Possessivpronomen

(Autor: Helge Fauskanger - Übs: Brigitte Raßbach)

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Besitzanzeigende pronominale Endungen

Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

Wir haben bereits eine Reihe von pronominalen Endungen besprochen, die an Verben angehängt werden können, um als deren Subjekt zu dienen: -nyë (häufig verkürzt zu -n) "ich", -lyë "du", -ntë "sie" und -lvë und -lmë "wir" (einschließend bzw. ausschließend -  wir kennen auch -mmë und -ngwë als alternative Endungen für „wir“, aber ihre exakte Anwendung in den späten Entwicklungsstadien von Tolkiens Entwicklungsszenario ist unsicher). Wir haben auch herausgestellt, dass Quenya-Pronomen im  Normalfall als Endungen erscheinen und nicht so häufig als eigene Wörter wie im Englischen und Deutschen.

Pronomen können auch Besitz oder Zugehörigkeit beschreiben. Im Englischen kennen wir „my“ und „mine“, „your(s)“, „our(s)“, „their(s)“ (im Deutschen sind es „mein“, „dein“, „unser“, „your(s)“ kann „deine“ bedeuten oder „eure“, je nachdem, ob Einzahl oder Mehrzahl, und „ihre“, dazu kommt die Unterscheidung nach Geschlecht des Hauptworts, bei dem sie stehen, wie im Beispiel von „mein“ (m) „meine“ (f), „mein“ (s). Der folgende Satz bezieht sich auf die englischen Pronomen). Quenya hat für diese Pronomen ebenfalls Endungen, obwohl sie normalerweise an Hauptwörter angehängt werden, nicht an Verben. Die Endung für „mein(e)“ zum Beispiel ist -nya. So heißt „mein Haus“ coanya, während „mein Land“ nórenya lautet. Die Betonung fällt nun auf die Silbe vor der Pronomenendung: co-A-nya, nó-RE-nya. Alle Pronomenendungen beginnen mit einer Konsonantenhäufung, und nach den normalen Regeln fällt die Betonung auf die vorletzte Silbe, wenn auf deren Vokal eine Gruppe von Konsonanten folgt.

Beachten Sie, dass die Subjektendungen, die wir schon eingeführt haben, alle auf den Vokal enden: -nyë "ich", -lyë "du" etc. Die entsprechenden besitzanzeigenden Pronomenendungen können entwickelt werden, indem man einfach den finalen Vokal abändert zu einem -a, also:

-nyë "Ich" / -nya "mein"

-lyë "du" / -lya "dein"

-lvë "wir" (einschl.) / -lva "unser" (einschl.)

-lmë "wir" (ausschl.) / -lma "unser" (ausschl.)

So können wir neben coanya "mein Haus" coalya "dein Haus" bilden, während coalva und coalma im Deutschen beide Male übersetzt würde mit "unser Haus".

ANMERKUNG: Was die Unterscheidung zwischen ein- und ausschließendem „unser“ angeht, so würde sie sich eng anlehnen an die Unterscheidung zwischen ein- und ausschließendem „wir“, erklärt in der vorhergehenden Lektion. Somit wird „unser Haus“ mit coalva wiedergegeben, wenn man sich an jemanden wendet, der zu den Eigentümern des Hauses gehört und somit in das Wort „unser“ eingeschlossen ist. Im Gegensatz dazu ist coalma das einzusetzende Wort, wenn Sie mit einem Gegenüber sprechen, der nicht zu den Eigentümern des Hauses gehört und folglich nicht in das Wort „unser“ eingeschlossen ist.

Es scheint sehr vernünftig, anzunehmen, dass die Endung -ntë „sie“ ein Gegenstück -nta „ihr“ hat, obwohl letztere Nachsilbe im veröffentlichten Material nicht attestiert ist. Ein Problem scheint, dass es mit der Endung des dualen Ablativ kollidiert, aber im Kontext würde es kaum besonders schwierig sein zu sagen, ob z. B. ciryanta zu interpretieren ist als „zu einem Schiffspaar“ oder „ihr Schiff“. Vermutlich können die Endungen sogar kombiniert werden: ciryantanta, „zu ihrem Schiffspaar“! Ich werde keine Übungen basteln, die die nicht attestierte Endung -nta „ihr“ enthalten, aber ich denke, es ist sicher genug, um Schreibern empfohlen werden zu können.

