Quellen

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Die Quellen

 

Wir wissen, dass Tolkien tausende Seiten Literatur über seine Sprachen schrieb. Unglücklicherweise - und hier muss ich frischgebackene Studenten bitten, sich selbst von ihrem ersten Schrecken zu heilen, obwohl die erschreckende Tatsache schon angedeutet wurde - ist sehr wenig von diesem Material für uns verfügbar. Doch hat Christopher Tolkien, wie es scheint, versucht, für ihre Publikation Vorkehrungen zu treffen. Den größten Teil der neunziger Jahre hindurch sandte er Fotokopien linguistischer Schriften seines Vaters an eine Gruppe Amerikaner, die oft (aber inoffiziell) Elfconners genannt werden, offensichtlich aufgrund ihres Auftretens bei den "cons" oder Conventions (Zusammenkünften) der ELF, der "Elvish Lingustic Fellowship". Das offenste Mitglied der Gruppe scheint aber jenseits jeden Widerspruchs davon  überzeugt zu sein, dass der Ausdruck "Elfconners" immer abfällig gemeint war, assoziiert mit "conning" oder Irreführung. Wie von TolkLang- Moderator Julian Bradfield hingewiesen kann es sein, dass dieses Mitglied der Gruppe Beleidigungen gegen sich selbst erfindet, doch gegenwärtig ist es politisch korrekt, sich auf diese Gruppe einfach als "Editorial Team" (Team der Herausgeber) zu beziehen, abgekürzt ET. Wie auch immer wir sie nennen, die Gruppe besteht aus Christopher Gilson, Carl F. Hofstetter, Patrick Wynne und Arden R. Smith (in den letzten Jahren schloss sich auch Bill Welden an). Bevor sie Tolkien-Manuskripte erhielten, veröffentlichten sie ziemlich regelmäßig die linguistischen Tolkien-Journale Vinyar Tengwar (herausgegeben von Hofstetter) und Parma Eldalamberon (herausgegeben von Gilson), auf im Allgemeinen hohem Niveau. Dies war wohl der Grund, weshalb Christopher Tolkien wünschte, dass sie an erster Stelle die linguistischen Manuskripte seines Vaters veröffentlichten.

Die sehr befremdliche und unglücklichste Tatsache ist, dass die Veröffentlichungsrate der Gruppe verhängnisvoll sank, nachdem sie Tolkien-Manuskripte zur Veröffentlichung zu erhalten begannen. Sie erhielten die ersten Manuskript-Kopien 1991; ein Jahrzehnt später haben sie es dahin gebracht, einige hundert Seiten neuen Materials drucken zu lassen (das meiste davon Wörterlisten, die zu den allerfrühesten Phasen von Tolkiens Arbeit gehörten, weit weg vom LotR-Szenario). Einige von uns sind nicht beeindruckt. Das wenige Material, das erschien, wurde auf nette Weise präsentiert, aber bei der gegenwärtigen Veröffentlichungsrate muss die Vollendung des Projektes in weiter Ferne liegen. 1996 behauptete Christopher Gilson, dass seine Gruppe für "nächstes Jahr" plante, "ziemlich umfangreiche" Grammatiken für die beiden Hauptsprachen von Tolkiens Mythologie zu veröffentlichen. Früh im Jahr 2002 veröffentlichten sie endlich einiges Material, dass sich auf bestimmte Stufen von "Gnomish" bezog, ein früher Vorfahr jener Sprache, die Tolkien später Sindarin nannte; wir warten noch immer auf eine wirklich beträchtliche Summe an Material über Quenya. Die meisten anderen Fristen, die sich die Mitglieder von Gilsons Gruppe selbst gesetzt hatten, erwiesen sich als gleichermaßen wertlos, und seit etwa 1998 haben sie sich überhaupt jeder Setzung von Fristen  enthalten. Noch immer müssen wir hoffen, dass wir in zehn (oder zwanzig, dreißig...) Jahren mehr wissen - aber wenn das Editorial Team fähig sein sollte, damit anzufangen, effizient und regelmäßig Tolkien-Material zu veröffentlichen,  muss es diese Fähigkeit noch immer erst beweisen. 

Wir müssen folglich mit jenen Quellen arbeiten, die schon verfügbar sind - Quellen, die die Sprachen oft mehr oder weniger zufällig berühren. Der linguistische Aspekt von Tolkiens Schriftstellerei durchdringt glücklicherweise seine Werke in einem solchen Ausmaß, dass man viel  über seine Sprachen herausfinden kann, wenn man all die verstreuten Informationen zusammenbringt und gründlich analysiert - selbst ohne Zugang zu den Grammatiken selbst. Unglücklicherweise hinterläßt diese Art des Studiums große Wissenslücken, Lücken, die jene am meisten irritieren, die die Sprachen tatsächlich anwenden wollen. In anderen Fällen ist das Material so spärlich, dass wir nicht nur eine, sondern viel zu viele Theorien über die zugrunde liegenden Grammatikregeln aufstellen müssen, und wir haben keine weiteren Beispiele, die uns erlauben würden, die richtige Theorie auszumachen. Dennoch wissen wir eine ganze Menge über Quenya, obwohl einiges von unserem Wissen provisorischer und vorläufiger ist als wir uns wünschen. Ein Überblick über die Quellen folgt hier; und schließlich sollte ich die Abkürzungen erklären, die in dieser Arbeit verwendet werden.

