Copyright

 

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Die Frage nach dem Copyright

Dies ist eine Streitfrage, der ich ein paar Abschnitte widmen muss, obwohl dies wahrscheinlich frischgebackene, arglose Studenten, die sich darüber niemals viele Gedanken gemacht haben, überraschen wird. Doch haben Debatten rund um die Streitfrage des Copyright leider eine Menge Bitterkeit unter Studierenden hervorgerufen, die sich auf dem Gebiet der Tolkien-Linguistik betätigten. Solche Diskussionen waren die Hauptursache dafür, dass die TolkLang Mailing-Liste hinweggefegt wurde, was dann zur Gründung von Elfling an ihrer Stelle führte. Sollten Tolkiens Erben oder ihre Anwälte jemals das folgende lesen, hoffe ich, sie fühlen sich nicht beleidigt. Es geht hier wirklich nicht darum, ihnen irgend etwas zu stehlen, sondern darum, Aufmerksamkeit auf einen hochwichtigen Teil von Tolkiens Arbeit zu lenken und anderen zu helfen, mehr über sie lernen, so dass sie leben, wachsen und bestehen kann als überdauerndes Vermächtnis seiner Bemühungen, und als dynamisches Andenken an ihn selbst. In einem Fernsehinterview sprach Christopher Tolkien über seinen Vater und beschrieb Quenya als eine Sprache, wie er sie wollte, die Sprache seines Herzens. Quenya-Studierende möchten nur, dass dieser spezielle Teil von Tolkiens Herz weiterlebt. Niemand versucht, damit irgendwie Geld zu machen oder anderweitig daraus Profit zu schlagen. (Wenn der Tolkien Estate, oder eher HarperCollins, jemals diesen Kurs in Buchform veröffentlichen wollen, würde ich mich darüber freuen und nicht erwarten, irgendwelche Lizenzgebühren dafür zu bekommen.)

1998 und zu Beginn des Jahres 1999 behauptete der Rechtsanwalt W. C. Hicklin lauthals in der TolkLang-Liste, dass "unbefugte" grammatikalische Beschreibungen einer Tolkien-Sprache eine eklatante Verletzung des Copyrights des Tolkien Estate darstellen würden, und behauptete, dass jede solche Veröffentlichung zweifelsohne zu einer Reaktion des Tolkien Estate mit "money, guns and lawyers" (Geld, Gewehr und Rechtsanwälten) führen würde. (Der Teil über die Feuerwaffen war hoffentlich nur bildlich gesprochen.)  Ich kann einer solchen Interpretation des Copyright-Gesetzes nicht zustimmen, vor allem wenn man daran denkt, dass wir das, was wir über Quenya wissen, größtenteils aus jenen Beispielen gelernt haben, die uns verfügbar sind - und nicht durch die Lektüre von Tolkiens expliziter Grammatik, die noch nicht veröffentlicht worden ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für uns ungesetzlich sein soll, unsere eigenen Schlüsse aus Wörtern zu ziehen, wenn wir Quenya studieren,  und sie anderen mitzuteilen. Wenn es nämlich das ist, was Copyright bedeutet,  dann gehen alle Formen von lehrreichen Kommentaren und literarischer Kritik unmittelbar den Bach hinunter. Während Hicklin behauptete, dass er die Position von Christopher Tolkien wiedergab (von dem er behauptete, er nenne ihn beim Vornamen), hat es der Tolkien Estate selbst bis jetzt abgelehnt, seine Meinung zu diesen Streitfragen abzugeben, selbst als sie von TolkLang-Moderator Julian Bradfield darum gebeten wurden. Es sei angemerkt, dass das Copyright-Recht nicht das Spezialgebiet von Mr. Hicklin ist, und ich denke, er legte das Konzept des "Charakters" ziemlich weit aus mit der Behauptung, dass jedes einzelne Wort aus den erfundenen Sprachen als ein literarischer Charakter Tolkiens betrachtet werden muss - offensichtlich auf einer Ebene mit solchen Charakteren wie Aragorn oder Galadriel. Seltsamerweise stimmte Hicklin noch darin überein, dass es in Ordnung sei, neue Texte in Tolkiens Sprachen zu schreiben, obwohl dies in Hicklins Welt eine Analogie sein sollte: neue Geschichten zu schreiben, in die Tolkiens Charaktere eingebunden sind (was, wie jeder zustimmen wird, eine Verletzung des Copyright darstellen würde).

