Übungen 20

Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach

Vorwort.htm Quenya Einführung Lektion 1 Lektion 2 Lektion 3 Lektion 4 Lektion 5 Lektion 6 Lektion 7 Lektion 8 Lektion 9 Lektion10 Lektion 11 Lektion12 Lektion 13 Lektion 14 Lektion 15 Lektion 16 Lektion 17 Lektion 18 Lektion19 Lektion 20 Downloads Quenya-Deutsch Deutsch-Quenya Lösungen Quellen Über mich

Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

Zusammenfassung von Lektion 20

Das Verb „sein“ ist in Quenya nur spärlich attestiert.  bedeutet „ist“; es wurde angedeutet, dass das Wort sei für „war“; nauva ist als Zukunftsform „wird sein“ attestiert. Das attestierte Beispiel nalyë „du bist“ scheint anzuzeigen, dass an Formen des Verbs „sein“ die normalen Pronomenendungen angehängt werden können; lässt vor Endungen die kürzere Form na- vermuten (vgl. auch nar „sind“). Wenn tatsächlich das Wort für „war“ sein sollte, dann würde man analog vermuten, dass es vor angefügten Endungen als ne- erscheint. Anstatt Formen von „sein“ mit angehängten Endungen zu verwenden, ist es auch erlaubt, ein eigenständiges Pronomen zu verwenden und die Kopula ganz und gar wegzulassen (vgl. eine Formulierung wie aistana elyë „geheiligt [seist] du“ in Tolkiens Übersetzung des Ave Maria). Ein anderes Verb, ebenfalls übersetzt mit „ist“, ist ëa (1. Vergangenheit engë), das eigentlich eher „existiert“ bedeutet: es wurde benutzt für „ist“ in Zusammenhängen, die die Gegenwart, Existenz oder Position von etwas behandeln (in letzterem Fall könnte ëa verbunden werden mit einer präpositionalen Wendung, wie in dem attestierten Beispiel i or ilyë mahalmar ëa „[Gott,] der über allen Thronen ist“).

Nach gewissen Beweisstücken hat Quenya (oder zumindest einige Varianten von „Qenya“) einen Fragepartikel ma. Vermutlich kann er Behauptungen / Erklärungen beigefügt werden (an den Anfang?), um sie in Fragen zu verwandeln.

Nach einer (möglicherweise zweifelhaften) Quelle kann die Form sa für „dass“ verwendet werden, um nominale Nebensätze einzuleiten (wie in „Ich weiß, dass du hier bist, „er sagte, dass das wahr ist“ etc.)

Vokabeln

nertëa  

neunter

quainëa  

 zehnter (so nach einem Text über die elbischen Zahlwörter in VT42. Das setzt ein anderes Wort für „zehn“ voraus als die Form cainen, die in den Etymologies auftaucht - vielleicht quainë, selbst so nicht attestiert. Es könnte sein, dass cainen einer Ordnungszahl „Zehnter“ in etwa wie cainenya entspricht, und vielleicht sollten Schreiber entweder cainen/cainenya oder quainë/quainëa verwenden, aber um die Liste unserer Quenya-Ordinalzahlen erster bis zehnter zu vervollständigen, werden wir hier die attestierte Form quainëa verwenden.)

ma  

 möglicherweise Fragepartikel

sa  

 „dass“ (nach einer Quelle von etwas fragwürdigem Wert)

nómë  

 „Platz“

sinomë  

 „an diesem Platz“ oder einfach „hier“ (offensichtlich eine Kombination aus si- wie in sina „dieses“ mit -nomë, einer verkürzten Form von nómë „Platz“, folglich sinomë = „[an] diesem Platz“

tenna  

 Präposition „bis“, „so weit wie“

ëa  

 Verb „ist“ = „existiert“ (1. Vergangenheit engë, Zukunftsform vielleicht euva)

mal  

 Konjunktion „aber“

  

 es wurde angedeutet, dass es die 1. Vergangenheit von „ist“ sei, also „war“

ista-  

  wissen (beachten Sie die irreguläre 1. Vergangenheit sintë statt **istanë; vielleicht sollte das Perfekt „hat gewusst“ auf ähnliche Weise isintië heißen)

lerta-  

 können“ im Sinn von „die Erlaubnis haben“ (im Englischen steht hierfür oft „may“, im Deutschen „dürfen“; siehe Anmerkung unten)

 

