Lektion 14

(Autor: Helge Fauskanger - Übs: Brigitte Raßbach)

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 Der Allativ und der Ablativ 
 equë und auta: zwei besondere Verben
Endungen besitzanzeigender Fürwörter: -nya, -lya-, -lva, -lma, -mma

Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

Der Allativ und der Ablativ 

Die Dativendung -n, die in der vorangegangenen Lektion vorgestellt wurde, kann manchmal der Präposition „zu“ entsprechen, so z. B. wenn sie an Gerundien angehängt wird: enyalien = "zu erinnern" (UT:317). Doch ist das ein sehr abstraktes „zu“; wie wir gesehen haben, kann der Quenya-Dativ auch übersetzt werden mit Formulierungen, die die Präposition „für“ einsetzen, oder seine Bedeutung wird im Englischen durch eine spezielle Wortreihenfolge ausgedrückt. Im Deutschen ist es ebenfalls ein eigener Fall; dem „für“ allerdings folgt im Deutschen nicht der Dativ, sondern der Akkusativ, was nichts daran ändert, dass in Quenya hier die Dativendung zu stehen hat.

Doch Quenya hat eine spezielle Form, die „zu“ in einem grundlegenderen Sinn ausdrückt, im Sinne von „auf [jemanden, etwas] zu“ oder „entgegen“. Der lateinische Ausdruck für einen solchen Fall lautet Allativ. Die relevante Quenya-Endung ist -nna: Unter dem Eintrag Eldanna im Index der UT identifiziert Christopher Tolkien diese Endung als ein „suffix...of movement towards“, eine Nachsilbe einer Bewegung auf etwas / jemanden zu. Das Wort Eldanna selbst ist kein schlechtes Beispiel; es kann übersetzt werden mit „Elbwärts“, und wurde von den Númenorern verwendet als Name für eine Bucht an der Westküste Númenors, somit in Richtung auf das Segensreich gelegen, wo die Elben wohnten (UT:164). In Elendil´s Proklamation, die Aragorn bei seiner Krönung wiederholte, trägt die Endung -nna die volle Kraft von „zu“ mit der Bedeutung einer Bewegung auf jemanden oder etwas zu: Et Eärello Endorenna utúlien = "out of the Great Sea to Middle-earth [Endor] I am come.", mit „Aus dem großen Meer bin ich nach Mittelerde gekommen“ übersetzt (Carroux). Das deutsche „nach“ trägt hier ebenfalls die Bedeutung von „auf etwas zu“. Vgl. auch den Satz Sin Quentë Quendingoldo Elendilenna (PM:401) - was offensichtlich bedeutet „So sprach Quendingoldo zu Elendil“; (oder vielleicht „Das sprach Quendingoldo zu Elendil“; die Bedeutung des Wortes sin ist alles andere als klar). Als Allative von cirya "Schiff" und lassë "Blatt" deutet der Plotz Letter auf ciryanna "zu einem Schiff" and lassenna „zu einem Blatt“: (Natürlich fällt die Betonung nun auf den Vokal der vorletzten Silbe, wegen der folgenden Konsonantenhäufung, die durch die Endung -nna entsteht: ciryAnna, lassEnna.) Wenn Sie also auf Quenya sagen möchten „Ich werde zum Schiff gehen“, verwenden Sie normalerweise kein eigenes Wort für „zu“, sondern verwenden stattdessen die Endung -nna: Lelyuvan i ciryanna.

Während die Endung -nna manchmal mit „-wärts“ wiedergegeben werden kann, z. B. Elenna „Sternwärts“ (Übs. Silmarillion, Krege: „dem Stern nach“) als ein Name von Númenor (siehe unten), kann diese Endung „-wärts“ aber nicht frei an jedes Hauptwort angehängt werden, wie es die Quenya-Endung kann. Aber sollte je der Tag kommen, an dem Columbus lendë Americanna übersetzt werden kann mit “Kolumbus ging amerikawärts”, und man das für akzeptables Deutsch hält, dann hat unsere Sprache einen echten, lebenden Allativ gewonnen. Im Gegensatz zu Americawards, das im Englischen wirklich unmöglich zu sein scheint, klingt das deutsche Beispiel gar nicht SO schlimm. Dennoch: auch wir können „-wärts“ nicht beliebig quasi als echten Allativ einsetzen. „Wir gehen schiffwärts“ z. B. klingt ziemlich verdreht.