Hicklins offensichtliches Problem, ein logisches Argument zusammen zu bekommen, ebenso wie die daraus entstandenen juristischen Nachforschungen, die ich und andere durchführten, brachten mich zu dem Schluss, dass es ziemlich unmöglich sein dürfte, eine Sprache mit einem Copyright zu schützen. Die Sprache "selbst" kann nicht verglichen werden mit einem bestimmten Text in oder über diese Sprache; sie ist ein durch und durch abstraktes System, und alles, was ein Copyright genießen will, muss zu allererst eine fixierte Form haben, um geschützt zu sein. Das Argument, die grammatikalische Struktur und das Vokabular einer Sprache seien ihre fixierte Form, ist nicht brauchbar, denn es handelt sich um ein abstraktes System, nicht eine "Form". Jeder wirkliche Text über (oder in) einer Sprache ist tatsächlich geschützt, aber nicht die Sprache "an sich". Um zu der Analogie unseres genialen Komponisten zurückzukehren, der eine neue Art von Musik erfindet: Sein Copyright auf seine eigenen Kompositionen, und seine Schriften über diese Musikform als fixierte Texte, kann und sollte von niemandem in Frage gestellt werden. Aber er oder seine Erben können nicht behaupten, dass das Veröffentlichen gänzlich neuer Kompositionen oder komplette ursprüngliche Beschreibungen der Grundsätze dieser Art von Musik ihr Copyright in irgendeiner Weise verletzen. 

Dieser Kurs ist von mir als Privatperson geschrieben und veröffentlicht (kostenlos im Internet). Tolkien Estate wurde nicht gebeten, ihn abzuzeichnen oder gar zu kommentieren, er ist in keiner Weise "offiziell", und ich muss die volle Verantwortung übernehmen für die Qualität der Inhalte. Es ist nicht respektlos gemeint, wenn ich klarstelle, dass jedes Abzeichnen durch den Estate nicht viel bedeutet hätte in Bezug auf eine Art Qualitätsgarantie, da bestimmte frühere Werke über Quenya, die mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Estate veröffentlicht wurden, heute offensichtliche Unzulänglichkeiten und Fehlschlüsse enthalten. Es gibt wenig Grund anzunehmen, dass Rechtsanwälte des Estate oder Christopher Tolkien selbst in der Lage sind, über die Qualität einer Quenya-Grammatik zu urteilen (und ebenso keinen Grund, ihnen das vorzuwerfen; Quenya aus den Ur-Quellen zu lernen ist ein langes Studium voller Herausforderungen und den besonders Interessierten vorbehalten). In einer derartigen Situation hoffe und glaube ich, dass Tolkien Estate das Recht der Schüler respektiert, ihre Studien ungestört zu betreiben und die Ergebnisse solcher Bemühungen zu präsentieren - vor allem wenn die betreffenden Veröffentlichungen gänzlich nicht-kommerziell sind. Trotz der starken Behauptungen Hicklins und einiger anderer gibt es gegenwärtig keinen konkreten Beweis, dass der Estate oder Christopher Tolkien solche Studien als Verletzung ihres Copyright ansehen. Wenn sie das tun sollten, lassen Sie sie mit mir Kontakt aufnehmen und wir werden reden.