Kombinieren von besitzanzeigenden Pronomenendungen mit Endungen für Fall und Numerus: Die Kombination dieser beiden Arten von Endungen ist es, die die Gesamtzahl an Formen, die ein Quenya-Hauptwort annehmen kann, explodieren lässt, Wir werden zurückgelassen mit hunderten möglicher Kombinationen, aber da sie eben genau das sind - Kombinationen, sind die betroffenen Endungen nicht annähernd so zahlreich, und die Fracht, die das Gedächtnis eines Studenten tragen muss, ist alles in allem nicht so groß.

Hier folgt sambelya "dein Zimmer" (sambë "Raum, Zimmer, Kammer" + -lya "dein"), gebeugt in all die Numeri und Fälle, die wir bis hierher in diesem Kurs besprochen haben. Wenn diese Liste auf den ersten Blick etwas kompliziert und einschüchternd erscheint, wird der Student bald erleichtert feststellen, dass sie tatsächlich vollkommen regelgerecht ist und in gewisser Weise überhaupt keine neue Information enthält: Fangen Sie einfach an mit sambelya "dein Zimmer" und behandeln Sie es wie jedes andere Hauptwort auf -a, indem Sie die normalen Endungen für Numerus und Fall anhängen. Eine Konsequenz davon ist, dass das Wort nun einen Plural hat auf -r (sambelyar "deine Zimmer"), obwohl sambë "Zimmer", wenn es für sich alleine stehend auftauchen würde, einen i-Plural hätte (sambi "Zimmer").

·         NOMINATIV / AKKUSATIV:
Singular sambelya "dein Zimmer",
Dual sambelyat "dein Paar von Zimmern",
Plural sambelyar "deine Zimmer".
(In der archaischen Form von Quenya, das einen eigenen Akkusativ kannte, würden wir wahrscheinlich den Akk. Sing. sambelyá sehen und den Akk. Pl. sambelyai, aber in diesem Kurs werden wir keine eigenen Akkusativformen verwenden.)                        

·         GENITIV:                                 
Singular sambelyo "deines Zimmers" (die Genitivendung -o ersetzt regelgerecht das finale -a von sambelya, obwohl hier das -a Teil einer anderen Endung ist),
Dual sambelyato "deiner Paare von Zimmern",
Plural sambelyaron "deiner Zimmer".

·         POSSESSIV:
Singular sambelyava " deines Zimmers ",
Dual ?sambelyatwa " deiner Paare von Zimmern",
plural sambelyaiva " deiner Zimmer".
(Während wir hier die selbe Übersetzung für Possessiv und Genitiv verwenden, gibt es natürlich gewisse subtile Nuancen der Bedeutung, die sie unterscheiden.)

·         DATIV:
Singular sambelyan "deinem Zimmer",
Dual sambelyant "deinem Paar Zimmer",
Plural sambelyain "deinen Zimmern".

·         ALLATIV:
Singular: sambelyanna "zu deinem Zimmer",
Dual sambelyanta "zu deinem Paar Zimmer",
Plural sambelyannar "zu deinen Zimmern".

·         ABLATIV:
Singular: sambelyallo "von deinem Zimmer",
Dual sambelyalto "von deinem Paar Zimmer",
Plural sambelyallon (oder -llor) "von deinen Zimmern".

(Im Fall von Allativ und Ablativ fällt die Betonung auf den Vokal vor der Fallendung [z.B. sambelyAllo], den normalen Regeln der Betonung folgend – die auf alle hier aufgelisteten Formen anzuwenden sind).

ANMERKUNG: Elendils Proklamation enthält die Worte sinomë maruvan, ar hildinyar „an diesem Ort will ich bleiben, und meine Erben“. Aus dem Beispiel hildinyar "meine Erben" könnte man argumentieren, dass Hauptwörter im Plural mit Pluralformen auf -i (wie hildi „Erben“) diese Endung annehmen, bevor Pronomenendungen und sekundäre Pluralmarker (wie -nya- und -r von hildinyar) angehängt werden. Wenn ja, dann sollte „deine Zimmer“ tatsächlich sambilyar heißen anstelle von sambelyar, wie oben angenommen. Das ist möglich, aber das Beispiel hildinyar könnte seine eigenen Besonderheiten aufweisen, siehe unten.