Die primären Erzählungen, The Lord of the Rings ("Der Herr der Ringe"; LotR, 1954-55) und The Silmarillion ("Das Silmarillion", Silm, 1977) brauchen nicht weiter vorgestellt zu werden. (Natürlich gibt es da noch The Hobbit ("Der Hobbit"), aber dieses Buch enthält wenig linguistische Informationen und so gut wie gar nichts über Quenya.) Die meisten elbischen Namen von Personen und Plätzen in LotE (wie Aragorn, Glorfindel, Galadriel, Minas Tirith) sind Sindarin, aber es gibt auch beträchtliche Quenya-Beispiele. In LotR finden wir einen der längsten bekannten Quenya-Texte, das Gedicht Namárië ziemlich am Ende des Kapitels VIII ("Farewell to Lórien", Abschied von Lórien) im Buch 2 des ersten Teils, The Fellowship of the Ring (Die Gefährten). Auch als Galadriels Klagelied bekannt, beginnt dieses Gedicht mit den Worten Ai! laurië lantar lassi súrinen...

Verschiedene kürzere Beispiele von Quenya sind ebenso über den Herrn der Ringe verteil, wie das Beispiel von Frodo in Shelob´s ("Kankras") Lauer ("Aiya Eärendil Elenion Ancalima! rief er, und er wusste nicht, was er geprochen hatte"), der Lobpreis, den die Ringträger auf dem Feld von Cormallen empfingen (teils Sindarin, teils Quenya), Elendils Proklamation, wiederholt von Aragorn bei seiner Krönung, und Baumbarts Gruß an Celeborn und Galadriel. Die Quenya-Teile des Cormallen Praise (wie ich die Stelle in Zukunft nennen werde) lautet im Teil 3, Buch 6, Kapitel IV ("The Field of Cormallen", Das Feld von Cormallen") lautet wie folgt: A laita te, laita te! Andave laituvalmet! ... Cormacolindor, a laita tárienna! (Cf. Sauron Defeated, S. 47.) Übersetzt wird dies in The Letters of J. R. R. Tolkien, S. 308: "Bless them, bless them, long we will praise them" - "The Ring bearers, bless (or praise) them to the height." ("Preist sie, preist sie, lange werden wir sie preisen." - "Die Ringträger, rühmt sie mit hohem Preis!")

Im folgenden Kapitel (V) finden wir Elendils Proklamation, wiederholt von Aragorn bei seiner Krönung: et Eärello Endorenna utúlien. Sinome maruvan ar hildinyar tenn´ Ambar-metta. Das wird im Text übersetzt mit "Aus dem großen Meer bin ich nach Mittelerde gekommen. Hier will ich bleiben, und meine Erben, bis ans Ende der Welt." 

Baumbarts Gruß im Kapitel danach (VI) lautet: a vanimar, vanimálion nostari, übersetzt sowohl in Letters S. 308 ("o beautiful ones, parents of beautiful children", "Oh ihr Schönen, Eltern schöner Kinder") als auch in Sauron Defeated S. 73 ("fair ones begetters of fair ones", sinngemäß dasselbe, jedoch poetischer). 

Quenya-Material (obwohl meistens nur in Form vereinzelter Wörter) tauchen auf in den Anhängen zu LotR auf, speziell im Anhang E. 

Im Silmarillion finden wir ebenfalls einige kurze Quenya-Sätze. Im Kapitel 20 finden sich einige Kampfschreie: Utúlie´n aurë! Aiya Eldalië ar Atanatári, utúlie´n aurë! "Der Tag ist gekommen! Seht, Völker der Eldar und Väter der Menschen, der Tag ist gekommen!" - Auta i lómë! "Die Nacht vergeht!" - Aurë entuluva! "Es soll wieder Tag werden!" Nahe dem Ende von Kapitel 21 findet man einen Schrei a Túrin Turambar turun ambartanen, "oh Turin, Meister des Schicksals, vom Schicksal gemeistert" - aber Unfinished Tales S. 138 zeigt an dass es besser turun heißen sollte statt tutún' (offensichtlich verkürzt von einer längeren Form turúna, wobei das finale -a wegfiel, weil das nächste Wort ebenfalls mit -a beginnt.) Der Anhang des Silmarillion "Elemente in den Quenya- und Sindarin-Namen",  erwähnt ebenfalls viele Wörter, die zu diesen beiden Sprachen gehören. 

Im Fall der anderen Quellen genügt ein summarischer Überblick, da diese Bücher und Journale (im Gegensatz zu LotR und Silm!) nicht in vielen Ausgaben und Übersetzungen erschienen sind. Somit kann ich mich einfach auf das relevante Buch und die relevante Seite beziehen, wenn ich daraus zitiere, und dieser Bezug wird hoffentlich präzise genug sein. Sie werden hier mit den im folgenden benutzten Abkürzungen aufgelistet:

RGEO: The Road Goes Ever On (die Seitenzahlen beziehen sich auf die zweite Ausgabe: Second Edition von 1978, ISBN 0-04-784011-0). Die erste Ausgabe wurde 1968 veröffentlicht; dies ist eine unserer wenigen Quellen außerhalb des Herrn der Ringe, die zu Tolkiens Lebzeiten veröffentlicht wurden, was ihr besonderes Ansehen verleiht (denn wenn etwas veröffentlicht war, betrachtete er es normalerweise als festen und unveränderlichen Bestandteil der Mythologie). Während RGEO im wesentlichen einen Liederzyklus darstellt (Tolkiens Gedichte mit Musik von Donald Swann), schloss Tolkien ebenso ziemlich umfassende Anmerkungen ein zu zwei elbischen Gedichten in LotR, Namarië und die Sindarin-Hymne A Elbereth Gilthoniel (RGEO:66-76). Er schrieb sie in Fëanorischer Schreibweise und stattete beide zwischen den Zeilen mit Übersetzungen aus; das erlaubt uns mit Sicherheit festzustellen, welches Wort was bedeutet. Er rearrangierte außerdem Namarië in einer eher prosaischen Form, als Alternative zu der poetischen Version im Herrn der Ringe - und gibt uns damit die einzigartige Gelegenheit, poetischen und prosaischen Stil in Quenya zu vergleichen. Folglich werde ich mich manchmal auf das "Prosa-Namarië" beziehen.

