Postpositionen

Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach

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Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

Nachgestellte Verhältniswörter (Postpositionen)

Wir haben verschiedene Präpositionen eingeführt, wie nu „unter“, or „über“ oder ve „wie“. Präpositionen werden so genannt, weil sie typischerweise vor (prä-) die Wörter platziert werden, die sie verbinden. In Quenya und ebenso im Deutschen würde man nu alda „unter einem Baum“ sagen - nicht **alda nu „einem Baum unter“. (Natürlich kann in der Dichtung die Wortreihenfolge ziemlich durcheinandergeworfen werden, so wie wir z. B. im Namárië Vardo tellumar nu luini finden, „Vardas Gewölbe unter blaue“ für „unter Vardas blauen Gewölben“. Hier behandeln wir die normale, nicht poetische Wortfolge).

Es gibt auch Postpositionen, in der Funktion den Präpositionen ähnlich, aber nach (post) dem oder den Wörtern stehend, mit denen sie verbinden. Im Deutschen könnte man das Wort früher als Postposition sehen, denn es kommt am Ende von Wendungen wie „drei Jahre früher“. Einige Sprachen würden hier stattdessen eine Präposition verwenden mit einer Wortfolge wie bei „vor drei Jahren“. Interessanterweise wird ein Wort, das einfach mit „ago“ („früher, vorher“) glossiert ist, in den Etymologies erwähnt: . Es wird nirgendwo sonst in veröffentlichtem Material erwähnt, und da sein englischer Glossar alles ist, was wir dazu haben, können wir annehmen, dass dieses in Quenya ebenfalls eine Postposition ist. Wenn dem so ist, dann könnte „drei Jahre früher“ direkt übersetzt werden mit neldë loar yá.

In einem früheren Stadium hatte Elbisch offensichtlich viele Postpositionen. Tolkien stellte fest, dass im ältesten Stadium „präpositionale“ Elemente normalerweise „attached“ („angehängt“) wurden an die Stämme der Hauptwörter - offensichtlich als Suffix (WJ:368). Viele der Fallendungen in Quenya sollten nach Tolkiens Meinung ursprünglich unabhängige Elemente repräsentieren, die mit dem Hauptwort, dem sie folgten, verschmolzen. So ist zum Beispiel die Endung -nna für den Allativ offensichtlich verwandt mit der Präposition na oder ana, mit derselben Bedeutung „zu, auf ... zu“. Doch Quenya hatte zumindest einige Postpositionen, die sich nicht zu Fallendungen entwickelten, sondern nach wie vor als eigenständige Wörter auftauchten. Während das oben behandelte in den Etym nur als isoliertes Wort attestiert ist, erscheint das Wort pella „jenseits“ in richtigen Quenyatexten, und es scheint eine Postposition zu sein. Das Namárië enthält Andúnë pella für „jenseits des Westens“, und das ist offensichtlich nicht einfach ein weiteres Beispiel für dichterische Wortfolge, denn Tolkien änderte diese Wendung in der Prosa-Version des Liedes nicht ab. (Das Wort Andúnë „Westen“ ist eine Alternative zu dem gebräuchlicheren Wort Númen. Andúnë bedeutet auch „Sonnenuntergang“ oder sogar „Abend“.) Pella wird auch im Markirya Poem als Postposition verwendet, wo es mit einem Hauptwort verbunden ist, das im Ablativ Plural steht: Elenillor pella wird übersetzt mit „from beyond the stars“ („von jenseits der Sterne“, wörtlich: „von den Sternen jenseits“).

In der Originalversion dieses Kurses schrieb ich: „Ob pella auch als Präposition eingesetzt werden kann (wie sein englischer Glossar „beyond“), kann man nicht sagen“. Nun ist bekannt, dass Tolkien in einer Skizze für sein Quenya-Vaterunser die Wortfolge i ëa pell’ Ea verwendete, offensichtlich = „wer ist jenseits von Ea“ (d. h. , das erschaffene Universum - VT43:13). Als eine ziemlich drastische Umschreibung für „der du bist im Himmel“ scheint diese Formulierung pella (verkürzt zu pell’) als Präposition zu verwenden. Aber das war nur eine experimentelle Wortreihenfolge, die Tolkien bald aufgab; er ersetzte pell’ durch han, offensichtlich ein ganz anderes Wort für „jenseits“. Vielleicht war das genau deshalb, weil er pella nur als Postposition haben wollte (und da i ëa Eä pella ziemlich schrecklich klingen würde, musste er ein anderes Wort verwenden!) Noch ein weiteres Wort für „jenseits“, das , das auch im Vergleich benutzt wird, scheint eine Präposition zu sein (und vielleicht soll die finale Silbe von pella mit diesem verwandt sein). Auch so würde ich pella nur als Postposition verwenden und die Wortreihenfolge verwenden, die im Namárië und im Markirya zu beobachten ist.