Beachten Sie, dass die besitzanzeigende Pronomenendung normalerweise zuerst angehängt wird, und Endungen für Numerus und Fall danach angefügt werden: „Von deinem Zimmer“ heißt deshalb sambelyallo und nicht sambellolya. Ein Tolkien-gemachtes Beispiel,  z. B. der Gruß Anar caluva tielyanna "die Sonne scheine (wird scheinen) auf deinen Weg" (UT:22, 51): Das Hauptwort tië „Weg, Pfad“ taucht hier kombiniert auf mit dem Pronomensuffix -lya „dein“, und tielya „dein Weg“ ist darüber hinaus erweitert um die Allativ-Endung -nna „auf“, um „auf deinen Weg“ auszudrücken. (In einigen von Tolkiens posthum veröffentlichten Texten taucht die umgekehrte Reihenfolge auf, somit könnte „auf deinen Weg“ vielleicht ebenso tiennalya heißen. Aber die Reihenfolge „Pronomenendung zuerst, Fallendung als zweites“ scheint das vorschriftsmäßigste System zu sein, durchgängig in diesem Kurs so eingesetzt.)

Ein weiteres Beispiel eines Hauptwortes, ausgestattet sowohl mit einer Pronomenendung als auch einer Fallendung, taucht auf in dem berühmtesten aller Elbengrüße, „ein Stern scheint auf die Stunde unserer Begegnung“: Elen síla lúmenn' omentielvo. Mit dieser Lektion haben wir endlich all die Grammatik vorgestellt, die man braucht, um diesen Satz voll zu verstehen: Elen „ein Stern“, síla „scheint“ (die Verlaufsform der Gegenwart von dem Verb sil-), lúmenn' oder in voller Länge lúmenna "auf (die) Stunde" (das Hauptwort lúmë "Stunde" + Allativ-Endung -nna "auf"), und schließlich das Wort, dass für unsere gegenwärtige Diskussion relevant ist: omentielvo. Letzteres muss als abstraktes Hauptwort (oder Gerund?) omentië "Begegnung" + Endung -lva für einschließendes „unser“ gedeutet werden (so weit nur hier attestiert), und omentielva „unsere Begegnung“ ist dann versehen mit der Genitivendung -o: Folglich omentielvo, da die Endung -o das finale -a ersetzt.

Die erste Edition von LotR (1954-55) enthielt omentielmo anstelle von omentielvo, letzteres die Schreibweise, die Tolkien in der revidierten Edition von 1966 einführte. Was das exakte Grundprinzip betrifft, das diesem Wechsel zugrunde lag, wurden leicht widersprüchliche und verwirrende Informationen veröffentlicht. Tolkien brachte offensichtlich eine „interne“ Erklärung für diesen Wechsel, auf die in einer von Humphrey Carpenters Anmerkungen zur Sammlung von Tolkiens Briefen, die er herausgegeben hat, kurz verwiesen wird (Letters:447, notes on letter #205):

The Elvish language Quenya makes a distinction in its dual inflexion, which turns on the number of persons involved; failure to understand this was, Tolkien remarked, ‘a mistake generally made by mortals’. So in this case, Tolkien mad a note that the 'Thain's Book of Minas Tirith', one of the supposed sources of The Lord of the Rings, had the reading omentielvo, but that Frodo’s original (lost) manuscript probably had omentielmo; and that omentielvo is the correct form in the context.

Die Elbensprache Quenya macht in der Beugung des Dual einen Unterschied, der abhängt von der Zahl der einbezogenen Personen; das Scheitern in dem Bemühen, dies zu verstehen, war, wie Tolkien bemerkte, ‚ein genereller Fehler der Sterblichen’. So machte Tolkien in diesem Fall eine Anmerkung, dass ‚Thains Buch von Minas Tirith’, eine der mutmaßlichen Quellen für den Herrn der Ringe, die Schreibweise omentielvo aufwies, dass aber in Frodos (verlorenem) Originalmanuskript wahrscheinlich omentielmo stand; und dass omentielvo in diesem Zusammenhang die korrekte Form darstellt. 

