unbestimmtes Pronomen

Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach

Das Gerundium Das Pronomen "wir" unbestimmtes Pronomen Übungen 13

Ein unbestimmtes Pronomen 

Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

Im Englischen werden „one“ und „you“, im Deutschen „man“ (seltener „du“, „einer“) oft mit ziemlich unbestimmtem, allgemeinem Bezug verwendet: „Man / du / einer fragt sich...“. Hier bezieht sich „du“ nicht auf den Angesprochenen, „einer“ ist nicht die Zahl 1 (Quenya minë). Um eine solche Bedeutung auszudrücken, verwendet Quenya das Pronomen quen (WJ:361) - im wesentlichen eine nicht gedehnte Variante des Hauptwortes quén, das einfach „Person“ bedeutet. Obwohl letztlich verwandt mit Quendë „Elb“, haben diese Wörter keinen speziellen Bezug zu Elben. Wie gewöhnlich fehlen uns attestierte Beispiele, aber wir müssen annehmen, dass quen für „einer“, „man“ oder „jemand“ steht, in Sätzen wie quen milyanë leryalë "man sehnt sich nach Befreiung" oder quen hantë i yulma "jemand zerbrach den Becher". Wahrscheinlich kann quen auch Fallendungen erhalten, z. B. Genitiv queno „jemandes“ oder Dativ quenen (was im Englischen oft mit „you“, im Deutschen eher mit „einem“ übersetzt wird: Matië yávë ná mára quenen, „Obst essen tut einem gut“).

Die meisten Quenya-Pronomen erscheinen für gewöhnlich als Endung, und es könnte sein, dass Tolkien in einer gewissen Phase sogar mit einer pronominalen Endung für das unbestimmte Fürwort „man“ liebäugelte. Es gibt einen frühen „Qenya“-Text, in dem diese Bedeutung mit einer Endung -o assoziiert scheint: Kildo kirya ninqe, übersetzt „a white ship one saw“, „man sah ein weißes Schiff“ (MC:220-221). Aber wenn man das in das Quenya nach HdR-Stil abwandelt, würde das wahrscheinlich mehr erfordern als nur eine Änderung der Schreibweise in cildo cirya ninquë: Während die beiden letzten Wörter sicher akzeptabel sind, scheint die Verbform kildo nicht zu Tolkiens späterem System zu passen, und der Status der Endung -o in der HdR-Phase ist mehr als höchst zweifelhaft. Wenn wir nach Quenya im HdR-Stil streben, ist es bestimmt viel sicherer, das unbestimmte Fürwort quen aus einer späteren Quelle nach HdR zu verwende

ANMERKUNG: ein weiteres unpersönliches Pronomen ist mo, wie in Tolkiens Satz alasaila ná lá carë tai mo navë mára, „it is unwise not to do what one judges good“ („es ist unklug, nicht zu tun, was man für gut hält“, VT42:34). Weniger klar ist, ob dieses mo Fallendungen erhalten kann (im Genitiv bliebe diese Form unverändert!). In den Übungen zu diesem Kurs habe ich durchgängig quen verwendet.