Die Interpretation der Quenya-Grammatik, die hier dargelegt wird, basiert auf den Studien der verfügbaren Quellen, meistens Analysen vorhandener Quenya-Texte, und auf der Auslegung der relativ wenigen expliziten Aufzeichnungen zur Grammatik, die gegenwärtig verfügbar sind. Ich halte es für offensichtlich, dass dies in erster Linie ein Werk der Analyse und des Kommentars darstellt (didaktisch präsentiert), und im Hinblick auf das Copyright kann eine Diskussion der Struktur von Quenya nicht viel anders sein als (sozusagen) die Handlungsstruktur von Der Herr der Ringe: In beiden Fällen ist es klar, dass alles, was ich sagen kann, letzten Endes auf Tolkiens Schriften basieren muss; aber die Studie, die sich daraus ergibt, ist nicht "derived work" ("abgeleitetes Werk") im Sinn des Copyright-Gesetzes. Was wir hier tun, ist nicht, Tolkiens Fiktion noch einmal zu erzählen (obwohl ich mich sicherlich darauf beziehe - aber dann aus der Perspektive eines Kritikers, oder besser eines Kommentators, um aufzuzeigen, wie Tolkiens Roman und die Konstruktion seiner Sprachen ineinandergreifen). In erster Linie werden wir eine von Tolkiens Sprachen eher als etwas Wirkliches studieren denn als etwas Fiktives. Die Tatsache, dass diese Sprache der Welt zuerst im Zusammenhang mit einem Roman präsentiert wurde, macht sie nicht zu einer "fiktiven oder Romansprache", und Gebrauch oder Erörterung derselben ist nicht notwendigerweise "abgeleitete Fiktion". Wie schon erwähnt, bemerkte Tolkien selbst, dass seine Sprachen als solche "have some existence" ("eine gewisse Existenz haben") einfach dadurch, dass der sie tatsächlich ersonnen hatte - sie wohnen nicht ausschließlich innerhalb des Romankontextes (The Letters of J. R. R. Tolkien, p.175).

Vieles aus dem Wortschatz von Quenya ist nicht gänzlich "original"; Tolkien gestand gerne ein, dass der Wortschatz der "elbischen" Sprachen "inevitably full of ... reminiscences", unvermeidlich voll von Erinnerungen an früher existierende Sprachen war (The Peoples of Middle-earth p.368). Obwohl es für gewöhnlich nicht so offensichtlich ist, dass es jene stört, die eine in hohem Maß exotische Sprache studieren wollen, bleibt die Tatsache bestehen, dass Insider leicht indo-europäische (und manchmal sogar semitische) Wörter und Wortstämme entdecken können, die vielen von Tolkien "erfundenen" Wörtern zugrunde liegen. Man darf das nicht als Mangel an Fantasie auf Tolkiens Seite sehen; er bemerkte, "it is impossible in constructing imaginary languages from a limited number of component sounds to avoid such resemblances", es sei unmöglich, während man imaginäre Sprachen aus einer begrenzten Anzahl von Teillauten konstruiert, solche Ähnlichkeiten zu vermeiden - und fügte hinzu, dass er nicht einmal versuchte, sie zu vermeiden (Letters, pp. 384-385). Sogar wo keine plausible "echte Welt"-Inspiration für ein Quenyawort angeführt werden kann, bleibt immer noch die Tatsache bestehen, dass es keinerlei gesetzliche Tradition gibt, die einer Person, die neue Wörter prägt, erlaubt, sie als ihr persönliches Eigentum zu betrachten. Tolkien selbst war sich dessen bewusst, dass man Namen nicht mit Copyright schützen kann (Letters, p. 349), und dann kann man ebenso wenig Nomen, Verben, Adjektive oder Präpositionen schützen und "nicht autorisierten" Gebrauch ausschließen. Einige Wörter des täglichen Gebrauchs von heute, wie robot (Roboter), erschienen zum ersten Mal in einem Roman. Man kann sie aber deshalb nicht als "Roman"-Wörter bezeichnen, geschützt auf derselben Ebene wie wie Romancharaktere; man kann nicht verlangen, dass sie nicht gebraucht, aufgelistet oder erklärt werden ohne ausdrückliche Erlaubnis von jenem, der sie zuerst prägte (oder von seinen Erben).