Die ganze Angelegenheit ist ziemlich undurchsichtig, und wir würden wirklich gerne Carpenters Quelle für diese vage Erklärung sehen. Was genau war der in dem eigenhändig von Frodo Baggins (!!) geschriebenen „original (lost) manuscript“ (!) auftauchende Fehler? Warum war omentielmo verkehrt und omentielvo korrekt „in the context“? Der Quelle folgend ist eine „dual inflexion“, ein gebeugter Dual, betroffen. In der ersten Version dieses Kurses interpretierte ich wie folgt: Frodo, der zu Gildor sagt, „ein Stern scheint auf die Stunde unserer Begegnung“, sollte ein duales „unser“ verwendet haben, da nur zwei Personen betroffen waren (Frodo + Gildor). Aber Frodo verwendete fälschlicherweise stattdessen einen Plural „unser“. Nun scheint das kein krasser Fehler, denn indem er sagt „unser Treffen“, kann sich Frodo sehr gut auch auf seine eigene Gruppe (die Hobbits) beziehen, die Gildors Gruppe treffen (die Elben). Somit würde die Zahl der betroffenen Personen weit über zwei hinausgehen, und ein Plural „unser“ wäre absolut passend. Nichtsdestotrotz ist der einzige Sinn, denn ich Carpenters seltsamer Anmerkung entnehmen kann, dass omentielvo bedeuten würde „auf unsere (dual) Begegnung“, während omentielmo „auf unsere (Plural) Begegnung“ meinen würde. Ich versuchte irgendwie, das -v- der Promomen auf -lv- mit der dualen Endung -u zu verbinden, so dass die Pronomen auf -lv- auf ein duales „wir“ verweisen, das nur aus zwei Personen bestand: „du und ich“.

Doch da tauchte bald eine andere Erklärung von Frodos kleinem grammatikalischen Fehler auf - der Fehler in „Thains Buch von Minas Tirith“ war dankenswerterweise von einem späteren Kopierer korrigiert worden. Dick Plotz, Gründer der Tolkien Society of America und Empfänger des Plotz Letter, machte selbst einen Fehler, der in einer verstümmelten Lesart in bestimmten amerikanischen Ausgaben des LotR resultierte. Hier ist sein Eingeständnis, wie in der Studie Introduction to Elvish (Hrsg. Jim Allen) von 1978, S. 20 zitiert:

The original version was Elen síla lúmenn' omentielmo, which means, literally, ‘a star shines on the hour of our (my, his, her, NOT your) meeting’. Tolkien, on reflection, changed this to omentielvo, 'of our (my, your, possibly his, her) meeting.' This was[,] of course, a proper change, and this is how it appeared in the earliest printings of the Ballantine edition. I, however, saw it as an obvious error, and prevailed upon Ballantine to CORRECT it! The "correction" introduced another error, since [the resulting reading] omentilmo, as far as I know, means nothing at all. Now they won't change it back, because it's too expensive. But omentielvo is correct. Sorry to have messed everyone up.

Die Originalversion lautete Elen síla lúmenn' omentielmo, was wörtlich bedeutet ‚ein Stern scheint auf die Stunde unserer (meiner, seiner, ihrer, NICHT deiner) Begegnung’. Tolkien änderte das nach einer Nachbetrachtung zu omentielvo, ‚unserer (meiner, deiner, vielleicht ihrer, seiner) Begegnung.’ Das war natürlich ein sauberer Wechsel, und so erschien es auch in den ersten Drucken der Ballantine edition. Ich jedoch sah darin einen offensichtlichen Fehler und brachte Ballantine dazu, das zu KORRIGIEREN! Die „Korrektur“ führte zu einem weiteren Fehler, der in der Schreibweise omentilmo resultierte, was, so weit ich es weiß, überhaupt nichts bedeutet. Nun wollen sie die Änderung nicht mehr rückgängig machen, weil es zu teuer ist. Aber omentielvo ist korrekt. Es tut mir leid, dass ich alle durcheinander gebracht habe.