ANMERKUNG: Neben -nna gibt es auch Spuren einer älteren Allativ-Endung in Quenya. Im Urelbischen hatte sie die form da, später reduziert zu -d (WJ:366). In Quenya wurde dieses d zu -z und später zu -r, und wir sind ihm schon in dem Wort mir „in...hinein“ begegnet (das steht wörtlich für mi-r „in...hinein“, vgl. mi „in“!) Da die Endung in Konflikt geriet mit der Pluralendung -r, wie in Eldar, überlebte sie nur in einer Handvoll Wörter, die eine Bewegung auf einen Punkt zu anzeigen. Zu den attestierten Beispielen gehören tar „dorthin“, oar „weg“, yar „zum“ und mir „(in) hinein“. Tatsächlich kann also „(in) hinein“ minna lauten, mit der normalen, „modernen“ Allativendung -nna. Ähnlich kann „dorthin“ ebenso gut tanna lauten wie tar.

Im Plural wird die Endung -nnar, also lassennar „zu Blättern“ und ciryannar „zu Schiffen“ (z. B. lelyuvan i ciryannar "Ich werde zu den Schiffen gehen"). Das finale -r, das hier auftaucht, scheint dasselbe Pluralelement zu sein, mit dem wir aus den Nominativformen vertraut sind, wie Eldar, ciryar.

Da Quenya „zu“, „nach“ mit einer Fallendung ausdrückt, ergibt sich natürlich die Frage, ob es nicht auch eine Endung für „von“ gibt („von“ im Sinn von „von...her“). Es gibt sie.

Wie wir in Lektion 11 herausarbeiteten, kann die Genitivendung -o gelegentlich diese Bedeutung annehmen, wie in einem Wort im Namárië: Oiolossëo = "vom Oiolosse" (Berg Immerweiß). Doch die Vorstellung von „von“ wird in der Regel viel mehr durch den Ablativ ausgedrückt, der durch die Endung -llo angezeigt wird. Nach Plotz können wir Formen bilden wie lassello „von einem Blatt“ und ciryallo „von einem Schiff“ (natürlich wieder betont auf der vorletzten Silbe). So können wir Sätze bilden wie tulin i ciryallo "Ich komme vom [von dem] Schiff". Für ein Tolkien-gemachtes Beispiel vgl. die Wendung métima hrestallo "von der letzten Küste" im Markirya Poem. Beides, Ablativ und Allativ, sind verdeutlicht in der Wendung telmello talmanna "von Kapuze [telmë] zu Sohle [talma]", das heißt "von oben bis unten". (Unter dem Eintrag TEL der Etymologies, wie sie in LR wiedergegeben sind, ist dieser Ausdruck exakt zitiert als "telmello telmanna", aber das ist eindeutig ein Tippfehler, denn wie aus dem Eintrag TAL hervorgeht, ist das Wort für "Sohle, Basis, Fuss, Wurzel " nicht telma, sondern talma.)

Was die Pluralform Ablativ angeht, so gibt es hier offensichtlich mehrere Optionen. Ebenso wie das Suffix -nna für den Allativ im Plural zu -nnar wird, könnte die Endung -llo ein Pluraläquivalent -llor aufweisen: Im Markirya Poem verwendete Tolkien elenillor als Plural-Ablativ von elen „Stern“, folglich „von Sternen“. Als Tolkien eine Quenya-Übersetzung des Sub Tuum Praesidium machte, gab er „von allen Gefahren“ wieder mit ilya raxellor (VT44:5); das Hauptwort “Gefahr” wäre dann raxë. (Übrigens hätten wir statt dessen möglicherweise ilyë raxellor erwartet; vgl. ilyë tier für "alle Pfade" im Namárië.)

Doch nach dem Plotz Letter hat der Ablativ Plural stattdessen die Endung -llon. Hier haben wir denselben Pluralmarker -n wie bei der Endung -on für den Genitiv Plural (die reine Genitivendung -o + Pluralzeichen -n, WJ:407). Eine von Tolkiens früheren Tafeln der Quenya-Fallendungen listet sowohl -llor als auch -llon auf als mögliche Endungen des Ablativ Plural. Somit könnte „Ich komme von den Schiffen“ augenscheinlich sowohl tulin i ciryallor als auch tulin i ciryallon heißen. Ich selbst bevorzuge generell -llon, die Plotz-Variante, da der Plotz Letter unsere beste späte Quelle ist hinsichtlich des Fall-Systems von Quenya - aber -llor muss als eine gültige Alternative betrachtet werden.

