tolkien selbst hat die Schreibweisen seines Vaters in einigen Zitaten angepasst; in PM:371 zitiert er zum Beispiel das Quenya-Wort rossë  "feiner Regen, Tau" aus dem Eintrag ROS1 in den Etymologies, doch dort ist das Wort rosse geschrieben, ohne Diärese.)

Das finale in Eönwë erinnert den Leser daran, dass das finale -ë nicht stumm ist wie für gewöhnlich im Englischen (aber keinesfalls im Deutschen, für uns ist die Schreibweise ohne Diärese eigentlich viel sinnvoller, geraten wir doch nicht in Gefahr, ö nicht wie o, sondern oe ("Föhn") auszusprechen.) "Final is never mute or a mere sign of length as in English," schreibt Tolkien in LotR Anhang E ("Finales e ist niemals stumm oder ein bloßes Zeichen für Länge wie im Englischen", der englische Satz selbst enthält zwei gute Beispiele, wie finales e im Englischen behandelt wird: in mute und mere). Er fügt hinzu, dass finales e oft (aber nicht durchgehend) wie ë geschrieben wird. Wie er sagt, die Schreibweise wird nicht durchgehend verwendet, egal ob in LotR oder in anderen Quellen - siehe einige bereits zitierte Wörter: quesse, sinde, nixe. Hier jedoch werden wir durchgängig quessë, sindë, nixë schreiben. (Beachten Sie aber,  dass die Diärese nicht in Wörtern verwendet wird, wo das finale e der einzige vorkommende Vokal ist wie in den kurzen Wörtern te "ihnen" oder ve "wie" - beide kommen in LotR vor. Von Zeit zu Zeit sehe ich einige übereifrige Punktefans, die Schreibweisen wie und produzieren; das ist in keiner Weise "schädlich", aber höchst überflüssig: Tolkien verwendete diese Schreibweise nirgends. 

Somit erhält nur ein finales -e die Diärese, und die Punkte verschwinden normalerweise, wenn das Wort eine Endung erhält (oder als erster Teil eines Verbundes dient), da dann das -e nicht länger final ist. Ein attestiertes Beispiel ist das Wort lámatyávë "Klang-Geschmack" (individueller Gefallen an Wortformen), der Plural wird lámatyáver geschrieben (MR:215-216). Wir finden kein **lámatyávër, denn durch die Pluralendung -r ist das e nicht länger final. (Durchgehend in diesem Kurs wird ein doppeltes Sternchen benutzt, um eine falsche Form anzuzeigen). Anhang D in LotR findet man die Pluralform von enquië (die elbische Sechs-Tage-Woche) enquier geschrieben, und nicht **enquiër.

Neben dem finalen ë sollten wir die Diärese verwenden, um die Aussprache der Kombinationen ea, eo und oe deutlich zu machen (d. h., dass beide Vokale deutlich getrennt gesprochen werden müssen: e-a, e-o, o-e; so darf zum Beispiel ëa nicht zusammengezogen werden wie im englischen Wort heart (für Deutschsprachige kein Problem, wie im Wort "Theater" sprechen wir diese Kombination ohnehin so aus)). Im Fall von e+a und e+o wird die Diärese über dem e platziert, solange es sich dabei um den Kleinbuchstaben handelt: ëa, ëo. Wenn das e jedoch als Großbuchstabe auftaucht, wandern die Punkte auf den nächsten Buchstaben: Eä, Eö (wie in Eärendil, Eönwë). Tolkiens eigene Schreibweise wechselt hier; wir übernehmen die Schreibweise aus aus LotR und dem Silmarillion. Manchmal platziert er die Diärese auch über einem Großbuchstaben; der Quenya-Name für das Universum erscheint in einigen Texten als Ëa (z. B. MR:7),  obwohl es in Übereinstimmung mit dem oben skizzierten System geschrieben werden sollte - wie im veröffentlichten Silmarillion. (Große Inkonsistenz ist in Letters:386 zu sehen, wo Tolkien verweist auf "the attempt of Eärendil to cross Ëar [den Ozean]" ("den Versuch von Eärendil, Ëar zu überqueren") - es muss entweder heißen Ëarendil, Ëar oder Eärendil, Eär!) Umgekehrt platziert Tolkien manchmal die Diärese über den zweiten Vokal der Gruppe selbst dann, wenn der erste Buchstabe kein Großbuchstabe ist; das führt zu Schreibweisen wie (UT:305, 317); wir würden es eher ëa schreiben (wie Tolkien es selbst an anderer Stelle auch tat, siehe VT:39:6). In einer Fußnote in MR:206 beobachtet Christopher Tolkien, dass sein Vater schwankte zwischen Fëanáro und Feänáro (die Quenya-Form des Namens Fëanor); in Übereinstimmung mit dem hier umrissenen System sollte es Fëanáro sein.

