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Wie ist Quenya?

(Der Charakter der Sprache)

Was für eine Art Sprache ist das, die Struktur betrachtend? Es scheint, dass Finnisch beachtliche Anregungen beitrug, nicht nur für die Lautmuster, sondern ebenso zur grundlegenden Struktur selbst. Tolkien beschrieb Quenya als "highly inflected language" ("Sprache mit einem hohem Maß an Flektion (Beugung)", The Road Goes Ever On, S. 69). Die Wörter erscheinen also in in vielen verschiedenen Formen, abhängig von ihrer genauen Funktion im jeweiligen grammatikalischen Kontext. Die unterschiedlichen Formen werden zum größten Teil gebildet durch eine Überfülle an Endungen, Endungen mit Bedeutungen, die im Englischen [und Deutschen] oft mit eigenen Wörtern ausgedrückt würden. Folglich besteht eine Übersetzung eines Quenya-Textes ins Englische [oder Deutsche] im Normalfall aus mehr Wörtern als das Quenya-Original: In Unfinished Tales S. 22, 51 erfahren wir, dass drei Quenyawörter in der englischen Übersetzung sieben Wörter ergeben: Anar caluva tielyanna = "the sun shall shine upon your path" ["Die Sonne möge über deinem Weg leuchten" als deutsche Übersetzung ergibt ebenfalls sieben Wörter]. Mancher mag dies als Beweis ansehen, dass Quenya eine effektivere Sprache darstellt als Englisch [oder Deutsch]. Doch ob man ein langes Wort benutzt oder mehrere kürzere, das ist nicht so entscheidend. (Wenn man die Silben in dem Satz zählt an Stelle der Wörter, ist plötzlich das Englische die effizientere Sprache, denn es hat eine Silbe weniger als die Quenya-Version [was allerdings nicht für die deutsche Version zutrifft]. An Quenya sollte man um der Sprache selbst willen erfreuen, nicht indem man es mit anderen Sprachen vergleicht.  Aber das Wort tielyanna "über deinem (auf deinen) Weg" zeigt den grundlegenden Unterschied zwischen Englisch [und Deutsch] und Quenya: kleine unabhängige Wörter wie "dein" oder "über" werden häufig zu Endungen - in diesem Beispiel -lya und -nna, in dieser Reihenfolge.

Ist Quenya eine "schwierige" Sprache? Um von den beiden Hauptsprachen seiner Mythologie, Quenya und Sindarin zu sprechen: Tolkien schrieb, "both languages are, of course, extremely difficult" ("beide Sprachen sind, natürlich, extrem schwierig, Letters : 403). Zweifellos warten auf uns in der riesigen Menge nicht veröffentlichten Materials viele gegenwärtig noch ungeahnte Schwierigkeiten. Doch so weit oder kurz unsere Kenntnisse heute reichen, würde ich Quenya sicher nicht als "extrem schwierig" bezeichnen. Es mag ein kompliziertes und kniffliges Konstrukt sein, aber sicher weniger kompliziert als Sindarin, und sich Quenya, soweit wir es kennen, anzueignen, ist keine übermenschliche Leistung. Jeder hingebungsvolle Studierende sollte fähig sein, das System der Grammatik in relativ kurzer Zeit zu meistern. eher in Wochen oder sogar Tagen als in Monaten. Allgemeine linguistische Kenntnisse sind in einem solchen Studium sicher von Hilfe, doch kaum eine Voraussetzung; in diesem Kurs habe ich versucht, die Erklärungen so einfach zu halten, dass jeder vernünftige, intelligente Teenager verstehen sollte, worum es geht. (Da ich im Hinterkopf hatte, dass einige, die Quenya studieren wollten, vermutlich ziemlich jung sein würden, versuchte ich im Grunde genommen, keine linguistischen Vorkenntnisse vorauszusetzen - gebildetere Studierende mögen meinen, dass ich manchmal in langweilige Kleinkindersprache verfalle.)

Man muss auch verstehen, dass wir uns hier nicht mit einem stromlinienförmigen Esperanto beschäftigen. Tolkien versuchte bewusst, seine Sprachen "natürlich" zu machen; folglich gibt es einige unregelmäßige Verben, obwohl ich sagen möchte, ihre Zahl ist handlich. Quenya steht vielleicht in der Mitte zwischen einem absolut regelmäßigen "Esperanto" und einer typischen "wirklichen" Sprache mit ihrer Flut an Schwierigkeiten und Unregelmäßigkeiten, aber näher an ersterem. Tatsächlich ist Quenya vielleicht zu einfach, um vollkommen "glaubwürdig" zu sein als eine nicht ausgedachte Sprache, zumindest wenn wir sie mit den unordentlichen Sprachen von Sterblichen unseres Zeitalters vergleichen. Aber auch innerhalb der Geschichte im Roman war Quenya nicht wirklich "nicht ausgedacht"; sie wurde erdacht und verfeinert von den Elben, "and the Eldar know their tongue, not word by word only, but as a whole" ("und die Elben kennen ihre Sprache, nicht nur Wort für Wort, sondern als ein Ganzes", The Peoples of Middle-earth S. 398). So neigen die Elben, die sich der Struktur ihrer Sprache in hohem Maße bewusst sind, vielleicht dazu, Sprachen mit einer relativ sauberen, ordentlichen Grammatik zu erschaffen. Aus der Sicht eines Lernenden ist es schwer, die Abwesenheit von mehr irregulären Formen zu bedauern; wenn also diese Einfachheit Quenya tatsächlich weniger "glaubhaft" macht als natürliche Sprachen, ist es leicht Tolkien zu vergeben!

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