Lektion 13

Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach

Vorwort.htm Quenya Einführung Lektion 1 Lektion 2 Lektion 3 Lektion 4 Lektion 5 Lektion 6 Lektion 7 Lektion 9 Lektion 8 Lektion10 Lektion 11 Lektion12 Lektion 13 Lektion 14 Lektion 15 Lektion 16 Lektion 17 Lektion 18 Lektion19 Downloads Quenya-Deutsch Deutsch-Quenya Lösungen Quellen Über mich

Lektion 13

 Der Dativ 
Das Gerundium
Die Pronomenendungen -lmë, -lvë und -mmë
Ein unbestimmtes Pronomen 

Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

Der Dativ

Weiter vorne, in Lektion 5, haben wir das Konzept grammatikalischer Objekte eingeführt, das „Ziel“ der Handlung, die das Subjekt ausführt: I Elda máta massa = „der Elb isst Brot“, i Nauco hirnë harma = „Der Zwerg fand einen Schatz“.

Bis jetzt waren in diesem Kurs alle Objekte, mit denen wir uns befasst haben, präziser ausgedrückt direkte Objekte. Das sind Objekte, die direkt von der Handlung berührt sind. Im archaischen Quenya hatten solche Objekte ihren eigenen Fall, den Akkusativ - aber dieser Fall hatte im Quenya des Dritten Zeitalters nicht mehr länger eine eigene, andersartige Form. Aber es gibt auch indirekte Objekte, denen die Quenya-Grammatik ebenfalls spezielle Formen zuweist. Der Fall, der indirekte Objekte anzeigt, der Dativ, war auch im Quenya des Dritten Zeitalters lebendig. Aber bevor wir behandeln, wie Dativformen gebildet werden, lassen Sie uns einen genaueren Blick auf indirekte Objekte werfen.

Ein indirektes Objekt ist, vollkommen logisch, ein Objekt, das von der Handlung indirekt betroffen ist. So ist das indirekte Objekt oft der Nutznießer der Handlung (obwohl er ebenso gut einen Part bezeichnen kann, der von dieser Handlung nachteilig berührt ist). Das archetypische Beispiel betrifft das Verb „geben“, das logischerweise drei Parteien erfordert: Das Subjekt, das das Geben ausführt, das direkte Objekt, welches die Sache darstellt, die gegeben wird, plus das indirekte Objekt, das der Empfänger des Geschenks und somit der Nutznießer der Handlung ist:

Der Mann [Subjekt] gab dem Jungen [indirektes Objekt] ein Buch [direktes Objekt].

Modernes Englisch hat (im Gegensatz zum Beispiel zum Deutschen) keinen eigenen, zu unterscheidenden Dativ, so dass im Englischen im obigen Beispiel dem Hauptwort „dem Jungen“ = „the boy“ keine eigenen Elemente zum Anzeigen der Beugung verliehen werden. Im Englischen können indirekte Objekte einfach durch die Anordnung der Wörter angezeigt werden; das indirekte Objekt wird dann im Satz vor das Objekt gestellt, so wie in dem Beispiel oben „dem Jungen“ vor „ein Buch“ erscheint. Doch wie im Englischen oft die Formulierung „of“ anstelle eines Genitiv verwendet wird, wird auch die Abwesenheit eines eigenen Dativs häufig durch die Umschreibung mit Präpositionen kompensiert: Die beiden Präpositionen, die dafür am häufigsten verwendet werden, sind „to“ und „for“. Statt zu sagen „der Mann gab dem Jungen ein Buch“ (wo die Wortreihenfolge allein den Jungen als indirektes Objekt identifiziert), könnte man im Englischen sagen „the man gave a book to the boy“. Beispiele mit „for“ könnten sein „we did it for the children”, oder “the men work for the queen”. Im Deutschen ist der Dativ ein eigener Fall (auch wenn er vor allem im Plural manchmal genauso aussieht wie der Nominativ: „die Frauen“, „den Frauen“, nur der Artikel ist gebeugt) und wir benötigen normalerweise keine Umschreibungen, wenn wir von der üblichen Wortreihenfolge abweichen. Bei den beiden letztgenannten englischen Beispielen mit „for“ jedoch würden wir auch im Deutschen die Präposition „für“ verwenden: „wir taten es für die Kinder“, „die Männer arbeiten für die Königin“.