Im Fall von oe (einer sehr seltenen Kombination) platzieren wir die Diärese über dem ë, wie im Beispiel loëndë in LotR, Anhang D (dies ist der Name des Mittjahrstages im Kalender der Elben). Im Anhang E stellt Tolkien fest, dass die Tatsache, dass oe zweisilbig ist, oft angedeutet wird mit der Schreibweise ("often indicated by writing ... ").

In einigen Quellen wird auch die Kombination ie aufgebrochen mit einer Diärese über dem ë, was Schreibweisen wie Niënna (Name einer Vala oder "Göttin") zur Folge hat, zum Beispiel in MR:49. Doch wird diese Schreibweise nicht im veröffentlichten Silmarillion benutzt, dort findet man einfach Nienna. LotR selbst ist an diesem Punkt nicht eindeutig. Im Anhang A finden wir die Namen Telperiën und Silmariën, in dieser Schreibweise (obwohl in Unfinshed Tales S. 173 Silmarien geschrieben). Der umfangreichste Quenya-Text in LotR jedoch, Namarië, verwendet in dieser Kombination keine Diärese - dieser Text enthält tier, nicht tiër, für "Pfade" (obwohl die letztere Schreibweise in RGEO:67 auftaucht). In Übereinstimmung mit diesem Beispiel, wie auch Nienna im Silmarillion, werden wir in der Kombination ie keine Diärese benutzen (Vorsicht Deutschsprachige: nicht einfach langes i sprechen!). Wenn die Gruppe -ie aber am Ende eines Wortes erscheint, erhält das e eine Diärese, weil es final ist (völlig unabhängig von der Tatsache, dass es hier auch Teil der Kombination ie ist), in Übereinstimmung mit der oben entwickelten Regel. Somit schreiben wir Namárië, Valië statt Namárie, Valie, und wenn das erste Element von Nienna für sich selbst auftaucht, schreiben wir es nië - das ist das Wort für "Träne". Entfernen wir die Pluralendung -r von tier "Pfade", resultiert daraus tië "Pfad", da -ë final wird.       

In vielen Quellen nach dem Herrn der Ringe begann Tolkien damit, auch die Kombination oa mit Hilfe von Diärese aufzubrechen (offensichtlich um den Leser zu warnen, dass "oa" nicht zusammengezogen werden darf wie im englischen Wort load [im Deutschen kommt diese Kombination in Fremdwörtern vor und wird automatisch getrennt gesprochen: Koala]. So finden wir Schreibweisen wie hröa "Körper" (MR:350 und andere). Zum Vergleich auch einige der oben zitierten Wörter: köarya, cöacalina. In LotR schrieb Tolkien aber einfach oa
In Gegenüberstellung: 
loa
als Schreibweise in LotR (Anhang D: "The Eldar also observed a short period or solar year...usually called loa", "Die Elben beachteten auch eine Kurzperiode oder Sonnenjahr...für gewöhnlich loa genannt")  
löa als Schreibweise in MR:426 (wo das Wort im Plural auftaucht: "löar upon löar" = Jahre über Jahre). 
In Übereinstimmung mit dem System in LotR werden wir keine Diärese benutzen in der Kombination oa. Folglich werden wir hier Schreibweisen verwenden wie hroa "Körper", coa "Haus" usw. Hroa ohne Diärese ist tatsächlich zu finden in MR:399-400 (und VT:41:13), somit "verfälschen" wir Tolkiens Schreibweise nicht, sondern wir kristallisieren nur einen Standard heraus durch die Auswahl einer seiner bevorzugten Alternativen und halten diesen Standard kontinuierlich durch. Das gilt, wie ich zu zeigen versucht habe, für die gesamte Normierung, die ich dem Material auferlege.

 

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