lá

Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach

unpersönliche Verben U-Stamm-Verben lá Übungen 18

Die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten von

Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

In Lektion 9 führten wir das verneinende Verb um- „nicht tun, nicht sein" ein (1. Vergangenheit lt. Etym. úmë, Zukunftsform lt. Fíriel's Song úva). Bis jetzt haben wir in allen Beispielen und Übungen dieses Verb +Infinitiv immer dann eingesetzt, wenn ein Satz zu verneinen war. Doch dieses verneinende Verb einzusetzen ist in dieser Hinsicht nicht die einzige verfügbare Option. Wie Englisch hat auch Quenya ein eigenes Wort für „nicht", und zwar (oder unbetont la). Dieses Wort könnte auch eingesetzt werden für „nein".

Das verneinende Verb um- und die Negation bestehen in der Sprache eindeutig nebeneinander, beide sind aufgelistet in den Etymologies (Einträge ugu/umu vs. la). Es gibt kaum spezielle Regeln dafür, wann das eine zu benutzen sei und wann das andere. Wenn man das verneinende Verb um- einsetzt, erhält es offensichtlich die relevanten Pronomen- und Zeitendungen, während das Verb, das verneint wird, vermutlich als Infinitiv erscheint: Ùmen lelya, „ich tat nicht [erste Person Vergangenheit] gehen [Infinitiv]". Wenn man die separate Verneinung verwendet, würde das verneinte Verb selbst alle relevanten Endungen erhalten, gerade so als wenn die Verneinung nicht vorhanden wäre: Lenden „ich ging" könnte verneint werden als lá lenden = „Nicht ging ich" = „ich ging nicht". (Unsere wenigen Beispiele lassen vermuten, dass die bevorzugte Wortreihenfolge die ist, vor dem verneinten Verb zu platzieren, obwohl nach allem, was wir wissen, lenden lá „ich ging nicht" ebenso akzeptabel wäre. Aber man sollte keine alternative Wortfolge verwenden, wo Zweideutigkeit entstehen kann; siehe unten.)

Das ist offensichtlich eine einfachere Möglichkeit, einen Satz zu verneinen, als das negative Verb und den Infinitiv einzusetzen; man beginnt einfach mit dem nicht-verneinten Satz und fügt ein zusätzliches Wort ein. In der Tat führe ich das Wort deshalb so spät in diesem Kurs ein, weil ich meine Studenten nicht mit dieser leicht zu bildenden Verneinung „verderben" wollte, bevor sie nicht die Gelegenheit hatten, mit dem verneinenden Verb vertraut zu werden. In vielen Fällen scheint der Einsatz des verneinenden Verbs die elegantere Methode zu sein, Sätze zu verneinen, und manchmal sollte das Wort "nicht" vielleicht vermieden werden, weil eine ähnliche Form eine ganz und gar andere Funktion hat (siehe unten). Doch in einigen Zusammenhängen mag es am besten sein, einzusetzen an Stelle des verneinenden Verbs. Im besonderen mag es sonderbar erscheinen, mit dem Verb um- eine „Verlaufsform" der Gegenwart zu bilden, dem englischen „is ...-ing" entsprechend. Die Form wäre úma, aber sollte „der Elb beobachtet den Zwerg (gerade, Verlaufsform) nicht" übersetzt werden mit i Elda úma tirë i Nauco? Ich vermute, dass es möglich ist, aber ich denke, ich würde eher mit dem positiven Satz i Elda tíra i Nauco beginnen und ihn mit einem vor dem Verb verneinen: i Elda lá tíra i Nauco. Ebenso mag es wohl am besten sein, die Verneinung im Perfekt zu verwenden, besonders weil es etwas unsicher ist, wie die Perfektform von um- auszusehen hat: ?úmië ohne Augment, da der Stamm mit einem Vokal beginnt, oder vielleicht ?umúmië mit Wiederholung der gesamten ersten Silbe? In jedem Fall drückt man „ich bin nicht gekommen" vielleicht am besten aus mit lá utúlien. Obwohl (um)úmien tulë klar verständlich sein sollte, scheint es eine ziemlich sonderbare Konstruktion zu sein.

Bei der Übersetzung aus Quenya ins Englische oder Deutsche müssen wir manchmal aufpassen, dass wir die Verneinung dem richtigen Verb zuordnen. Beachten Sie den Satz alasaila ná lá carë tai mo navë mára, übersetzt „it is unwise not to do what one judges good" („es ist unklug, nicht zu tun, was man für gut hält"; VT42:34; von mo heißt es hier, es sei ein unbestimmtes Pronomen „jemand, man“, offensichtlich eine Alternative zu quen.  Unklarer ist die Form tai: vielleicht ta-i „das, was“, mit einem i als unmittelbar angehängtem Relativpronomen, folglich lá carë tai mo navë mára = „nicht zu tun das, was man für gut hält“.) Wer an eine englische Wortreihenfolge gewöhnt ist, könnte versucht sein, diese Worte fälschlich zu übersetzen mit **es ist nicht unklug, zu tun, was man für gut hält“. Doch wenn man im Kopf behält, dass mit dem folgenden Verb verbunden ist, in diesem Fall mit dem Infinitiv „zu tun“, kann das Missverständnis vermieden werden: Die Wendungen sind korrekt zu teilen in alasaila ná „unklug ist [es]“ + lá carë ... „nicht zu tun...“ (etc.)