In Quenya würden in diesen Beispielen „dem Jungen“, „für die Kinder“, „für die Königin“ als indirekte Objekte betrachtet - die Parteien, die indirekt von der Handlung betroffen sind - und die dazugehörenden Hauptwörter würden die Dativform annehmen. Hier gäbe es keine Notwendigkeit, eine spezielle Wortreihenfolge einzuhalten, oder Präpositionen wie „für“ zu verwenden. Vgl. die Frage, die in der Mitte des Namárië auftaucht, und wo das Pronomen ni „ich“ (verwandt mit der Pronomenendung -n oder -nyë mit ähnlicher Bedeutung) im Dativ erscheint:

Sí man i yulma nin enquantuva? “Wer wird mir nun meinen Becher füllen?” oder „Wer wird nun den Becher für mich füllen?“

Das Element „für“ aus der zweiten Variante ist in Quenya kein eigenes Wort; es ist einfach das finale -n von nin - jenes -n ist die Dativendung in Quenya. Folglich heißt es nin = "ich-für", oder in korrektem Deutsch: „mir, für mich“. Mit dem Verb „geben“ = anta- wäre das Quenya-Äquivalent von „du wirst mir ein Buch geben“ aller Wahrscheinlichkeit nach etwas wie antuvalyë nin parma. Das Dativpronomen nin taucht in der letzten Zeile von Fíriel's Song auf, als Teil eines Satzes, den Tolkien übersetzte mit „what will the Father ... give me ...?“ („Was wird der Vater mir geben?“, LR:2).

Der Plotz Letter bestätigt, dass die Endung -n für den Dativ nicht nur an Pronomen angehängt werden kann; sie kann auch an gebräuchliche Hauptwörter angehängt werden. (Plotz listet ciryan als Dativ von cirya „Schiff“ auf und weist hin auf lassen als Dativ von lassë „Blatt“.)  So können wir Sätze bilden wie carnelyes i Naucon "du tatest es für den Zwerg" oder i nér antuva i parma Eldan "der Mann wird das Buch einem Elben geben". Im Deutschen wird auch der bestimmte Artikel gebeugt, wie in dem Beispiel „für den Zwerg“. Im Englischen muss „einem Elben“ mit „to an Elf“ übersetzt werden oder aber die Wortreihenfolge geändert werden („an Elf the book“). In Quenya (und das gilt auch für Deutsch) kann die Wortreihenfolge viel freier gestaltet werden (der Hauptvorteil einer stark gebeugten Sprache!), da die Fallendung anzeigt, dass das fragliche Hauptwort ein indirektes Objekt ist, unabhängig davon, wo im Satz es auftaucht. Das ermöglicht dem Sprecher, das indirekte Objekt an andere Stellen zu bringen, um subtile Nuancen der Betonung auszudrücken. Beispiel: Wir könnten wahrscheinlich das indirekte Objekt an den Satzanfang stellen, um besonderes Augenmerk darauf zu lenken: Eldan i nér antuva i parma, „einem Elben wird der Mann das Buch geben“, mit einer Bedeutung wie „es ist ein Elb [kein Zwerg etc.], dem der Mann ein Buch geben wird“. Ob das direkte oder das indirekte Objekt zuerst kommt, mag nicht besonders von Belang sein; während i nér antuva i parma Eldan bedeutet: "Der Mann wird das Buch einem Elben geben", kann man i nér antuva Eldan i parma übersetzen mit „der Mann wird einem Elben das Buch geben“.