UT: Unfinished Tales (1980, ISBN 0-04-823208-4). Eine Sammlung von Material, die nach Tolkiens Tod veröffentlicht wurde und die Geschichten von LotR und Silm ergänzt, obwohl - wie sich aus dem Titel ergibt - nicht alles vom Autor je beendet wurde. Von besonderem Interesse für Studierende des Elbischen ist Cirion´s Oath (Cirions Eid) in UT:305: Vanda sina termaruva Elenna·nórëo alcar enyalien ar Elendil vorondo voronwë. Nai tiruvantes i hárar mahalmassen mi Númen ar i Eru i or ilyë mahalmar eä tennoio. Die (nicht völlig literarische) Übersetzung, die im Text gegeben wird, lautet: "This oath shall stand in memory of the glory of the Land of the Star, and of the faith of Elendil the Faithful, in the keeping of those who sit upon the thrones of the West and of the One who is above all thrones for ever": "Dieser Eid soll bestehen in der Erinnerung an den Ruhm des Landes des Sternes und an die Redlichkeit Elendils des Treuen, und er soll von jenen bewahrt werden, die auf den Thronen des Westens sitzen und von dem Einen, der für immer über allen Thronen sitzt." Tolkien fügte einige interessante Anmerkungen über die Quenya-Worte hinzu (UT:317), die es uns erlauben, den Eid selbst zu analysieren.

Letters: The Letters of J. R. R. Tolkien (1981, ISBN 0-04-440664-9). Diese Sammlung von Briefen wurde von Humphrey Carpenter, Tolkiens Biograph, herausgegeben und enthält ebenfalls einige linguistische Informationen. Leser von LotR schrieben gelegentlich an Tolkien und stellten Fragen zu den Quenya- und Sindarin-Beispielen in diesem Werk. Da dies Tolkiens Lieblingsthema war, schrieb er oft ziemlich detaillierte Antworten. Unter anderem enthält Letters Übersetzungen einiger elbischer Beispiele, die im Herrn der Ringe selbst nicht übersetzt sind, z. B. Aiya Eärendil Elenion Ancalima = "hail Eärendil brightest of stars" ("Heil Eärendil, dem strahlendsten der Sterne", Letters:385; die Übersetzung des Cormallen Praise in Letters:308 haben wir bereits zitiert).

MC: The Monsters and the Critics and Other Essays (1983, ISBN 0-04-809019-0). Dieses Buch enthält Tolkiens Essay A Secret Vice (MC:198-223), in dem er seine Gedanken und Theorien über die Konstruktion von Sprachen im Allgemeinen darlegt. Er fügte auch einige "elbische" Gedichte hinzu, mit dem bemerkenswertesten Oilima Markirya oder "The Last Ark" (Die letzte Arche), das in verschiedenen Versionen aufgeführt ist. Die Version von Markirya, die für jene am interessantesten ist, die die Art von Quenya im LotR studieren, ist zu finden in MC:221-223 (einschließlich einiger wertvoller Kommentare). Mit der Herausgabe und Veröffentlichung von Silm, UT und MC auf der Grundlage der Aufzeichnungen, die sein Vater zurückgelassen hatte, begann Christopher Tolkien mit einem sehr anspruchsvollen Projekt. In der Periode von 1983 bis 1996 veröffentlichte er eine Serie von nicht weniger als zwölf Büchern, die aufzeigen, wie sein Vater seine weltberühmten Erzählungen über viele Jahre entwickelt hat. Die Serie History of Middle-earth (Die Geschichte von Mittelerde, HoME) präsentiert die vielen "Schichten" von Manuskripten, und zeichnet auf, wie das Silmarillion und LotR, wie wir sie kennen, Stück für Stück zum Leben erweckt wurden. Sie stellt auch andere Materialien vor, die sich auf Tolkiens ausgedehnte Mythologie beziehen. Der Einfachheit halber werde ich alle Bände von HoME mit ihren Standard-Abkürzungen auflisten, obwohl ich nicht wirklich aus allen zitieren werde:

LT1: The Book of Lost Tales 1 (1983, ISBN 0-04-823231-5)

LT2: The Book of Lost Tales 2 (1984, ISBN 0-04-823338-2)

LB: The Lays of Beleriand (1985, ISBN 0-04-440018-7)

SM: The Shaping of Middle-Earth (1986, ISBN 0-04-440150-7)

LR: The Lost Road (1987, ISBN 0-04-440398-4)

RS: The Return of the Shadow (1988, ISBN 0-04-440669-X)

TI: The Treason of Isengard (1989, ISBN 0-261-10220-6)

WR: The War of the Ring (1990, ISBN 0-261-10223-0)

SD: Sauron Defeated (1992, ISBN 0-261-10305-9)

MR: Morgoth´s Ring (1993, ISBN 0-261-10300-8)

WJ: The War of the Jewels (ISBN 0-395-71041-3)

PM: The Peoples of Middle-earth (1996, ISBN 0-216-10337-7)

Jedes dieser Bücher enthält Anhaltspunkte hinsichtlich der Struktur von Tolkiens Sprachen, oft in einer eher zufälligen Weise (Christopher Tolkien schloss relativ wenige von im engsten Sinn linguistischen Schriften ein; da sie in hohem Maße "technisch" sind wären sie von nur begrenztem Interesse für die allgemeine Leserschaft). Für jene, die vor allem an Tolkiens Sprachen interessiert sind, wie sie im Herrn der Ringe erscheinen, sind die wichtigsten Bände von HoME LR, WJ und SD. Jeder ernsthafte Student dieser Sprachen sollte sie in seiner oder ihrer privaten Bücherei stehen haben. Der einzige lange Quenya-Text, der in HoME auftaucht, Firiel´s Song, ist in LR:72 zu finden - aber wichtiger ist, dass diese Bücher drei wichtige Quellendokumente wiedergeben, auf die ich mich oft namentlich beziehen werde (wie die meisten, die Tolkiens linguistische Schöpfungen studieren). Deshalb werden sie hier kurz vorgestellt. Wir sprechen von den Etymologies und den Essays Quendi and Eldar und Lowdham´s Report.