Juristische Nachforschungen, die nach Hicklins flammenden Reklamationen durchgeführt wurden, haben bestätigt, dass Wörter als solches automatisch zu Allgemeineigentum werden, nachdem sie geprägt wurden, und niemand kann das Monopol auf sie oder ausschließliches Eigentum verlangen. Sie können natürlich ein Wort als Warenzeichen registrieren lassen, aber das ist etwas gänzlich Verschiedenes: Apple Computers können nicht verlangen, dass keiner mehr das Wort apple (Apfel) als alltägliches Wort benutzt. Es ist ebenso nicht relevant, dass der Hersteller von einer Art Fantasy-Spiel jeden Bezug zu "Balrogs" entfernen muss, denn hier handelt es sich nicht um das Sindarin-Wort balrog, sondern um Balrogs als Charaktere, auf die Tolkien das Copyright hat. Die Tatsache, dass Tolkien das Wort alda für "Baum" geprägt hat, schließt kaum ein, dass Bäume seine literarischen Charaktere sind. Es ist nicht einfach nur ein Baum, der in Mittelerde wächst, der mit alda bezeichnet werden kann; das Wort kann genauso gut dazu dienen, in einem Quenya-Gedicht über einen Baum vor meinem Haus zu schreiben.  

Ich stimme jedoch darin überein, dass Quenya und die anderen Sprachen einen gewissen Schutz genießen als Teil des Schauplatzes Mittelerde. Wollte jemand neue Fantasy-Geschichten schreiben mit Elben, die eine Sprache namens Quenya sprechen, und einige Beispiele würden aufzeigen, dass es sich tatsächlich um Tolkiens Quenya handelt, wäre das offensichtlich dieselbe Art Plagiat wie wenn ein Fantasy-Schreiber eine Stadt wie Minas Tirith "ausborgen" würde, und die Beschreibung in seinem Buch klarmachen würde, dass es sich eine Stadt handelt, die in mehreren Ebenen gebaut ist und von einem weißen Turm überragt wird. Aber noch einmal: Dieser Kurs ist absolut sicher nicht beabsichtigt als abgeleitete Dichtung. Es geht hier um das Studium den Gebrauch einer von Tolkiens Sprachen ohne Betrachtung des Romankontextes als solchen - doch weil ich Quenya auch als Teil von Tolkiens Schriftstellerei vorstellen will, muss ich natürlich die Erzählungen erwähnen, mich auf sie beziehen und sie manchmal auch zitieren, ebenso wie ich rein technische Einzelheiten vorgestellen muss. Nichtsdestotrotz: es ist offensichtlich unwahr, dass Tolkiens Sprachen nicht in irgend einer Art von ihrer fiktionalen Welt getrennt werden können (was Hicklin zu behaupten schien). Vicente Velasco konnte zum Beispiel ein Quenya-Gedicht schreiben (Ríanna) in Gedenken an Prinzessin Diana nach ihrem tragischen Tod, aber dass bedeutet nicht, dass der Unfall, bei dem sie getötet wurde, wirklich ein Teil der Handlung in einer Tolkien-Erzählung sein muss. Tatsächlich fertigte Tolkien selbst eine Übersetzung des Vater Unser in Quenya, ein Text, der offensichtlich unserer Wirklichkeit entstammt und nicht innerhalb der Umgebung Mittelerdes auftauchen könnte.

Wenn wir über Copyright diskutieren, müssen wir sehr deutlich unterscheiden zwischen dem Romankontext und dem aktuellen Verwenden von Systemen oder Ideen, die in diesem Roman beschrieben sind; letzteres ist für eine Diskussion über das Copyright ziemlich irrelevant. Zum Vergleich: Ich stimme vollkommen mit folgendem überein: Wenn jemand daran ginge, neue Fantasy-Geschichten zu schreiben, mit der Rasse eines kleinen Volkes mit haarigen Füßen, das in Wohnungen unter der Erde lebt, die man Smials nennt, dann würde dieser Schreiber eindeutig von Tolkien abschreiben und möglicherweise ebenso das Copyright verletzen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich irgend jemandes Copyright verletze, wenn ich in meinem Garten einen Smial grabe - oder als weiteres Beispiel, wenn ich mir Haare vom Kopf auf die Füße transplantieren ließe. Ebenso sollte sich niemand frei fühlen, Fantasy-Geschichten über Elben zu schreiben, die Quenya sprechen, doch tatsächlicher Gebrauch ihrer von Tolkien erdachten linguistischen Strukturen für das Schreiben neuer Texte, deren Inhalt nichts mit seinem Roman zu tun hat, kann keine Verletzung des Copyright sein. Die neuen Quenya-Texte sind Copyright von niemandem als ihren Schreibern. 