Wie dieses Beispiel zeigt, könnte auch verwendet werden, um Infinitive zu verneinen, und ein anderes Beispiel aus VT42:34 zeigt, dass es keinen Unterschied macht, wenn der Infinitiv mit der Endung -ta erweitert wird, um eine Objekt-Nachsilbe zu erhalten: lá caritas, navin, alasaila ná - wörtlich „es nicht zu tun, denke ich, ist unweise“. Tolkien selbst offerierte die Übersetzung „not doing this would be (I think) unwise“. In einem Beispiel verwendete Tolkien sogar , um einen erweiterten Infinitiv auf -ta zu verneinen, der keine angehängte pronominale Endung hat: lá carita i hamil mára alasaila ná, „not to do what you judge good would be [literally ‚is’] unwise“ („nicht zu tun was du für richtig hältst, wäre [wörtlich ‚ist’] unklug“, VT42:33). Hier hat der erweiterte Infinitiv carita die Bedeutung eines Gerunds angenommen, und der gesamte Relativsatz i hamil mára „was du für richtig hältst“, ist sein Objekt. Es scheint somit sehr wahrscheinlich, dass auch verwendet werden kann, um das regelmäßigere Gerund auf -ië zu verneinen. Wir haben dafür keine Beispiele, aber wahrscheinlich wäre lá carië i hamil mára... ebenso eine gut mögliche Formulierung. 

Was die unbetonte Variante der Verneinung betrifft, namentlich seine kürzere Form la, so taucht unser einziges sicheres Zeugnis dafür in dem Satz la navin caritalyas mára auf, „I don´t judge your doing it good“ (wörtlich: „Ich entscheide nicht dein Tun gut“, VT42:33; dies ist ein Weg, um „ich rate dir nicht, so zu handeln“ auszudrücken). Hier fällt die Hauptbetonung vermutlich auf die erste Silbe des Verbs navin „ich entscheide“, die Verneinung la erhält keine Betonung. Man könnte aber meinen, dass ein wichtiges Wort wie eine Verneinung (die den Sinn des Satzes vollkommen umkehrt!) normalerweise irgendeine Art von Betonung erhält, und in den Übungen unten habe ich durchgängig die lange/akzentuierte Form verwendet.

Die kurze Form la könnte ich jedoch aus einem Grund empfehlen, und zwar weil sie nicht mit einem ganz anderen Wort kollidieren kann, das in Wendungen zum Einsatz kommt, die mit einem Vergleich zu tun haben (obwohl Material, das in Tyalië Tyellelliéva #16 auftaucht, anzuzeigen scheint, dass dieses zweite lá ebenfalls als kürzere Form la auftauchen könnte). Nach Bill Weldens Artikel Negation in Quenya (VT42:32-34) war Tolkien durch dieses Aufeinandertreffen tatsächlich etwas beunruhigt, und für eine Weile gab er tatsächlich die Verneinung lá „nein, nicht“ auf. Doch in den letzten Jahren seines Lebens führte er es wieder ein, und so müssen wir mit der Doppelfunktion dieses Wortes leben. Im Kontext wird es kaum Probleme bereiten, zwischen den beiden ’s zu unterscheiden.

Nach einem anderen, unveröffentlichten Tolkien-Manuskript, das Welden in seinem Artikel zitiert, kann die Wendung „A () calima lá B“ verwendet werden für „A ist heller als B“ (beachten Sie, dass die Kopula  „ist“ ohne Verständnisprobleme weggelassen werden könnte). Wenn wir einen ganzen Satz ohne Buchstabenrechnung wollen, können wir A und B einfügen, um zum Beispiel Anar ná calima lá Isil auszudrücken, „[die] Sonne ist heller als [der] Mond“. Doch diese Übersetzung unterscheidet sich in folgenden Punkten von der tatsächlichen Quenya-Wortfolge: Calima ist das einfache Adjektiv „hell“, nicht der Komparativ „heller“ (wir sind immer noch nicht sicher, wie der aussehen würde), und bedeutet nicht wirklich „als“. Uns wird mitgeteilt, dass dieses genaugenommen eine Präposition „hinter, jenseits“ darstellt, so dass der Quenya-Satz tatsächlich bedeutet „ die Sonne ist hell jenseits des Mondes“.

Wir können uns sicher Sätze vorstellen, die ein mit beiden Bedeutungen enthalten: I mindon ná halla i oron, "der Turm ist nicht größer als der Berg" (wörtlich “... groß jenseits des Berges”). Hier wäre das verneinende Verb sicher zu bevorzugen, und sei es nur aus stilistischen Gründen: I mindon umë halla lá i oron. Es könnte möglich sein, Zweideutigkeiten aus dem Weg zu gehen. Es heißt, dass man bei Vergleichen statt „hinter, jenseits“ auch die Präposition epë „vor“ verwenden könnte - irrtümlich in Welden’s Artikel mit „nach“ glossiert. Abgesehen von diesem Irrtum gibt es tatsächlich einiges Zeugnis, das vermuten lässt, dass epë oder eine ähnliche Form zu einem Zeitpunkt in Tolkiens sich stets entwickelndem linguistischen Szenario „nach“ bedeutete (offensichtlich war es eine Variante von apa, das wir in Lektion 15 eingeführt haben). Wegen der Unklarheiten betreffend epë werden wir es hier in Frieden ruhen lassen, und trotz seiner Zweideutigkeit verwenden.