  1. Die Etymologies (kurz "Etym" genannt) findet man in LR:347-400. (Ich sollte erwähnen, dass es verschiedene Ausgaben von LR gibt, somit gibt es unglücklicherweise auch mehr als eine Seitennummerierung; meine Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe, die normalerweise von Tolkien-Linguisten benutzt wird.) Für gelegentliche Leser ist es das unzweifelhaft verwirrendste Dokument der ganzen HoME-Reihe, es ist unsere wichtigste ausschließliche Quelle von "elbischem" Vokabular. Aber es ist kein reguläres Wörterbuch. Es ist eine alphabetische Liste von ungefähr 600 ursprünglichen Wurzeln, die verschiedenen Einträge listen "echte" Wörter auf, die sich von diesen Wurzeln ableiten und in späteren Elbensprachen auftauchen (manchmal wird auch die tatsächliche folgende "urelbische" Form genannt, die die Basis selbst eng widerspiegelt). Beispiel: Unter dem Eintrag ÁLAK (LR:348), selbst definiert als "rushing", rasend, stürmend, finden wir diese Serie: "*alk-wã swan (Schwan): Q alqa; T alpa; ON alpha; N alf." Tolkiens Vorstellung ist, dass das urelbische Wort alk-wã sich entwickelte zu Q[uenya] alqa, T[elerin] alpa, O[ld] N[oldorin] alpha und N[oldorin] alf. Die Etymologies wurden in der zweiten Hälfte der Dreißiger geschrieben, und die Rechtschreibung und die allgemeinen Konzepte unterscheiden sich auf gewisse Weise vom Szenarion des Herrn der Ringe, wie er in den frühen Fünfzigern veröffentlicht wurde. (Wenn wir das eben zitierte Beispiel "aktualisieren" wollten, müssten wir statt Noldorin Sindarin schreiben, und Quenya alqa und "Noldorin"/Sindarin alf sollten eigentlich alqua und alph buchstabiert werden - beide Wörter, so geschrieben, sind tatsächlich in späteren Schriften attestiert.) Trotz der Tatsache, das die Etymologies in einigen Aspekten ein in gewisser Weise eine "überholtes" linguistisches Szenario widerspiegeln, da Tolkien nach ihnen wichtige Revisionen vornahm, ist es dennoch eine Goldmine an Informationen (und kann, wie wir soeben gezeigt haben, bis zu einem gewissen Maß ohne weiteres " aktualisiert werden in Übereinstimmung mit Tolkiens späteren Vorstellungen). Von allen Sprachen, die Tolkien in Etym erwähnte, ist Quenya in jedem Fall unter den Sprachen, die nicht signifikant von seinen nachfolgenden Revisionen berührt wurden. (Im Fall von "Noldorin" andrerseits bastelte er an seiner Phonologie und imaginären Entwicklung, und veränderte drastisch seine innere Geschichte, um Sindarin in der Form zu erstellen, wie wir es vom Herrn der Ringe kennen.)

  2. Quendi and Eldar (manchmal kurz "Q&E") findet sich in WJ:360-417. Dies ist scheinbar ein Essay über "Origin and Meanings of the Elvish words referring to Elves and their varieties. With Appendices on their names for other Incarnates" ("Ursprung und Bedeutung der elbischen Wörter, die sich auf die Elben und ihre Vielfalt beziehen. Mit Anhängen zu ihren Namen für andere Inkarnationen"). Das ist mit Sicherheit umfassend geschehen, aber glücklicherweise (aus unserer Sicht!) gibt es viele Abschweifungen, Anhänge und Anmerkungen, die viel zusätzliche Information über die Elbensprachen enthalten, wie Tolkien sie in der Periode nach LotR sah: Dieser Essay ist zu datieren auf ca. 1959 - 60. Christopher Tolkien fand, dass ein wesentlicher Abschnitt sich zu radikal vom Thema des Essays entfernte, und nahm ihn heraus (siehe WJ:359,396). Glücklicherweise wurde der gestrichene Abschnitt später im Journal Vinyar Tengwar veröffentlicht, Ausgabe #39. Wenn ich aus Quendi and Eldar zitiere, werde ich mich deshalb manchmal auf WJ beziehen und manchmal auf Vinyar Tengwar (VT). Der Abschnitt, der in VT erschien, mag "abschweifend" sein, doch er ist natürlich von immensem Interesse für jene, die Tolkiens Sprachen studieren.

  3. Lowdham´s Report, oder vollständig Lowdham´s Report on the Adunaic Language, findet man in SD:413 - 440. Wie der Titel besagt, betrifft dieser Bericht hauptsächlich eine andere Sprache als Quenya: Adunaic (im Anhang zu LotR Adûnaic  geschrieben), die Sprache der Einheimischen von Númenor. Ein wenig Information kann aber auch über Quenya herausgepickt werden, das in diesem Bericht als "Avallonian" bezeichnet wird - die beiden Sprachen werden manchmal miteinander verglichen oder einander gegenüber gestellt. ("Lowdham" ist einfach ein fiktiver Charakter von Tolkien. Tolkien präsentierte manchmal selbst ziemlich technische Informationen über seine Sprachen, als zitiere er nur Beobachtungen und Standpunkte verschiedener Personen, die innerhalb seiner Mythologie existieren. Unter seinen bevorzugten fiktivern "Quellen" finden wir Fëanor, den größten und auch stolzesten der Noldor, Rúmil, der Weise von Tirion, und Pengolodh, der Meister der Überlieferung von Gondolin: Viele von Tolkiens Charakteren scheinen das Interesse ihres Autors an geheimnisvollen Schriften und fremden Sprachen zu teilen.)