Dualer Allativ / Ablativ: Die dualen Formen der Allativ- und Ablativ-Endungen enthalten das schon vertraute duale Element -t, das einen der Konsonanten der Nachsilben -nna und -nno ersetzt und daraus nta und -lto macht. So entspricht der Nominativ ciryat „zwei Schiffe, Schiffspaar“ einem Allativ ciryanta (zu einem Schiffspaar“ und einem Ablativ ciryalto „von einem Schiffspaar“. Das sind die Beispiele, die Tolkien im Plotz Letter verwendete, aber wieder ist es unsicher, ob dieselben Endungen an ein Hauptwort angehängt werden können, das seinen dualen Nominativ auf -u bildet statt auf -t. Wenn wir nach wie vor Aldu als unser Standardbeispiel heranziehen, sollte „zu den Zwei Bäumen“ Aldunta lauten oder einfach Aldunna? Ähnlicher Fall, sollte „von den Zwei Bäumen“ Aldulto sein oder einfach Aldullo? Ich neige zu Aldunna, Aldullo als den wahrscheinlicheren Formen, aber aufgrund fehlender Beispiele können wir nicht sicher sein. (Für eine vollständigere Behandlung siehe Appendix zu diesem Kurs.)

Ergänzende Schattierungen in der Bedeutung von Allativ und Ablativ:

Während die primäre Bedeutung dieser Fälle „zu (nach)“ und „von (her)“ ist, können sie ebenso gut andere Bedeutungsschattierungen annehmen:
Die Vorstellung einer echten physischen Bewegung auf etwas zu oder von etwas weg ist nicht immer präsent. Beachten Sie den Gebrauch des Ablativ in einer Wendung, gefunden in J.R.R. Tolkien - Artist and Illustrator: Itarildë Ondolindello, „Itarilde von Ondolinde“, oder in den bekannteren Sindarinformen: Idril von Gondolin. Im Deutschen gibt man das am besten wieder mit „Idril von
Gondolin“ oder „Idril aus Gondolin“, was Idril als eine Person kennzeichnet, die in Gondolin lebt. Die Formulierung in Quenya bedeutet nicht notwendigerweise, dass Idril Gondolin tatsächlich verlassen hat. Möglicherweise kann der Ablativ also auch auf eine Weise benutzt werden, die nicht Bewegung in sich trägt. Es sei angemerkt, dass Tolkien hinsichtlich des Quenya-Verbs ruc- „Furcht oder Schrecken empfinden“ schrieb, es werde "constructed with 'from' of the object feared" (gebildet mit ‚von’ dem gefürchteten Objekt, WJ:415). Er lieferte keine weiteren Informationen oder Beispiele, aber „von“ wird in Quenya normalerweise ausgedrückt mit dem Ablativ. Wenn wir das für Monster gegebene Wort ulundo verwenden, würde vielleicht „ich fürchte das Monster“ übersetzt werden mit etwas wie rucin i ulundollo.

Was den Allativ betrifft, so bedeutet er nicht immer „zu (nach)“, sondern kann auch stehen für „auf, über“: Die Bedeutungen sind insofern miteinander verwandt, als ein Objekt, das „auf“ etwas ruht, auch auf (in Richtung auf) dieses drückt, ohne dass tatsächlich Bewegung stattfindet. Dieser Gebrauch des Allativ taucht typischerweise auf in Verbindung mit dem Verb caita- "liegen", wie in dem Satz aus der Prosaform des Namárië: Mornië caita i falmalinnar, „Dunkelheit liegt auf den schäumenden Wogen“ (falma „schäumende Woge“, hier nicht nur mit der Endung -nnar des Allativ Plural, sondern auch mit dem Marker des partitiven Plurals -li, in diesem Kontext möglicherweise eine große Zahl von Wogen andeutend: In seiner Übersetzung zwischen den Zeilen in RGEO:67 analysierte Tolkien falma-li-nnar als "foaming waves-many-upon", schäumende Wellen- viele-auf). Weitere Beispiele von Allativen in der Bedeutung "auf, über" sind im Markirya poem zu finden; wir finden atalantië mindoninnar (oder mindonnar) "über gefallenen Türmen" und axor ilcalannar "auf schimmernden Knochen".