Im Plural enden Dativformen auf -in. Für Hauptwörter mit einem Nominativ auf -i bedeutet das, dass sie einfach die Dativendung -n anhängen. Der Plotz Letter verweist auf lassin als Dativform von lassi „Blätter“. Der Dativ Plural eines Wortes wie laman (lamn-) „Tier“ wäre folglich lamnin = „den Tieren“, „für Tiere“. Die Endung -in wird aber auch an Hauptwörter angehängt, die im Nominativ Plural auf -r enden würden; der Pluralmarker -r erscheint in der Dativform nicht. Aus der ersten Zeile von Fíriel's Song (übersetzt mit „the Father made the World for Elves“, „der Vater schuf die Welt für Elben“) wissen wir, wie der Dativ Plural von Elda aussieht: Eldain. Es sollte beachtet werden, dass die Endung -in mit dem letzten Vokal des Hauptwortes zu einem Diphthong verschmilzt, wie in diesem Fall -ai. Fíriel's Song versorgt uns auch mit dem Dativ Plural von “Sterbliche”: Fírimoin (Nominativ Plural Fírimor, LR:245; Tolkien bevorzugte später die Form Fírimar, wie in dem veröffentlichten Silmarillion, Kapitel 12. Der Dativ Plural würde dann natürlich zu Fírimain.)

In der vorangegangenen Lektion stellte ich heraus, dass es nicht ganz klar sei, was mit der Endung -iva (Possessiv Plural) passiert, wenn sie an ein Hauptwort angehängt wird, das bereits auf -i endet, wie tári „Königin“, oder an ein Hauptwort mit einem Stamm auf -i, wie lómë (lómi-) “Nacht' (SD:415). Dasselbe Problem taucht bei Dativformen im Plural auf. Der Dativ Singular (=Einzahl) „einer Königin“ wäre wahrscheinlich tárin, aber wenn wir versuchen, einen Dativ Plural durch Anhängen von -in an tári zu bilden,  bleibt uns wahrscheinlich wieder tárin als Wort für „(für) Königinnen“ (wobei das finale -i des Hauptwortes und das initiale -i der Endung einfach verschmelzen). Es ist denkbar, dass die zwei Vokale zu einem langen í verschmelzen, was zu tárín führt als Wort für „(für) Königinnen), aber das scheint eine etwas unwahrscheinliche Wortbildung zu sein: Quenya hat kaum je einen langen Vokal in einer letzten unbetonten Silbe (obwohl es da das Wort palantír gibt). Es kann gut sein, dass tárin sowohl für die Einzahl wie auch für die Mehrzahl herhalten muss, so dass wir uns auf den Kontext verlassen müssen, um herauszufinden, welcher Numerus gemeint ist.

Die duale Dativendung ist im Plotz Letter mit -nt gegeben, der duale Dativ von of cirya "Schiff" ist aufgelistet als ciryant - was so etwas bedeuten würde wie „für ein Schiffspaar, einem Schiffspaar“. Natürlich verbindet diese Endung -nt einfach die Dativendung -n mit der dualen Endung -t. Schon in Lektion 1 erwähnte ich kurz, dass dieses -nt das einzige Beispiel eines finalen Konsonantenclusters zu sein scheint, das im Quenya im Stil des HdR erlaubt ist. Es kann sein, dass nur Hauotwörter mit dualen Nominativen auf -t Dativformen auf -nt bilden; im Fall der Hauptwörter mit dualen Formen auf -u kann es gut sein, dass die einfachste Dativendung -n verwendet wird. Wenn wir wieder einmal Aldu „Zwei Bäume“ als unser Beispiel heranziehen, sollte die Dativform vielleicht nicht Aldunt sein, sondern eher Aldun (oder möglicherweise Alduen; siehe unten, Ar-Veruen betreffend). Uns fehlen in jedem Fall Beispiele.

In einigen Fällen kann ein Satz ein indirektes Objekt (in Quenya ein Dativobjekt) enthalten, obwohl der Satz kein direktes Objekt enthält. In dem Quenya-Äquivalent von „die Männer arbeiten für den König“ würde die Präposition „für“ repräsentiert durch die Fallendung -n, angehängt an aran (und wahrscheinlich würde aranen daraus, mit einem Hilfsvokal -e-, der vor der Endung eingefügt wird): Es gibt wengistens ein attestiertes Beispiel eines Satzes, der ein Dativobjekt hat, aber kein direktes Objekt: Tolkien benutzte in seiner Quenyaversion des Vaterunser eine Dativform für das Pronomen „wir, uns“ bei der Wiedergabe der Wendung „... unsern Schuldigern“ (engl: „...those who trespass against us“, „jene, die gegen uns sündigen“, diese Formulierung macht die folgende Diskussion verständlicher). (Das ist, nur nebenbei, ein Beispiel für einen Dativ, der zur Identifizierung eines Parts verwendet wird, der von der Handlung widrig berührt wird: Der Kontext muss entscheiden, ob die Dativwendung übersetzt werden sollte mit „gegen uns“ oder „für uns“. Grammatikalisch gesprochen wären beide Interpretationen gleichermaßen gültig, aber „jene, die für uns sündigen“ würde in diesem speziellen Kontext keinen Sinn machen.) Das Verb „trespass“ oder sündigen kann kein direktes Objekt haben, aber offensichtlich kann ein Part indirekt von dem Sündigen betroffen sein, somit kann es hier ein indirektes Objekt geben - in Quenya passend ausgedrückt als Dativobjekt.

