Fragewort

Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach

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Fragewörter

 

Viele im Deutschen häufig in Fragen verwendete Wörter beginnen mit w-: „wer?“, „was?“, „wo?“, „welches?“, „wessen?“, „warum?“ usw. In Tolkiens Elbisch hat ein ma- am Wortanfang ähnliche Bedeutung; er  verwies auf das „Eldarin interrogative element ma, man“ („das elbische Frage-Element ma, man“, PM:357). „Dieses Element“ scheint Tolkien aus den semitischen Sprachen geborgt zu haben; zum Beispiel bedeutet das hebräische ma oder man „was“ (Das Manna aus Exodus 16 ist nach der Frage man hu’?, „was ist das?“ - eine natürliche Frage, als die Israeliten plötzlich dieses süße, essbare Zeug am Boden fanden, und an dieser Art der Namensgebung hätten auch Elben Gefallen finden können!)

Über etwas wie eine vollständige Liste von elbischen Fragewörtern verfügen wir nicht, aber einige von ihnen tauchen in veröffentlichtem Material auf. Am besten ist das Wort für „wer“, man, attestiert, es taucht in einer Frage in der Mitte des Namárië auf: man i yulma nin enquantuva?Wer wird nun den Becher für mich füllen?“ Man=“wer“ taucht wiederholt im Markirya Poem auf, z. B. in der Frage man tiruva fána cirya[?] „wer wird achtgeben auf [/ beobachten] ein weißes Schiff?“ (In einer von fünf Fällen, in denen es auftaucht, enthält das Markirya, wie es in MC:221-222 abgedruckt ist, stattdessen men, aber das muss ein Lesefehler von Tolkiens Manuskript sein; es scheint keine grammatikalischen Variationen zu geben, die diese abweichende Form erklären.) Vielleicht kann man Fallendungen erhalten, so dass wir zum Beispiel die Genitivform mano = „wessen“ bilden könnten.

Wenn man „wer“ bedeutet (mit Bezug auf Personen), was ist dann das Wort für „was“ (mit Bezug auf Sachen)? In LR:58 lässt Tolkien augenscheinlich man auch „was?“ abdecken: Man-ië? ist übersetzt mit „was ist es?“. Das ist kaum Quenya im Stil des HdR; die Endung -ië = „ist“ wurde fast sicher später aufgegeben. Fíriel’s Song verwendet ebenfalls man im Sinn von „was“: Man...antáva nin Ilúvatar[?] = „Was wird der Vater [Ilúvatar, Gott] mir geben?“ Ob Tolkien zu einem Zeitpunkt beabsichtigte, dass man beides abdeckt, „wer“ und „was“, oder ob er einfach seine Meinung hinsichtlich der exakten Bedeutung von man hin und wieder zurück änderte, können wir nun nicht genau feststellen. Wenn wir uns einer Quelle nach dem HdR zuwenden, finden wir die Frage mana i·coimas Eldaron[?], die übersetzt ist mit „was ist das coimas [„Lebensbrot“ = Sindarin lembas] der Elben?“ (PM:395; eine andere Schreibweise taucht in PM:403 auf). Wie sollen wir dieses Wort mana interpretieren, das in der Übersetzung dem „was ist“ zu entsprechen scheint? Es könnte ein Wort ma „was“ sein (was eine direkte Entlehnung aus dem Hebräischen wäre!) + Kopula „ist“, hier direkt als Suffix angehängt und zu -na verkürzt. Doch diese Form ma kennen wir mit mindestens zwei weiteren, unterschiedlichen Bedeutungen in Quenya (siehe nächste Lektion), so dass ich dazu neige, daran zu zweifeln, dass Tolkien beabsichtigte, es auch „was?“ bedeuten zu lassen. Eher ist mana einfach ein Wort für „was“, und es gibt keine ausdrückliche Kopula „ist“ in dem Satz mana i·coimas Eldaron[?] = „was [ist] das Lebensbrot?“ Es kann sein, dass mana „was“ Fallendungen erhalten kann. Veröffentlichtes Material liefert uns kein Wort für „warum?“, aber mit einer Annahme können wir uns um diese Lücke herumarbeiten, wenn wir nämlich die Dativendung -n an mana anhängen - die resultierende Form manan würde dann wörtlich „für was“? bedeuten.

In seiner Form ist mana den Demonstrativpronomen sina “dies“, tana „das“ und yana „jenes dort“ ähnlich. Da vanda sina „dieser Eid“ bedeutet (UT:305, 317), könnte vielleicht vanda mana? „welcher Eid?“ bedeuten. Mana vanda? würde eher „was [ist] ein Eid“ bedeuten, im Hinblick auf das gegebene Tolkien-Beispiel mana i·coimas Eldaron[?] = „was [ist] das Lebensbrot?“.

Dasselbe späte Dokument, welches dieses Beispiel enthält, beinhaltet auch ein Wort für „wie?“, das als Teil der Frage manen lambë Quendion ahyanë[?] = „Wie änderte sich die Sprache der Elben?“ auftaucht (PM:395). Interessanterweise scheint dieses Wort manen „wie?“ die instrumentale Endung -nen zu enthalten, angehängt an das „Frageelement“ ma- (PM:347). Manen könnte wörtlich „was mit?“ bedeuten (es könnte nach allem, was wir wissen, sogar ein zusammengezogenes mananen darstellen). Es scheint in hohem Maß glaubwürdig, dass auch andere Fallendungen als die des Instrumental an ma- angehängt werden können. Vielleicht können wir einen Lokativ massë? „wo?“ bilden, einen Ablativ mallo „woher?“ und manna „wohin?“, und damit weitere Lücken in unserem Vokabular füllen. Doch die Übungen unten betreffen nur die attestierten Formen man „wer?“, mana „was?“ und manen „wie?“.