Die bis jetzt erwähnten Skripten sind jene, die von Tolkien selbst oder seinem Sohn veröffentlicht bzw. herausgegeben wurden - mit Ausnahme der Letters, die von Humphrey Carpenter herausgegeben wurden. Als Ergänzung folgen noch einige wenige Werke, die von anderen herausgegeben und veröffentlicht wurden. 
Einige sehr kleine Stückchen Information können aus J. R. R. Tolkien - Artist and Illustrator entnommen werden, herausgegeben von Wayne Hammond und Christina Scull. Die Ergebnisse des Editorial Teams, spärlich, aber nicht unbedeutend, müssen ebenfalls genannt werden. Das Journal Vinyar Tengwar (VT), herausgegeben von Carl F. Hofstetter, hatte sein "goldenes Zeitalter" in der Periode von 1988 - 93, wo es dem Herausgeber gelang, zweimonatliche Veröffentlichungen aufrecht zu erhalten. Als Hofstetter und die anderen Mitglieder des ET in den frühen Neunzigern begannen, originales Tolkien-Material von äußerstem Interesse für Herausgabe und Veröffentlichung zu erhalten, fiel die Veröffentlichungsrate seltsamerweise auf etwa eine Ausgabe pro Jahr, und diese Situation zog sich durch die zweite Hälfte der Neunziger und ins neue Jahrzehnt. Nicht jede der wenigen veröffentlichten Ausgaben enthielten neues Material von Tolkien, und wo es auftaucht, ist es normalerweise begrenzt auf sehr kleine Stückchen (die überwiegend Beispiele von sehr frühem Material sind, das oft eindeutig nicht LotR-kompatibel ist).

Einige wenige Ausgaben ragen jedoch heraus, und eine von ihnen wurde schon erwähnt: In der Ausgabe #39 vom Juli 1998 veröffentlichte Hofstetter den Teil von Quendi and Eldar, den Christopher Tolkien aus WJ herausgelassen hatte, ebenso wie den begleitenden Essay Ósanwe-kenta (letzteres ist vom Thema her streng genommen nicht linguistisch, aber Tolkien erwähnte dennoch einige Quenya-Wörter). Einiges an brauchbarem Material erschien auch in der Ausgabe #41 vom Juli 2000 und füllte einige ärgerliche Lücken in unserem Wortschatz (insbesondere hinsichtlich des Verbs "können") und enthielt interessante neue Informationen über die Bildung der Gegenwartsform (Präsens). Im Januar 2002 wurden in der Ausgabe #43 verschiedene Quenya-Übersetzungen des Vaterunsers und des Ave Maria veröffentlicht; der Katholik Tolkien erstellte mehr als eine elbische Version dieser Texte.  

Die anderen Hauptergebnisse der Herausgabe-Bemühungen des ET bestehen hauptsächlich aus Wörterlisten: das Gnomish Lexicon (GL) und das Quenya Lexicon (QL, auch bekannt als das Qenyaqetsa, abgekürzt QQ). Das GL erwähnt auch einige "Qenya"-Wörter (ebenso wie QL einige gnomische Wörter erwähnt; die Sprachen werden nicht selten verglichen oder einander gegenübergestellt). "Qenya" als Gegensatz zum (LotR-Stil-)Quenya folgt weiter unten. Diese Lexika wurden in den Ausgaben #11 und #12 des Journals Parma Eldalamberon veröffentlicht, 1995 und 1998. Sie wurden im Original während des Zweiten Weltkrieges geschrieben, als sich die früheste Form von Tolkien´s Mythologie zu formen begann: Das QL-Manuskript wird normalerweise auf 1915 datiert, GL auf 1917. Wesentliche Auszüge wurden schon 1983 - 84 veröffentlicht, als Christopher Tolkien heftig gearbeitet hatte an den Lexika in den Anhängen zu LT1 und LT2. Jedem Lexikon vorangestellt veröffentlichte Parma ebenfalls einiges Material dazu: eine nie fertig gestellte Gnomish Grammar in #11, und eineige phonologische Beschreibungen zu "Qenya".

Bei den konkreten Quenya-Beispielen - soweit erwähnt - beziehe ich mich oft auf Namárië, Treebeards Greeting, Elendil´s Declaration, Cirion´s Oath, Fíriel´s Song und Markirya einfach mit Titel oder "Name", ohne immer Buch und Seite zu nennen. Von den Ausführungen oben wird der Student wissen, wo sie zu finden sind (falls Sie die Notwendigkeit spüren sollten, die Präzision meiner Zitate zu überprüfen!) In den meisten anderen Fällen werde ich die Quelle nennen, wenn ich etwas zitiere, soweit das Zitat in einer der Quellen zu finden ist, die einen präzisen Bezug auf Buch und Seite erlauben (soweit es keine Flut verschiedener Ausgaben mit unterschiedlicher Seitennummerierung gibt). Wenn ich mich auf Einträge in den Etymologies (in LR) beziehe, zitiere ich einfach das Schlagwort des Eintrags, das in allen Ausgaben leicht gefunden werden kann (unabhängig von der Seitennummerierung).