Glücklicherweise scheinen Tolkiens Erben dem zuzustimmen; wenigstens haben sie niemals versucht, irgend jemanden vom Veröffentlichen seiner Quenya-Gedichte abzuhalten. Wenn der Estate keine Probleme damit hat, kann ich nur annehmen, dass auch ihre Anwälte darin übereinstimmen, dass es für jeden durch und durch legal ist, Quenya-Grammatiken zu schreiben oder Quenya-Wörterlisten zu erstellen. Andernfalls würden wir mit dem absurden Gedanken zurückgelassen, dass es eine Sprache gibt, die benutzt werden kann, die aber weder unterrichtet noch in einer unterrichtenden Weise beschrieben werden darf. Ich kann mir nicht vorstellen, der Estate könnte behaupten, dass die mittlerweile ziemlich große Anzahl von Quenya-Texten, die nicht von Tolkien geschrieben wurden und nichts mit seinem Roman zu tun haben, nicht verbunden werden kann mit grammatikalischen oder lexikalischen Studien, einfach weil sie in Quenya geschrieben sind. Das wäre wäre eine Blockade, ein Versuch eines Veto gegen bestimmte Arten von Bildung, die sich auf einen kompletten Kern von Literatur bezieht, und ich denke nicht, dass das unterstützt werden könnte, weder gesetzlich noch moralisch. Ich wüsste nicht, dass Tolkiens Erben hier nicht zustimmen.

Ich habe jedoch nicht die Absicht, das Copyright des Estate auf Tolkiens bestehende Schriften zu bestreiten (über die Sprachen oder anderes), und obwohl es eine interessante Übung wäre, "das elbische Original zu rekonstruieren", indem man einige Gedichte oder Geschichten von Tolkien zugrunde legt, sollte man nicht "elbische" Übersetzungen einer größeren Menge zusammenhängenden Tolkien-Textes veröffentlichen. Alle diese Texte liegen im Copyright des Tolkien Estate, bis es im Jahre 2023 ausläuft (oder war es 2048?), und beträchtliche Übersetzungen oder Wiedergaben würden der Erlaubnis des Estate bedürfen: Egal wie außerordentlich esoterisch die Ziel-Sprache ist,  jede Übersetzung ist immer noch direkt abgeleitet von Tolkiens eigenem, copyrightgeschützten Text. Ebenso wenig sollte man lange Geschichten schreiben, die in Tolkiens Welt angesiedelt sind; das wäre eine Verletzung des Copyright, egal, welche Sprache Sie benutzen. Doch Übersetzungen einer begrenzten Menge von Tolkien-Text kann möglicherweise als fair durchgehen (doch bitte veröffentlichen Sie nicht ihr eigene Wiedergabe des Ringspruches; davon gibt es schon zu viele miteinander im Wettstreit liegende Versionen...) Ebenso wenig gibt es kaum Grund für die Annahme, der Estate würde etwas unternehmen gegen kleine Kurzgeschichten, selbst wenn sie in Mittelerde angesiedelt scheinen, wenn ihr wirklicher Sinn und Nutzen ganz offensichtlich die Demonstration des Gebrauchs von Quenya ist und nicht mit den Geschichten in einen Wettstreit mit Tolkiens eigenen zu treten (ich würde selbstbsolche Kurzgeschichten nicht veröffentlichen, wenn denkbar wäre, dass sie auch als kommerzielle Veröffentlichung gesehen werden könnten). Gedichte über Personen oder Ereignisse in Tolkiens Welt (wie Ales Bican´s Roccalassen oder "Song to Éowyn") können, wie ich denke, durchgehen als eine Art Kommentar oder Zusammenfassung, solange Sie nicht irgend eine Neuerfindung von Ihnen selbst einfließen lassen. Aber bitte gehen Sie damit nicht zu weit.; Tolkiens Erben sind in gutem Recht, wenn sie hier ihr Copyright geltend machen. 