(Ich verstehe, dass in aktuellen amerikanischen Ausgaben der Fehler, der von Mr. Plotz’ gut gemeinten, aber fehlgeleiteten Anstrengungen herrührte, seither längst korrigiert ist.) Was uns Plotz also hier mitteilt, ist dass omentielvo ein einschließendes „unser“ beinhaltet (was in diesem Kontext richtig ist), während die verworfene Form omentielmo ein „unser“ enthält, von dem Tolkien letzten Endes entschied, dass es ausschließlich sein sollte (und folglich hier nicht passend, denn wenn Frodo „unser Treffen“ sagt, schließt er offenkundig die Elben, zu denen er spricht, in dieses „unser“ mit ein. ). Das ist nicht die Erklärung, die Carpenter in seiner Anmerkung zu Tolkiens Brief #205, oben zitiert, andeutete, wo das Problem eher eines der „dualen Beugung“ zu sein scheint bzw. des Fehlens derselben. Doch Plotz deutete an, dass die Erklärung, die er anbot, auf einem Brief beruhte, den er von Tolkien erhalten hatte, obwohl dieser Brief offensichtlich nicht länger existiert (zu schade...sowohl die Gemeinschaft der Tolkien-Linguisten als auch Sotheby´s wären äußerst interessiert.)

Im Januar 2002 bekamen wir Vinyar Tengwar #43, wo die Editoren die Umstrukturierung des Pronomensystems kommentieren, das der Publikation der Revised Edition des The Lord of the Rings vorausging (S. 6). Eine der angesprochenen Änderungen betrifft die Verlagerung des Pluralmarkers für einschließendes „wir, unser“ von -lm- auf -lv-. (Früher war -mm- ausschließend und -lm- einschließend; nun machte Tolkien -lm- stattdessen ausschließend, während -lv- als das neue einschließende Pronomen eingeführt wurde, -mm- ersetzend, das nach VT43:6 nun stattdessen dual wurde... Spätestens an diesem Punkt kann der Student Christopher Tolkiens Anmerkung in SD:440 richtig einschätzen - dass seines Vaters unaufhörliche Revisionen „[are] often frustrating to those who study these languages“, oft frustrierend sind für all jene, die diese Sprachen studieren!). Die Information aus VT43 scheint Plotz’ Erklärung der Revision omentielmo > omentielvo zu bestätigen, aber sie findet keine Unterstützung in Humphrey Carpenters Anmerkung in Letters:447, wie vage sie auch sein mag.

Bill Welden, Mitglied der Gruppe, die Tolkiens linguistische Manuskripte veröffentlichen soll, brachte folgenden Beitrag in einem Post bei Elfling ein, datiert auf den 8. Februar 2002:

Carpenters Erklärung ist kein Maßstab, wurde einfach ohne Tolkiens Mitwirken aus dessen eigenen Anmerkungen herausgehoben, und konnte so leicht ein vorübergehender Gedanke sein (ohne schlechte Hintergedanken). Plotz’ Beitrag, der nicht mehr aussagt, als dass -lmo ein Fehler war, ist Maßstab, wie alles, von dem Tolkien wirklich entschied, dass es als Korrespondenz hinausgesandt werden sollte.

Welden argumentiert also, dass die Erklärung an Dick Plotz als Maßstab akzeptiert werden müsse aufgrund der Tatsache, dass sie gesendet wurde. Nun kann ich andere linguistische Ideen aus Tolkiens Briefen zitieren, die er nichtsdestotrotz später scheinbar wieder aufgegeben hat. (Ein drastisches Beispiel: 1958 schrieb Tolkien an Rhona Beare, dass „the Valar had no language of their own, not needing one“, dass die Valar keine eigene Sprache hatten, weil sie ihrer nicht bedurften, aber in dem Essay Quendi and Eldar, der vielleicht ein Jahr später geschrieben wurde, zitierte er viele Wörter aus der Sprache der Valar - Letters:282 gg. WJ:397-407). Nichtsdestotrotz habe ich in der aktuellen Version dieses Kurses das System übernommen, das in VT43 und von Dick Plotz vorgestellt wurde. Folglich wird der einschließende Plural „unsere“ angezeigt durch die Endung -lva, der ausschließende Plural „unsere“ hat die Endung -lma, und es gibt daneben offensichtlich noch die Endung -mma für ein duales „unsere“ (obwohl unklar bleibt, ob das einschließend ist, „deins und meins“, oder ausschließend, „sein/ihr und mein“. Das stimmt überein mit den Endungen für „wir“, die in der Lektion davor angewandt wurden: -lvë für einschließendes „wir“, während -lmë für ausschließendes „wir“ steht (und -mmë für ein duales „wir“ - ob ein- oder ausschließend wissen wir nicht.) 