Während Allativ und Ablativ nicht immer physische Bewegung vorausetzen, sollte der Student aber auch beachten, dass die grundsätzliche Bedeutung von „zu (nach)“ und „von (her)“ auch verstärkt werden können. Statt einfach nur Bewegung „auf“ etwas zu anzuzeigen, kann der Allativ auch Bewegung „in“ etwas hinein bedeuten: Attestierte Beispiele sind ëari lantier cilyanna "Meere fallen in einen Abgrund " (LR:56) und mannar Valion "in die Hände der Vali [Valar]" (Fíriel's Song). Der Ablativ kann ähnlich Bewegung „aus“ etwas heraus bedeuten statt nur „von“: Das Wort sindanóriello, im Namárië auftauchend, übersetzte Tolkien "out of a grey country" („aus einem grauen Land heraus“, obwohl er es in der Analyse zwischen den Zeilen in RGEO:67 zu sinda-nórie-llo, "grey-country-from" „graues-Land-von“ abschwächte). Diese zusätzlichen Anwendungen von Allativ und Ablativ können zu einigen Zweideutigkeiten führen: Muss lenden i coanna interpretiert werden als "ich ging zum Haus" oder "Ich ging in das Haus"? Wo Verwirrung entstehen kann, ist es wahrscheinlich am besten, das unabhängige Wort mir (oder minna) zu verwenden, wenn „in“ die gewünschte Bedeutung darstellt: Lenden mir/minna i coa. Was „aus“ angeht als Gegensatz zu einfach nur „von“, so zeigt Elendil´s Declaration, dass das Wort et „aus“ vor einem Ablativ platziert werden kann, um die Bedeutung klarzustellen: Et Eärello...utúlien, "aus dem Großen Meer bin ich gekommen." Einige würden et „aus“ sogar als Präposition analysieren, die den Ablativ bestimmt (wie ú „ohne“ den Genitiv bestimmt). 

Anfügen von Allativ- und Ablativendungen an Hauptwörter, die auf einen Konsonanten enden:

Suffixe wie -nna und -llo und ihre dualen und Pluralvarianten können nie direkt an ein auf einen Konsonanten endendes Hauptwort angehängt werden, ohne einen unmöglichen Konsonantencluster hervorzubringen. Der Allativ von "zu Elendil" kann nicht  **Elendilnna heißen, denn die Lautlehre von Quenya erlaubt die Gruppe "lnn" nicht. Wie aus der tatsächlichen Form Elendilenna, die in PM:401 auftaucht, deutlich wird, kann sich die Sprache bei diesem Problem helfen mit dem Einfügen eines verbindenden Vokals e vor der Fallendung. Die Ablativ- und Allativformen, die in Elendils Proklamation in HdR auftauchen, mögen ähnliche Beispiele sein: et Eärello "aus dem Großen Meer" (Eär: Quenya-Name für den Ozean), Endorenna "nach Mittelerde" (Endor: Quenya für "Mittland" = "Mittelerde"). Das Wort Eär wird jedoch auch in der Form Earë zitiert (SD:305), und Endor ist verkürzt aus einer älteren Form Endórë, deshalb können wir nicht absolut sicher sein, dass die  vor den Fallendungen auftauchenden  e’s in den Formen Eärello, Endorenna nicht einfach Teil von einwandfreien Hauptwörtern sind. Andererseits enthält das Beispiel Elendilenna fast sicher einen verbindenden Vokal e, denn es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Name Elendil jemals auf endete. Somit ist die Hauptstrategie zum Vermeiden unerwarteter Konsonantenhäufungen vor Fallendungen wahrscheinlich, ein -e vor der Endung einzufügen.

Es sei dennoch angemerkt, dass in dem Fall, dass ein Hauptwortes im Plural einen verbindenden Vokal braucht, -i- vor -e- bevorzugt wird. Wir haben schon das Markirya-Poem erwähnt, in dem Tolkien elenillor als Ablativ Plural von elen „Stern“ verwendet. Im Endeffekt wurde die Endung .llor des Ablativ Plural einfach an den Nominativ Plural eleni angehängt. Eine Version des Markirya-Poems enthielt auch mindoninnar als Ablativ Plural für „über Türmen“ (bevor Tolkien sich entschied, stattdessen zu einer zusammengezogenen Form überzugehen; siehe unten). Hier wurde die Endung des Allativ Plural angehängt an den Nominativ Plural mindoni „Türme“.

