SA

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SA als Einführung von Nebensätzen

Wir haben verschiedene Wörter eingeführt, die übersetzt werden können mit „that“, „das“: das Pronomen ta und die Demonstrativpronomen enta und tana (tanya).

Es gibt jedoch noch eine andere Art von „that“, im Deutschen übersetzt mit „dass“ - sehr verbreitet in jedem substantiellen Text. Wir sprechen über „dass“ als Partikel, der sogenannte nominale Nebensätze einleitet.

Wie wir wissen, können Hauptwörter in einem Satz verschiedene Funktionen übernehmen. Sehr oft erscheinen sie als Subjekt oder Objekt des Verbs, so wie das Hauptwort Elda „Elb“ als Objekt des Verbs ista- „wissen“ fungiert in dem Satz istan Elda „ich kenne einen Elb“. Manchmal jedoch ist es nützlich, einen ganzen Satz als Hauptwort zu behandeln, so dass er in einem Satz Funktionen wie ein Hauptwort übernehmen kann.

Betrachten wir einen einfachen Satz wie „du bist hier“. Wenn wir diesen Satz wie ein Hauptwort behandeln und in einen längeren Satz einfügen wollen, zum Beispiel als Objekt, signalisiert das Deutsche diesen Hauptwort-Status der Wörter „du bist hier“ mit einem vorangestellten „dass“: „dass du hier bist“ (im Deutschen stellen wir dabei das Verb ans Satzende, während die Wortfolge im Englischen gleich bleibt, „you are here“ à „that you are here“). Nun kann diese ganze Wendung, ein sogenannter nominaler Nebensatz, als Objekt eines Verbs fungieren: „Ich weiß, dass du hier bist“. Sie kann auch als Subjekt eines Satzes fungieren, wie in „dass du hier bist, ist gut“. (Aber in dem letztgenannten Fall bevorzugen wir im Deutschen häufig, ein bedeutungsloses „Dummy“-Subjekt am Anfang  einzufügen: „Es ist gut, dass du hier bist.)

Was ist nun das Quenya-Äquivalent von „dass“ als Partikel, um solche Nebensätze zu bilden?

Unser einziges attestiertes Beispiel dieses wichtigen Partikels stammt aus einer ziemlich dunklen Quelle. Vor einigen Jahren postete jemand, der sich selbst Michael Dawson nannte, an die Tolkien-Internet-Mailingliste. Er behauptete, zwei Stellen aus einem älteren Tolkien-Brief zu zitieren, die nicht präziser datiert werden konnten als „Jahre“ vor 1968. Es war ein Quenya-Gruß, der die Wörter merin sa haryalyë alassë enthält - was wörtlich heißen soll „Ich wünsche, dass du Glück hast“. (Das initiale merin tauchte in Dawson´s Post auf als „meriu“; in Tolkiens Handschrift sind kleines n und kleines u oft schwierig zu unterscheiden. „Meriu“ wäre eine ziemlich bedeutungslose Form, und die Übersetzung klärt die Sache.) Wie wir sehen, wird das Wort sa hier verwendet als ein Partikel, der aus dem Satz haryalyë alassë „du hast Glück“ einen nominalen Nebensatz macht, so das er fungieren kann als Objekt des Verbs merin „ich will / wünsche“.

Hier gibt es einige fragliche Aspekte. Zum einen ist nicht jeder überzeugt davon, dass der „Merin“-Satz, wie er oft genannt wird, überhaupt echt ist. Mir wurde gesagt, dass verschiedene Bemühungen, in Verbindung mit diesem Michael Dawson zu kommen, bis jetzt fruchtlos waren, und es ist etwas störend, dass der Post am 1. April gemacht wurde. Andererseits kommentierte Carl F. Hofstetter (der fast alle von Tolkiens linguistischen Manuskripten gesehen hat), diesen Satz kurz in VT41:18 und erkannte ihn offensichtlich als echt, obwohl er später spezifizierte, dass er in keinem der Manuskripte auftaucht, von denen er weiß. Das Wort sa ist nicht inhärent unglaubwürdig; es könnte ursprünglich „es“ bedeuten (verwandt mit der Endung -s), so dass merin sa haryalyë alassë eigentlich und ursprünglich steht für „Ich wünsche es [, dass] du hast Glück“. Aber selbst wenn das Wort sa echt von Tolkien ist, ist es natürlich unmöglich zu sagen, zu welcher Entwicklungsstufe von Q(u)enya es gehört. Wenn wir davon ausgehen, dass der Merin-Satz wirklich von Tolkien geschrieben wurde, würde ich sagen, dass er wahrscheinlich sehr früh ist, denn das Vokabular korrespondiert so eng mit dem der Etymologies (aus den Mittdreißigern - beachten Sie die Verwendung des Verbs harya- „haben, besitzen“, seinerseits nur in den Etym attestiert). Angesichts der sich stets verändernden Natur von Tolkiens Konzeption könnte ein Partikel zur Bildung von nominalen Nebensätzen zu der Zeit, in der Tolkien den HdR veröffentlichte, ohne weiteres aufgegeben worden sein.  Doch können Schreiber kaum ohne dieses wichtige Wort auskommen, und gegenwärtig ist sa unsere einzige Alternative.

Wenn wir sa als Wort mit dieser Bedeutung akzeptieren, könnte unser Beispiel von oben - „ich weiß, dass du hier bist“ - vielleicht in Quenya wiedergegeben werden mit etwas wie istan sa ëalyë sinomë (vgl. ista- „wissen“, sinomë „an diesem Ort, hier“ - und oben theoretisierten wir, dass eher ëa das Wort ist für „ist“ und nicht , wenn eine bestimmte „Position“ angesprochen wird). „Dass du hier bist ist gut“ könnte wahrscheinlich ähnlich wiedergegeben werden mit sa ëalyë sinomë ná mára. „Es ist gut, dass du hier bist“ könnte lauten wie ná mára sa ëalyë sinomë (falls das Verb „ist“ vorangestellt werden kann). In diesem oder jedem anderen Kontext würde Quenya kaum ein „Dummy“- Subjekt wie „es“ verwenden wie im deutschen Satz, somit würde ich kein nas, nás oder was auch immer erwarten.

In (etwas altertümlichem) Englisch kann ein „dass“-Satz eine Absicht wiedergeben; hier ist ein Tolkien-Beispiel: „The titles that [the Vala Oromë] bore were many and glorious; but he withheld them at that time, that the Quendi should not be afraid“ (WJ:401; die modernere Wendung würde ein „so“ einfügen vor dem „that“, aber die Bedeutung bleibt die gleiche; im Deutschen könnte man hier das „dass“ mit „damit“ übersetzen oder ebenfalls mit „so dass“.) Es wäre interessant zu wissen, ob ein Quenya-sa-Satz in diesem Sinn verwendet werden kann. Wenn nicht, wissen wir tatsächlich nicht, wie wir dessen Bedeutung in Quenya wiedergeben sollen.