Ein Wort der Warnung zu Teilen der "Sammlung"

Verteilt auf die oben aufgelisteten Quellen haben wir den gesamten "Korpus", der grob geschätzt an die 150 Seiten umfassen dürfte, wenn wir alles zusammen bringen würden (obwohl das meiste unglücklicherweise einfach zusammenhangloses Wörterlisten-Material sein würde; die Beispiele von wirklichem Text sind viel seltener und könnten vielleicht in nicht mehr als zwei oder drei Seiten erfasst werden). Aber an dieser Stelle ist eine Warnung angebracht: Wenn Sie jene Art Quenya lernen wollen, der Sie im Herrn der Ringe begegnet sind, werden nicht alle in dieser Sammlung gefundenen Beispiele völlig "vertrauenswürdig" sein - obwohl sie natürlich reiner Tolkien sind. Um einen "Sumpf der Verwirrung" zu vermeiden, sollte der Student sofort folgende Tatsache verinnerlichen: Die Art Quenya, die im Herrn der Ringe zu finden ist, ist nicht die einzige Art Quenya, die es gibt. Wenn Sie damit beginnen, alle Beispiele von Quenya zu untersuchen, die wir nun zur Verfügung haben, werden Sie bald feststellen, dass sie keine homogene Masse bilden. Die meisten Beispiele mögen vielleicht gleich "aussehen", weil sie sich niemals zu weit von den finnisch inspirierten Wortformen entfernen, aber vieles von dem frühen Material (das zu Tolkiens Lebzeiten nie veröffentlicht wurde), kann Wörter, Endungen von Beugungen und Grammatikregeln anwenden oder als Voraussetzung haben, die von dem System des Quenya im Herrn der Ringe abweichen. Auf jeden Fall ist kein Beispiel völlig verschieden vom Quenya-Stil im Herrn der Ringe - aber in Material, das vor den Mittdreißigern zu datieren ist, gibt es auch kein Beispiel, das vollkommen identisch ist. 

Tolkien war sozusagen allzu gut, wenn es dazu kam, Sprachen zu konstruieren. Sie mit einem klaren Schnitt unveränderlich zu fixieren war für ihn eine nahezu unmögliche Aufgabe. Immer gab es neue Ideen, die er in ihre Struktur einarbeiten wollte, sogar wenn diese Ideen im Widerspruch zu Dingen standen, die er früher niedergeschrieben hatte. Wir können sicher sein, dass seine Romanfigur Lowdham für Tolkien selbst spricht (SD:240):

Bei der Konstruktion einer Sprache bist du frei: allzu frei (...) Wenn du gerade dabei bist zu erfinden, liegt das Vergnügen oder der Spaß im Augenblick der Erfindung selbst; aber wenn du der Meister bist, ist deine Laune zum Gesetz geworden und du möchtest den Spaß von neuem haben, frisch und ganz von vorne. Du neigst dazu, für immer daran herumzubasteln, zu verändern, verfeinern, unschlüssig zu sein, deiner linguistischen Laune und der Änderung deines Geschmackes nachzugeben.

 Mit der posthumen Veröffentlichung vieler von Tolkiens Schriften werden wir Zeuge von vielem "Herumbasteln, Verändern, Verfeinern und Unschlüssigsein". Es ist nun klar, dass Quenya in vielen Formen erschien, und während alle den selben allgemeinen "Stil" teilen und für einen Neuling vielleicht gleich erscheinen, unterscheiden sie sich in Wirklichkeit in vielen Details der Grammatik, des Vokabulars und sogar der Phonologie. Eine eindrucksvolle Demonstration vom Umfang von Tolkiens Revisionen zeigt das Markirya-Gedicht, das in einer Version aus den frühen Dreißigern existiert (MC:213) und in einer anderen, die ungefähr vierzig Jahre jünger ist, aus dem letzten Lebensjahrzehnt Tolkiens (MC:221-223). Beide Versionen haben (fast) dieselbe Bedeutung, aber die späte Version ist in des Wortes reinstem Sinn eine Übersetzung des früheren, nicht eine bloße Wiederholung: Nur ein paar Wörter und Beugungsendungen sind in beiden Texten gleich.

Da Tolkien in Quellen vor LotR typischerweise die Schreibweise Qenya benutzte an Stelle von Quenya (obwohl die beabsichtigte Aussprache dieselbe ist), benutzen ich und andere oft "Qenya" (vorzugsweise in Zitaten) als einen Namen der frühen Quenya-Varianten, die sich mehr oder weniger von der Form unterscheiden, die in LotR und späteren Quellen erscheint. Die erste Version von Markirya würde ich folglich ein "Qenya"-Gedicht nennen; nur die spätere Version ist Quenya, wie wir es von LotR kennen. Einige andere Gedichte, die in MC reproduziert wurden (Nieninge and Earendel, S. 215-216), ebenso wie ein alternatives "Last Ark"-Gedicht mit einer anderen Bedeutung als das klassische Markirya (MC:221) sind ebenso "Qenya" eher als Quenya. Diese Texte mögen sicher Gefallen finden aufgrund ihrer eigenen Qualitäten. Als Quellenmaterial für Studenten, die die Struktur des Quenya-Stils in LotR darstellen wollen, schließen sie sich selbst aus. 