Dativformen können auch in Sätzen auftauchen, die kein Subjekt haben, ein grammatikalisches Phänomen, das im modernen Englisch und im Deutschen praktisch nicht gehört wird. Doch könnte man solche Sätze vergleichen mit Wendungen wie „es scheint mir, dass...“, und die Bedeutung ist ziemlich intakt. Solche Formulierungen sind vergleichbar mit Quenya-Formulierungen wie orë nin caritas, wörtlich „[es] drängt mich, es zu tun“, das etwas ausdrückt, das wir im Deutschen formulieren würden mit „ich würde es gerne tun“ (VT41:13). Beachten Sie, dass der Satz orë nin caritas kein Subjekt hat, aber sehr wohl ein Dativ-Objekt: nin „mir“ (auch wenn wir es übersetzen mit „mich“ = Akkusativ). Or- oder ora- „drängen“ ist eines der unpersönlich Verben in Quenya, die zu solchen Formulierungen einladen; wir werden zu diesen Verben in einer späteren Lektion zurückkehren.

Dativformen können sogar in Wendungen auftauchen, in denen überhaupt kein Verb vorkommt. Tolkiens (unvollständige) Übersetzung des Gloria Patri lautet in einem Teil: Alcar i ataren ar i yondon ar i airefëan = „Ehre (sei) dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist“ (VT43:36). Beachten Sie die Dativendung -n, angehängt an atar „Vater“, yondo „Sohn“ und airefëa “Heiliger Geist”. (in der Form ataren wurde ein verbindender Vokal -e- vor der Endung -n eingefügt, da **atarn kein in Quenya mögliches Wort darstellt.)

Eine frühere Anwendung der Fallendung -n: In Tolkiens langer Evolution des Quenya war -n nicht immer die Dativendung. Aus der Perspektive der HdR-Szenerie war eines der wenigen Dinge, das im Hinblick auf die Etymologies (geschrieben Mitte der Dreißiger) an Quenya nicht in Ordnung war, dass dort stattdessen -n die Genitivendung darstellte. Der Eintrag LEP listet zum Beispiel die Namen von verschiedenen Valinorischen Wochentagen auf, einschließlich Ar Manwen = Tag Manwes, oder Ar Ulmon = Tag Ulmos (vgl. das Hauptwort arë „Tag“ - aber später änderte Tolkien das Wort für „Tag“ in aurë oder , wie in den Anhängen zum HdR aufgezeigt).

Dieser Gebrauch der Endung -n lässt sich auch in einer Formulierung finden, die in den Mittvierzigern geschrieben und in SD:303 wiedergegeben ist: Quenta Eldalien „Geschichte der Elben [Eldalië, Elbenvolk]. In Entwürfen zu dem Gedicht, das einmal das Namárië werden sollte, benutzte Tolkien Vardan als Genitiv „Vardas“ (siehe z. B. die frühe Version, wiedergegeben in TI:284-285). In einem der späteren Manuskripte schrieb Tolkien immer noch Vardan, aber dann strich er es aus und ersetzte es durch Vardo. Hier  scheint genau der Augenblick festgehalten zu sein, an dem Tolkien die Genitivendung von -n zu -o abänderte. Tatsächlich taucht die Genitivendung -o auch in früheren Quellen auf; ein „Qenya“-Gedicht aus den frühen Dreißigern enthält bereits ciryo (geschrieben kiryo) als Genitiv von cirya „Schiff“ (langon veakiryo „die Kehle des See-Schiffs“, MC:216). Was den Dativ angeht, so verwendet das „Qenya“ der vor dem HdR datierten Komposition Fíriel's Song dafür bereits -n (pl. -in), wie aus einigen oben zitierten Beispielen ersichtlich ist. Später wurde aus -n wieder für eine Zeitlang die Genitivendung, wie die Skizzen zum Namárië andeuten. Es scheint also, dass Tolkien seine Meinung über Jahrzehnte hin und zurück änderte - aber die letztendliche Lösung, wie sie sich im HdR spiegelt und im Plotz Letter kodifiziert ist, war -o als Endung für den Genitiv, während -n die Dativendung war.