Anhängen pronominaler Endungen an Hauptwörter, die auf einen Konsonanten enden:

Um unmögliche Konsonantenhäufungen zu vermeiden, könnte, wo nötig, ein zusätzlicher Vokal -e- vor der Pronomenendung eingefügt werden. Wie wir uns erinnern, kann dieser zusätzliche Vokal auch vor Fallendungen auftauchen. Wenn wir atar „Vater“ mit -lya „dein“ verbinden, um „dein Vater“ auszudrücken, entsteht wahrscheinlich atarelya (da **atarlya kein in Quenya mögliches Wort ist). „Unser Vater“ ist attestiert als ataremma in Tolkiens Übersetzung des Vaterunser (VT:43:8; in späteren Versionen liest man kurioserweise átaremma mit einem langen Anfangsvokal, der vielleicht zusammengezogenes a Ataremma „oh unser Vater“ darstellt). Diese Form gehört zu einer früheren Entwicklungsphase, wo die Endung für das ausschließende „unser“ noch immer -mma war anstelle von -lma, zu dem es später wurde, aber man beachte, dass Tolkien zwischen Hauptwort und Endung ein verbindendes -e- als Vokal eingefügt hat. Wenn er seine Übersetzung des Vaterunser in den letzten Jahren seines Lebens revidiert hätte, wäre das erste Wort vielleicht zu atarelma (oder átarelma) geworden, mit einer neuen Endung, aber demselben verbindenden Vokal davor.

Wenn sich Pronomen- und Fallendungen gleich verhalten, könnte es sein, dass man i als verbindenden Vokal verwendet, wenn das Hauptwort im Plural steht. Vgl. Tolkiens Form elenillor für “von Sternen”. So könnte „deine Sterne“ auf ähnliche Weise elenilyar heißen, and "unsere (ausschl.) Väter" sollte wohl eher atarilmar sein statt atarelmar. (Natürlich ist es primär das finale -r, das hier als Pluralmarker fungiert, so kann es hinsichtlich des Numerus ohnehin keine Missverständnisse geben.) Es könnte sein, dass hildinyar "meine Erben" aus Elendils Proklamation ein Beispiel dafür ist, wenn das Hauptwort für "Erbe" ?hil ist, mit einem Stamm hild-, folglich Pl. hildi.

Aber die Endung -nya "mein" scheint in gewisser Weise ein Spezialfall zu sein. Wo ein verbindender Vokal benötigt wird, wird offensichtlich immer -i- bevorzugt, egal ob das Hauptwort, an das er angehängt wird, im Singular oder Plural steht. Es scheint, dass dieser verbindende Vokal den Vokal der primitiven Wurzel wiederspiegelt aus den Eldarin-Pronomen der 1. Person, namentlich ni² (aufgelistet in den Etymologies und einfach definiert als „ich“). Fíriel's Song enthält für “meine Sonne“ Anarinya, nicht **Anarenya. Heißt "mein Vater" also ähnlich atarinya (LR:61) statt ?atarenya; wir können nicht wissen, ob die letztere Form überhaupt gültig ist. Der (Nominativ) Plural „meine Väter“ wäre natürlich atarinyar, so dass Singular und Plural sich weiterhin unterscheiden würden. Auf dieselbe Weise ist die Singularform von hildinyar "meine Erben" hildinya "mein Erbe" mit demselben verbindenden Vokal i, da er von der Endung -nya immer bevorzugt wird (die Form hildinya war, als ich die erste Version dieses Kurses schrieb, hypothetisch, aber nun ist sie in einem Tolkien-Manuskript aufgetaucht: VT44:36). Im Fall einer anderen Endung, wie -lma "unser", könnten wir wohl eine Veränderung sehen zwischen hildelma (?) "unser Erbe" und hildilmar "unsere Erben"; im letzteren Fall ist das -i die normale Endung für den Nominativ Plural, verwendet als verbindender Vokal. (Die Etymologies, Eintrag khil, listen exakt eine solche Pluralform hildi auf – dort glossiert als "followers", „Nachfolger“, in der Bedeutung nahe genug an "Erben".)