ANMERKUNG #1: Quenya hat verschiedene Verben, die dem deutschen „können“ entsprechen. Wie in einem Tolkien-Manuskript, veröffentlicht in VT41, gibt es mindestens drei Quenya-Verben, die verwendet werden können, um die Vorstellung von „fähig sein“ auszudrücken. Das Verb pol-, das wir an früherer Stelle eingeführt haben, bedeutet in erster Linie, physisch fähig zu sein, etwas tun zu können (vgl. das Adjektiv polda „[physisch] stark“, offenkundig mit diesem Verb verwandt). Das Verb lerta- bedeutet, die Erlaubnis zu haben, etwas zu tun, die Freiheit zu haben, etwas zu tun, weil es kein Verbot gibt - obwohl es in einigen Kontexten sicher auch mit pol- austauschbar ist. Das Verb ista- „können“ (1. Vergangenheit sintë) könnte mit einem Infinitiv kombiniert werden, um „können“ auszudrücken im Sinn von „wissen wie“, im Hinblick auf intelektuelle Fähigkeit. So könnte istas tecë bedeuten „er kann schreiben [weil er die Buchstaben des Alphabets kennt]“. Polis tecë wäre „er kann schreiben“ im Sinn von „er ist physisch dazu in der Lage, zu schreiben [weil seine Hände nicht gelähmt sind oder gefesselt oder etwas in der Art]“. Lertas tecë würde „er kann schreiben“ bedeuten im Sinn von „er kann [= darf] schreiben“.

ANMERKUNG #2: Oben listete ich mal auf als Quenya-Konjunktion „aber“. In Wirklichkeit tauchen in Tolkiens Material viele Wörter für „aber“ auf, tatsächlich so viele, dass es zweifelhaft scheint, ob er wirklich meinte, dass sie zu einer einzelnen Form von Quenya gehören sollten. Die Etymologies, Eintrag ndan, listen oder nán auf als Quenyawort für „aber“. Firiel´s Song verwendet die kurze Form nan (LR:72), ein Wort, das auch viele Schreiber nach Tolkien verwendet haben. Doch bedeutet auch „ist“, und nán oder nan könnte vielleicht auch bedeuten „ich bin“. Andere Wörter für „aber“ tauchen in verschiedenen versuchsweisen Quenya-Übersetzungen des Vaterunser auf: anat, onë, ono (VT43:8-9); eine weitere, späte Quelle enthält (VT41:13). Doch kann auch „vor“ bedeuten, und die Formen anat, onë und ono wurden vielleicht ersetzt durch das Wort, das Tolkien für „aber“ in der finalen Version des Vaterunser verwendete: Mal. Von allen Wörtern für „aber“, die bis jetzt veröffentlicht wurden, scheint mir mal das am wenigsten zwiespältige zu sein, und das ist das hier verwendete Wort.

 

Übungen

  1. Übersetzen Sie ins Deutsche:
    1. Elyë Nauco, lá Elda.

    2. Cennen sa i nero ranco né rácina.

    3. I aran né taura, mal i tári né saila lá i aran.

    4. Ma sintelyë sa nu i coa ëa nurtaina harma?

    5. Ma lertan lelya nómë sinallo?

    6. Áva sucë, an ëa sangwa yulmalyassë!

    7. Ma engelyë sinomë i quainëa auressë írë tullentë?

    8. Istalmë sa ëa nulda sambë coa sinassë, mal lá ihírielmes, ar tenna hirilmes úvalmë ista mana ëa i sambessë.

2.      Übersetzen Sie in Quenya (aus Gründen der Zweckmäßigkeit mit L-Formen für “du” anstelle der “T”-Formen):

    1. Ich war reich [verschiedene mögliche Übersetzungen].
    2. Der König sagte: „du kannst nicht an den Platz gehen, von dem [yallo] du gekommen bist“, aber ich weiß, dass ich dorthin [tanna] gehen werde.
    3. Ich kann lesen [= ich weiß wie], aber ich kann nicht in der Dunkelheit lesen.
    4. Wir (einschließend) wissen, dass Elben existieren.
    5. Wohnten sie [mar-] hier bis zum neunten Jahr, als die Krieger kamen?
    6. Wir (ausschließend) wissen, dass die Menschen die elbische Sprache [Eldalambë] sprechen konnten, aber nicht die Zwergensprache [Naucolambë].
    7. Die Frauen sagten, dass du einen großen Wurm [ango] gesehen hast, der im Berg war.
    8. Am zehnten Tag war die Sonne hell.

 

Dies ist die letzte reguläre Quenya-Lektion. Verschiedene Anhänge (englisch) können von dieser URL heruntergeladen werden:

http://www.uib.no/People/hnohf/qappend.rtf

Lösungen