ANMERKUNG: Beachten Sie jedoch, dass Hauptwörter auf mit einem Nominativ Plural auf -i (z. B. lassë „Blatt“, Pl. lassi) ihr finales -ë nicht zu -i abändern, bevor -nnar oder -llon/-llor angehängt werden: Plotz deutet an, dass die Formen des Allativ und Ablativ Plural von lassë lassennar und lassellon sind, nicht **lassinnar, **lassillon. Vgl. auch raxellor, nicht **raxillor, als Ablativ Plural von raxë "Gefahr“ (VT44:5). Die Endungen des Allativ / Ablativ Plural werden einfach an die ungebeugten Hauptwörter auf angehängt. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Allativ und Ablativ vom Genitiv: Ein Hauptwort, das seinen Nominativ Plural auf -i bildet, erhält diese Endung immer, bevor die Endung des Genitiv Plural --on angehängt wird - der Genitiv Plural von lassë ist lassion und nicht **lassëon.

Wenn man keinen verbindenden Vokal einfügt, ist ein anderer Weg, einen unerwünschten Konsonantencluster loszuwerden, bei dem entsprechenden Hauptwort einfach den finalen Konsonanten wegzulassen. Speziell wenn der finale Konsonant des Hauptwortes identisch ist mit dem ersten Konsonanten der Fallendung, können diese beiden Konsonanten einfach verschmelzen. Wie oben angedeutet verwendete Tolkien zuerst mindoninnar als Allativ Plural von mindon „Turm“. Aber dann entschied er sich dazu, den verbindenden Vokal vor -nnar wegzulassen und führte statt dessen eine zusammengezogene Form ein: Mindonnar, was einfach steht für minon-nnar. Wie wir sehen, verschmilzt das finale -n von mindon mit dem ersten n der Endung -nnar. Ein bekannteres Beispiel ist Elenna (für Elen-nna) als ein Name Númenors: Nachdem sie dem Stern von Eärendil über den Ozean in ihr neues Land gefolgt waren, nannten es die Edain „Elenna, das Sternwärts liegt“ (Akallabêth; vgl. UT:317: Elenna·nórë = "das Land, stern(en)wärts genannt“) . Auf ähnliche Weise könnte vielleicht - oder sollte sogar - der Ablativ von Menel „Himmel“ Menello (für Menel-llo) sein anstelle von Menelello.

ANMERKUNG: Wir fragen uns vielleicht, wie bestimmte Hauptwörter mit speziellen Stammformen behandelt würden. Im Fall von talan, talam- „Fußboden“ würde der Allativ „auf einen Boden“ oder „auf einen Boden“ vielleicht ausgedrückt als talamenna mit einem eingefügten verbindenden Vokal (der Ablativ sollte fast sicher talamello sein), aber vielleicht können wir auch ausgehen von talan und talanna (für talan-nna) verwenden als Allativ? Und was ist mit einem Hauptwort wie toron, torn- „Bruder“? Sollte „zu einem Bruder“ tornenna heißen mit einem verbindenden Vokal e, eingefügt zwischen der Stammform und der Fallendung, oder können wir einfach toronna sagen für toron-nna? Im gegenwärtigen Stadium können wir nicht wissen, was Tolkien als korrektes Quenya akzeptiert hätte. Ich würde keine dieser Alternativen als falsch verwerfen.

Es scheint, dass das finale -n der vier Himmelsrichtungen Formen, Hyarmen, Rómen, Númen „Nord, Süd, Ost, West“ so ziemlich der Regel folgend wegfällt vor den Fallendungen für Allativ, Ablativ und Lokativ (der Lokativ wird in der nächsten Lektion behandelt werden). Ein Hafen im Osten Númenors wurde Rómenna genannt, wörtlich „Ostwärts“ (siehe Eintrag im Index der UT, und vgl. LR:47) - eindeutig weil die Schiffe von  ihm aus ostwärts segelten. Natürlich ist Rómen-nna > Rómenna als solches einfach ein weiteres Beispiel für einen finalen Konsonanten eines Hauptwortes, der mit dem ersten Konsonanten der Fallendung verschmilzt, weil sie identisch sind. Das Namárië enthält Rómello „vom Osten“ als Ablativ von Rómen „Osten“, und hier gibt es keinen Zweifel, dass das finale -n weggelassen wurde, um die unmögliche Form **Rómenllo zu vermeiden. Es könnte sein, dass Rómenello mit einem eingefügten verbindenden Vokal eine gültige Form darstellt, aber wie oben dargestellt scheinen zusammengezogenen Formen die normalen zu sein, wenn die Wörter für die vier Himmelsrichtungen für den Allativ oder Ablativ gebeugt werden.