Wie wir erwarten würden, wird die Sprache allgemein ihrer endgültigen Form immer ähnlicher, je mehr wir uns dem Schreiben des Herrn der Ringe durch Tolkien nähern. So ist zum Beispiel der relativ späte Text Fíriel´s Song fast, aber nicht ganz LotR-Stil. Doch sollte man auch keine zu einfache Vorstellung dieser Dinge haben in der Richtung, dass Tolkien 1915 mit einer Sprache begann, die sich ziemlich von jener im Herrn der Ringe unterschied, und dass es sich "schrittweise" in das Quenya aus LotR verwandelte - auf einer netten, sauberen Entwicklungslinie. Das bisschen an veröffentlichtem Material erlaubt uns nicht, den Prozess in jedem Detail nachzuvollziehen, aber es ist schon offensichtlich, dass Tolkiens Gedanken vor und wieder zurück gingen; dass er nicht nur Revisionen vornahm, sondern sie häufig später auch wieder zurücknahm: Tatsächlich macht einiges des allerfrühesten Materials, geschrieben während des Ersten Weltkriegs, einen Gesamteindruck, der dem LotR-Stil näher steht als manche "Qenya"-Gedichte der frühen Dreißiger. Es mag scheinen, dass Tolkien nicht "forsch" Richtung LotR-Stil voranschritt, sondern unterwegs vielmehr eine Reihe von Umwegen einschlug, manchmal radikale Revisionen wagend, die sich  möglicherweise als nicht zufriedenstellend erwiesen und verworfen wurden. In anderen Fällen dagegen erwiesen sich bestimmte Revisionen als dauerhaft; Tolkien empfand sie vielleicht als echte Verbesserungen - aber der ganze Prozess war völlig unvorhersagbar, denn in einem Spiel wie diesem konnte es keine vorstellbaren objektiven Kriterien dafür geben, was sich als Verbesserung herausstellen würde: Wie Tolkien Lowdham sagen lässt: "Your whim is law" (deine Laune ist Gesetz).

Ein Quenya, das dem Quenya in LotR ziemlich nahe steht, scheint zum ersten Mal in der zweiten Hälfte der Dreißiger aufzutauchen, mit der Niederschrift der Etymologies. Doch sollte nicht der Gedanke aufkommen, dass alles durch und durch  beständig wurde, auch nicht nachdem in der ersten Hälfte der Fünfziger LotR geschrieben und veröffentlicht war; Tolkien nutzte in der Tat die Gelegenheit, sogar mit den veröffentlichten Beispielen von Quenya in diesem Werk ein wenig herumzuspielen, als eine revidierte Fassung 1966 erschien (und noch mehr Basteleien gab es sicher jenseits dieser Szenerie). Sieben Jahre später starb er, und es gibt wenig Grund anzunehmen, dass es ihm jemals gelang (oder dass er es überhaupt ernsthaft versuchte), Quenya und seine anderen Sprachen als in Stein gemeißelte Formen für immer zu fixieren - jedes Detail aussortiert. Mitglieder des Editorial Teams deuteten an, dass Tolkiens spätere Manuskripte Zeugnis ablegen von einer letzten Phase intensiven Experimentierens, aber offensichtlich tauchte keine abschließende oder endgültige Version der Sprache jemals auf. Das war nicht notwendigerweise ein "Versäumnis", wie ein Komponist es niemals schafft, seine große Oper zu vollenden: "Unceasing change, often frustrating to those who study these languages, was inherent in this art" ("Unaufhörlicher Wechsel, oft frustrierend für jene, die diese Sprachen studieren, ist dieser Kunst eigen."), beobachtet Christopher Tolkien (SD:440). An anderer Stelle bemerkt er hinsichtlich der Arbeit seines Vaters an den Sprachen, dass der bloße Versuch eines abschließenden Berichtes unmittelbar Unzufriedenheit und den Wunsch nach neuen Konstruktionen erzeugte: so wurden die schönsten Manuskripte mit Geringschätzung behandelt (LR:342). Insofern die Freude im Erschaffen selbst lag, konnte Tolkien keinen abschließenden Bericht verfassen, oder seine Freude daran wäre vergangen und vorbei.

Dennoch scheint Quenya in der zweiten Hälfte der Dreißiger, verglichen mit Tolkiens intensiver Experimentierphase in den zwanzig Jahren von 1915 an, in eine in gewisser Weise "stabile" Phase eingetreten zu sein. Während des folgenden Jahrzehnts schrieb Tolkien LotR, das einige Beispiele von Quenya, wie es zu diesem Zeitpunkt bestand, enthielt (am bemerkenswertesten Namárië). Mit der sich ergebenden Veröffentlichung von LotR 1954 - 55 wurden diese Formen ein "fixer" Teil der Mythologie (trotz Tolkiens leicher Basteleien in der 1966´er Revision). Nach der Veröffentlichung des Herrn der Ringe konnte Tolkien verständlicherweise seine Sprachen in keiner Weise mehr so frei wie früher revidieren. Wie verlautet gibt es Andeutungen in seinen Manuskripten nach LotR, dass er sich tatsächlich irgendwie eingeschränkt fühlte. Doch diese relative Stabilität würden später zu guten Neuigkeiten für jene werden, die "das" Quenya lernen oder studieren wollten, Tolkiens mehr oder weniger endgültige Entscheidung darüber, wie diese Sprache "wirklich war" in den weit zurückliegenden Jahren der Chronik seiner Mythologie. Einige (einschließlich mir selbst) beziehen sich darauf als auf das "reife Quenya". Andere finden, dass dieser Ausdruck die früheren Formen von Quenya oder "Qenya" übermäßig herabsetzt, da sich daraus der unvermeidliche Schluss ergibt, dass sie in gewisser Weise unreif und geringwertiger sind. Subjektiv und von einem künstlerischen Standpunkt aus finde ich die "finale" Form von Quenya attraktiver als Tolkiens frühere Experimente, und es kann keinen Zweifel geben, dass dies jene Art Quenya ist, die die meisten in erster Linie lernen wollen - nicht die früheren Varianten, die Tolkien selbst verwarf. Deshalb ist das sicher die Version von Quenya, von der sich Tolkien selbst gewünscht hätte, dass wir sie studieren; wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir niemals irgendwelche anderen Versionen gesehen! Er verwandte außerordentliche Sorgfalt darauf, dass seine Mythologie frei blieb von inneren Widersprüchen, und er hätte niemals gegensätzliche Varianten von Quenya als irgendwie gleichwertig behandelt. Tatsächlich sollte angemerkt werden, dass der ältere Tolkien auf seine früheste Form von "Qenya" als "sehr primitiv" hinwies (PM:379). Somit bleibt uns keine andere Wahl als das frühe Material mit erheblicher Vorsicht zu behandeln, und es gibt wenig Grund zu glauben, Tolkien wäre schwer beleidigt, wenn andere behaupten (oder darin übereinstimmen!), dass seine frühen "Qenya"-Varianten nicht so attraktiv sind wie seine späteren, sorgfältig verfeinerten Versionen dieser Sprache.