In den Übungen zu diesem Kurs habe ich in jedem Fall direkte Bezüge zu Personen, Plätzen oder Ereignissen in Tolkiens Romanwelt sorgfältig vermieden (mit einer Ausnahme: einem Bezug auf die Zwei Bäume, weil das Quenya-Wort ein so gutes Beispiel für den dualen Plural darstellt). Statt mich auf Tolkiens Fiktion zu beziehen habe ich in den meisten Fällen Zuflucht genommen zu einer allgemeinen Fantasiewelt oder altertümlichen Welt; es gibt keinen Anlass, auszuschließen, dass es Tolkiens Welt ist, aber es gibt nichts Konkretes, was das bestätigen könnte. Es gibt eine Menge von Elben und Zwergen in diesen Übungen, doch obwohl wir unvermeidlich Wörter wie Eldar und Naucor für diese Völker verwenden, wenn wir über sie in Quenya sprechen, sind es einfach nur "generell" Elben und Zwerge. Es steht Ihnen frei, sich vorzustellen, es seien Tolkiens Eldar, wenn sie es möchten, aber es gibt nichts, das sie eindeutig an einen speziellen Mythos bindet.

Obwohl ich nicht glaube, dass der Tolkien Estate auf gesetzlichem Wege Menschen daran hindern kann, mit Quenya als existierender Sprache so ziemlich zu tun, was sie wollen (außerhalb von Tolkiens Roman), bitte ich Studierende dringend, jedwede Kenntnisse mit Respekt einzusetzen. Wir sollten eine Art moralischer Verantwortung oder sogar Dankbarkeit empfinden gegenüber Tolkien als Schöpfer dieser Sprache. Wie wir wissen, ist Quenya das Ergebnis von Jahrzehnten gewissenhafter Arbeit und endloser Verfeinerung; sein Schöpfer beabsichtigte, ihr Erhabenheit oder sogar eine Art Heiligkeit zu geben, und sie sollte auf keine unwürdige Weise oder für ausgesprochen dumme Zwecke eingesetzt werden. (Bitte veröffentlichen Sie zum Beispiel Ihre Quenya-Kompositionen nicht an Toilettenwänden.) Es gibt ein altes TV-Interview, in dem Tolkien sagt, er hätte nicht unbedingt etwas dagegen, wenn andere seine erfundenen Sprachen könnten oder genössen, aber er möchte sie nicht  in eine Art "Geheimsprache" verwandelt sehen - mit dem Sinn, andere auszuschließen. Das ist ein Wunsch, den zu respektieren ich jedem und allen Studenten dringend nahe lege. Als Studierender und Benutzer von Quenya sollte man sich verpflichtet fühlen, die Integrität von Tolkiens System zu bewahren und sorgfältig darauf achten, es weder zu verwässern noch zu verdrehen. Gelegentlich müssen wir neue Wörter prägen, aber in solchen Fällen sollte man sich fernhalten von willkürlicher Erfindung und statt dessen mit Tolkiens eigenen Stämmen arbeiten und dabei seine Methoden der Ableitung verwenden.

Tolkien schrieb, "Of course the L[ord of the] R[ings] does not belong to me. It has been brought forth and must now go its appointed way in the world, though naturally I take a deep interest in its fortunes, as a parent would of a child. I am comforted to know that it has good friends to defend it" ("Natürlich gehört der Herr der Ringe nicht mir. Er wurde hervorgebracht und muss nun seinen ihm bestimmten Weg in der Welt gehen, obwohl ich natürlich ein tiefes Interesse an seinem Schicksal habe, wie Eltern es an einem Kind hätten. Es beruhigt mich, dass er gute Freunde hat, die ihn verteidigen", The Letters of J. R. R. Tolkien, S. 413-14). Vielleicht würde er dasselbe für die erfundenen Sprachen empfinden: Sie wurden hervorgebracht und gehen bereits ihren Weg "in der Welt", studiert und sogar angewandt von vielen - doch nun müssen Quenya und die anderen Sprachen unabhängig von ihrem "Vater" leben,  da er nicht länger unter uns ist. Lassen wir also Studierende und Anwender ihre "guten Freunde" sein und ihr Gefüge verteidigen, der Vision jenes Mannes entsprechend, der ein Leben damit verbrachte, sie zu entwickeln. Und das bringt uns zurück zur Struktur von Quenya selbst.

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