Einige der überholten Genitive aus den Etymologies sind als Formen nach wie vor interessant. Unter dem Eintrag AY heißt es, das Hauptwort ailin „See, Teich“ habe den „g.sg.“ (Genitiv Singular) ailinen. Aufgrund Tolkiens späterer Revisionen müsste die Form ailinen im HdR-Stil als Dativ Singular verstanden werden - und „einem See“ bedeuten anstelle von „eines Sees“: Das Beispiel ailinen ist insofern interessant, als es uns zeigt, was passiert, wenn die Fallendung -n (unabhängig davon, welchem Fall sie nun zugeordnet ist!) an ein Hauptwort angehängt wird, das auf einen Konsonanten endet, wie ailin. Da **ailinn keine in Quenya mögliche Wortform darstellt, wird ein e vor der Endung eingefügt und ailinen daraus gemacht. Obwohl die Endung -n in ihrer Bedeutung abgeändert wurde, bleibt das Prinzip, einen Hilfsvokal einzufügen, wo immer er erforderlich ist, immer noch gültig. [Update, Ende 2002: Diese Annahme wurde nun durch ataren als Genitiv von atar „Vater“ bestätigt, VT43:36. Das ist eine echte Dativform aus Quenya nach dem HdR, somit verwendete Tolkien nach wie vor den selben verbindenden Vokal, auch nachdem er die Bedeutung der Fallendung -n abgeändert hatte.]

Wenn das Hauptwort eine spezielle Stammform hat, bei der sich der finale Konsonant in einen anderen Konsonanten oder einen Konsonantencluster verwandelt, wenn eine Endung angefügt wird, erfolgen diese Änderungen, bevor dieses zusätzliche -e eingefügt wird: Unter dem Eintrag LIN2 in den Etymologies lernen wir, dass Laurelin (Laurelind-), der Name des Goldenen Baumes von Valinor, den „g.sg.“ Laurelinden hat. Im HdR-Quenya wäre dies statt dessen der Dativ Singular, aber die Form als solche wäre nach wie vor gültig. Dasselbe gilt für lissen als Form von lis (liss-) „Honig“; siehe Eintrag LIS. Wir können dann unterstellen, dass ein Hauptwort wie nís (niss-) „Frau“ auf ähnliche Weise behandelt werden würde: Dativ nissen.

Eine der „Genitiv“-Formen der Etymologies könnte sogar etwas Licht werfen auf die Frage, wie die späteren Dativ-Formen von dualen Pluralen auf -u aussehen sollten. Ein Wochentag Valinors ist unter den Einträgen BES und LEP aufgelistet als Arveruen oder Ar-Veruen, der „Tag der Ehegatten“, er bezieht sich auf das Vala-Paar Aule und Yavanna. Hier finden wir veruen als Genitiv der dualen Form veru „Ehegatten, verheiratetes Paar“. Es sollte beachtet werden, dass der Hilfsvokal -e- hier ebenfalls eingesetzt wird (etwas überraschend: man könnte meinen, dass **verun eine akzeptable Form darstellt). Wenn dieser Genitiv veruen nach der Bedeutungsveränderung der Endung -n nach wie vor Gültigkeit hat und veruen im Quenya im Stil des HdR eine Dativform darstellt, würde das anzeigen, dass Hauptwörter mit einem dualen Nominativ auf -u die Dativform mit -uen bilden. Der Dativ von Aldu „Zwei Bäume“ wäre dann weder Aldunt noch Aldun, sondern vielmehr Alduen. Aber ich brauche wohl kaum zu sagen, dass wir uns hier auf unsicherem Terrain bewegen, und ich werde keinerlei Übungen erstellen, die auf solchen Hypothesen beruhen.