Dennoch habe ich mich entschlossen, in diesem Kurs nicht vom "reifen Quenya" zu sprechen, sonder besser von Quenya im LotR-Stil. Letztere Bezeichnung sollte völlig unumstritten sein. Die Sprache, die dieser Kurs lehrt, ist natürlich Quenya im LotR-Stil, so weit wir uns im gegenwärtigen Stadium nähern können - aber in keinem Punkt soll so getan werden als hätten die früheren Varianten von "Qenya" nie existiert. Ich werde im Gegenteil auf einige ihrer Grundzüge zurückgreifen, um den Studierenden eine Vorstellung davon zu geben, welche Art Varianten im Material auftauchen. Abgesehen von solchen akademischen Betrachtungen ist das frühe Material etwas, auf das wir "zurückfallen", wo Material näher (und später datiert) an LotR für unsere Zwecke unzureichend ist. Teilweise schlachten wir das "Qenya"-Material aus für nützliche Vokabelausdrücke, wobei wir uns immer versichern, dass die Wörter, die wir in das Quenya im LotR-Stil übertragen, geeignet sind für diese Sprache (zum Beispiel dürfen sie nicht mit späteren Wörtern unterschiedlicher Bedeutung kollidieren, und die Gestalt des Wörter selbst muss zur Lautlehre und dem System der Ableitung der Sprache passen, wie Tolkien sie möglicherweise selbst ins Auge gefasst hätte). Letzten Endes können alle Verkörperungen von Q(u)enya in der gesamten Periode von der Erfindung der Sprache 1915 bis zu Tolkiens Tod 1973 gesehen werden als endlose Variationen über in gewisser Weise immer dieselben Themen. Deshalb ist es auf diese Weise nur passend, wenn wir bei unseren Versuchen, eine anwendbare Form von Quenya zu entwickeln, alles in Betrachtung ziehen. Doch für die gesamte grammatikalische und phonologische Struktur müssen wir Tolkiens Vision, wie sie im LotR und Schriften danach manifestiert ist, Priorität einräumen: Wenn wir Tolkiens Erfindungen jeden Respekt zollen wollen, muss die Form von Quenya, die wir herauskristallisieren wollen, LotR-kompatibel sein. 

Kaum etwas kann leicht oder klar sein in dieser fremden Sprachumgebung. Die Struktur von Quenya rekonstruieren zu wollen ist als würde man versuchen, ein riesiges Puzzle aus Teilstücken zusammenzusetzen. Viele Teile fehlen einfach, weil unermessliche Mengen an Material den Schülern nicht zugänglich sind (und um die Angelegenheit noch schlimmer zu machen, scheinen jene, die es veröffentlichen sollten, oft mehr damit beschäftigt, es zu verbergen). Darüber hinaus kann man aufgrund von Tolkiens häufigen Revisionen nicht einmal sicher sein, dass alle Teile, die man findet, überhaupt zum selben Puzzle gehören. Einige passen eindeutig nicht und können ignoriert werden; viele andere fallen in die Kategorie "zweifelhaft", und du weißt nicht wirklich, was du mit ihnen anfangen sollst. 

In diesem Kurs werde ich einige der Variationen erwähnen und meine hoffentlich qualifizierten Vermutungen dazu äußern, was wir als maßgeblich akzeptieren sollten und was wir vielleicht am besten ignorieren sollten. Tatsächlich werde ich, gezwungen durch den Mangel an eindeutigen Grammatikinformationen von Tolkien, nicht immer Quenya-Grammatik mit Vertrauen und Autorität präsentieren; vielmehr werden Sie oft meine Überprüfung dessen sehen, welche Zeugnisse verfügbar sind und ich werde versuchen, darin Regeln auszumachen, denen wir folgen können, wenn wir unsere eigenen Quenya-Kompositionen erstellen. Doch in gewisser Weise ist das exakt das, was zu tun ich mir wünschen sollte: Studierende vertraut zu machen mit jener Art von Herleitung, die das Feld der Tolkien-Linguisten im gegenwärtigen Stadium darstellt. Was einiges Material betrifft, das ich früher veröffentlicht habe, so habe ich (freundliche) Klagen zurückbekommen, dass ich nur meine Schlussfolgerungen aufgelistet hatte, ohne aufzuzeigen, worauf sie basierten; das erweckte einen etwas dogmatischen Eindruck wie "so ist es, nehmen sie mich beim Wort". Ich denke, dieser Stil ließ sich in einer kurzen Präsentation nicht vermeiden, doch hier will ich mir in vielen Fällen selbst die Gelegenheit geben, zurück zu den primären Quellen zu gehen und wirklich aufzuzeigen, welche Art Ableitung allem zugrunde liegt. 

Gerade weil Tolkiens Quenya in gewisser Weise etwas Fließendes ist, festgehalten in einem allgemeinen Umriss, aber im Detail mit endlosen gegensätzlichen Variationen, können wir uns bis zu einem gewissen Maß frei fühlen, unseren eigenen Standard herauszubilden (ohne es schwieriger als nötig zu machen). Solange wir ein brauchbares System aus Tolkiens Elementen zusammenpuzzeln, wird die resultierende Sprache "wirkliches Quenya" sein - in einem Umfang, in dem so etwas existieren kann -  auch wenn es keinen Weg gibt, alle bekannten Variationen in einem einzelnen, einheitlichen System zu aufzunehmen.

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