Es wurde vermutet, dass die Endung -nya, angehängt an ein Hauptwort auf , dieses ebenfalls durch -i- ersetzen würde (ähnlich wie die Pluralendung -i ein finales ersetzt, wenn sie an ein Hauptwort angehängt wird). Doch ein einzelnes Tolkienbeispiel, das im Sommer 2000 veröffentlicht wurde, demonstriert, dass dem nicht so ist: VT41:11 enthält für „mein Herz“ órenya, nicht **órinya (órë: "Herz" im Sinn von "inneres Gemüt"). Dem System nach, das wir zu skizzieren versuchen, wäre sogar der Plural „meine Herzen“ órenyar anstelle von ?órinyar, denn órë endet auf -ë und braucht folglich vor Nachsilben überhaupt keinen verbindenden Vokal. Vgl. den Plotz Letter: lassennar, nicht **lassinnar als Allativ Plural von lassë "Blatt" – obwohl der Nominativ Plural lassi lautet. Auf ähnliche Weise könnten wir wahrscheinlich lassenya "mein Blatt" sehen, vs. lassenyar "meine Blätter" (kaum **lassinyar). Der verbindende Vokal -i- taucht nur auf, wenn die Hauptwörter im Plural auf einen Konsonanten enden und Endungen erhalten; Hauptwörter in der Einzahl haben stattdessen das -e-, mit Ausnahme der Endung -nya „mein“, die das -i- bevorzugt, egal ob das Hauptwort, an das sie angehängt wird, in der Einzahl steht oder in der Mehrzahl. (Wenn es im Plural steht, wird das wirksam angezeigt durch die weiteren Endungen für den Numerus und/oder Fall, die nach der Endung -nya angehängt werden.)

ANMERKUNG: Natürlich müssen wir annehmen, dass Hauptwörter auf mit Stammformen auf -i- in der letzteren Form erscheinen, wenn Endungen angehängt werden. Wenn also lírë (líri-) “Lied” bedeutet, würde “mein Lied” offenkundig lírinya (Plural lírinyar "meine Lieder") lauten. Aber das ist in Wirklichkeit eine ganz andere Sachlage, denn hier würden wir offensichtlich líri- schon sehen, bevor irgendein Suffix für Pronomen oder Fall angehängt wird (lírilya "dein LIed", Genitiv lírio "eines Liedes" etc.)

Unter bestimmten Umständen werden zusammengezogene Formen benutzt, statt irgendeinen verbindenden Vokal einzufügen. UT:193 liefert die Form aranya, unübersetzt, aber offenkundig mit der Bedeutung „mein König“ (Erendis verwendete dieses Wort, als er sich an den König von Númenor wandte). Das ist offensichtlich aran „König“ + -nya „mein“, die unmögliche Form **arannya ist vereinfacht zu aranya. Möglicherweise wäre auch ?araninya akzeptables Quenya, aber da das Hauptwort mit demselben Konsonanten endet, wie die Pronomenendung beginnt, mag es zulässig sein, den letzten Konsonanten des Hauptworts und den ersten der Endung zu verschmelzen - ein Phänomen, das auch bei Fallendungen beobachtet wird. (Vgl. mindonnar anstelle von mindoninnar als Allativ Plural von mindon "Turm"; vielleicht hieße "meine Türme" mindonyar statt mindoninyar.)

Speziell wenn die Endung -nya „mein“ betroffen ist, könnten zusammengezogene Formen auftauchen, sogar wo sie gar nicht „nötig“ wären, um phonologisch erlaubte Quenyawörter zustande zu bringen. Das Hochelben-Wort für „Sohn“ ist yondo, somit könnte „mein Sohn“ einfach yondonya sein, und es gibt wenig Grund zu zweifeln, dass das eine gültige Form darstellt. Aber in LR:61 wendet sich Elendil an seinen Sohn als yonya, offensichtlich eine zusammengezogene Variante von yondonya. Vielleicht würde yonya für „mein Sohn“ verwendet, wen man sich an den betroffenen Sohn wendet. Wenn ja, wäre es eine Parallele zu folgendem Beispiel:  Ein Quenya-Wort für „Kind“ ist hína, oder hina mit einem kurzen Vokal - letzteres nur verwendet, wenn „addressing a (young) child“, wenn man sich an ein (junges) Kind wendet (WJ:403). Tolkien fuhr fort mit der Anmerkung, dass dieses hina, verwendet als eine Form der Adressierung, oft in der Form hinya „mein Kind“ erscheint - letzteres zusammengezogen von hinanya (immer noch WJ:403).