Der Genitiv

(Autor: Helge Fauskanger - Übs: Brigitte Raßbach)

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Der Genitiv

Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

Wir werden unsere Behandlung der Fälle in Quenya mit einigen Formen des Hauptwortes beginnen, die wirklich ein direktes englisches und deutsches Äquivalent haben (eine Art Äquivalent). Wo Quenya neun oder zehn Fälle des Hauptwortes kennt, hat das Englische nur zwei: Nominativ und Genitiv. Das Deutsche kennt vier: Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Den Nominativ haben wir schon besprochen: Im Englischen wie auch im Quenya des Exils erscheint ein Hauptwort im Nominativ, wenn es als  Subjekt oder Objekt eines Verbs ist. (Dass es im Deutschen einen eigenen Akkusativ gibt, haben wir bereits angesprochen.) In beiden Sprachen und auch im Deutschen kann der Nominativ Singular (Singular = Einzahl) als die einfachste Form des Hauptwortes betrachtet werden. Es gibt keine spezielle Endung oder andere gebeugte Elemente, um zu signalisieren: "Das ist die Form des Nominativs!"; vielmehr ist es gerade das Fehlen eines jeglichen derartigen Elementes, das uns mitteilt, um welchen Fall hier das Hauptwort steht.

All die anderen Fälle - oder im Englischen der eine andere Fall - verwenden jedoch spezielle Endungen. Der einzige Fall von Hauptwörtern im modernen Englisch, abgesehen vom Nominativ, ist der Genitiv. (Bitte beachten Sie die Aussprache; ich bin es leid, in gewissen Mailing-Listen "genetiv" zu sehen). In der Einzahl wird er im Deutschen bei männlichen und sächlichen Hauptwörtern gebildet durch Anfügen der Endung -es an das Hauptwort, z. B. Tisches von Tisch (m), Hauses (s) von Haus. Weibliche Hauptwörter haben im Deutschen keine eigene Endung, hier erkennt man den Genitiv am Artikel: der / einer Frau von die / eine Frau. Im Plural erkennt man im Deutschen den Genitiv nur am bestimmten Artikel: der Tische, der Häuser, der Frauen von die Tische, die Häuser, die Frauen. Im Englischen verschmilzt das ´s des Genitivs normalerweise mit der Pluralendung -s, aber seine theoretische Präsenz ist in der Schriftweise angedeutet mit Hilfe eines Apostrophs (girls' für **girls's... Gollum hätte die letztere Form geliebt).

Die grammatikalische Funktion dieses Falls sollte jedem reichlich vertraut sein, der in der Lage ist, diesen Text hier zu lesen; schon in Lektion 2 haben wir kurz die "besitzanzeigende Form" berührt. Wie in meinem Handbuch Oxford Advanced Learner´s Dictionary of Current English behauptet wird, wird der Genitiv benutzt, um "Quelle oder Besitz" anzuzeigen. In einer Kombination wie die Puppe des Mädchens wird der Genitiv benutzt, um zwei Hauptwörter so zu koordinieren, dass das letztere der Eigentümer oder Besitzer des ersteren ist. (Vom ersten Wort, mit dem die Genitivform verbunden ist, wie in unserem Beispiel "Puppe", sagt man manchmal auch, dass es vom Genitiv regiert wird ("governed by"). Im Gegensatz dazu könnte man von der Genitivform sagen, dass sie "dependent on", "abhängig ist" von diesem anderen Wort; das ist Tolkiens Formulierung in UT:317.) Der englische und deutsche Genitiv bedeutet nicht notwendigerweise immer auch "Eigentum" im engsten Sinn, sondern kann auch verwendet werden, um andere Arten von "Zugehörigkeit" zu beschreiben, wie familiäre Verwandtschaft - z. B. die Mutter des Mädchens. Was den Genitiv als angenommene Quelle angeht, können wir an Wendungen denken wie die Zeichnungen des Architekten (die Zeichnungen, die vom Architekt angefertigt wurden, die ihm nicht notwendigerweise gehören, die in ihm aber ihren Ursprung haben). Das Genitiv-Hauptwort muss noch nicht einmal ein fühlendes Wesen bezeichnen, z. B. Britanniens beste Künstler (die besten Künstler kommen aus Britannien oder leben dort). Das letzte Beispiel kann auch Genitiv der Lokation genannt werden; Britanniens beste Artisten sind die besten Artisten, die in Britannien lokalisiert sind.

Das Nomen (Hauptwort), von dem eine Genitivform abhängig ist, kann ebenso gut ein anderer Genitiv sein, der sich umgekehrt auf ein drittes Nomen bezieht - z. B. "das Haus der Schwester der Königin". Im Prinzip könnten wir eine unbegrenzte Zahl von Genitiven aneinanderreihen ("Die Hunde des Bruders der Tante des Vaters des Königs...."[etc. etc.]) - obwohl es für niemanden ein großer Schock sein sollte, dass jene, die auf Stil und Leserlichkeit achten, es normalerweise nicht so weit treiben würden.

Ein bisschen wie auch die Adjektive können Genitive sowohl attributiv als auch prädikativ benutzt werden. Alle Beispiele von oben sind Beispiele für attributive Genitive, direkt mit einem Nomen verbunden, von dem der Genitiv abhängig ist. In einem Satz wie Das Buch ist Peters würde ein Genitiv aber als Prädikat fungieren. Doch anstatt Genitive prädikativ zu verwenden, greift das Englische genau wie das Deutsche oft zu Umschreibungen (wie das Buch gehört Peter).

Das Englische verwendet ziemlich oft nicht den Genitiv, sondern eine Wendung mit einer Präposition - hauptsächlich of, wie the finest artists of Britain statt Britain´s finest Artists. Die entsprechende Variante mit von finden wir auch im Deutschen, anstelle von Britanniens größte Künstler oder die größten Künstler Britanniens kennen auch wir die Wendung die größten Künstler von Britannien. In bestimmten Zusammenhängen werden die "of"-Konstruktionen gegenüber den Genitivformen bevorzugt, z. B. the end of the road anstelle von the road´s end. Im Deutschen entspricht der Gebrauch der Präposition von anstelle des Genitivs eher der umgangssprachlichen Variante, während in der Schriftform nach wie vor der Genitiv verwendet wird: Das Ende von der Straße ist nicht wirklich "gutes" Deutsch, aber umgangssprachlich durchaus üblich. Als dritte, etwas altmodische Variante kennen wir im Deutschen noch der Straße Ende, eine poetische Variante, bei der die Wortreihenfolge mit der englischen übereinstimmt (siehe auch oben, Britanniens größte Künstler; in Verbindung mit Eigennamen ist der vorangestellte Genitiv aber keine altmodische oder poetische, sondern durchaus gebräuchliche Variante). Im Plural dagegen verwenden wir, wenn kein bestimmter Artikel das Nomen begleitet, von. Wir können sagen: die Häuser der Männer, aber es heißt die Häuser von Männern, wenn Männer von keinem bestimmten Artikel begleitet wird!

Wie ist das nun in Quenya? Die Funktionen englischer und deutscher Genitive, ebenso wie die englischen Konstruktionen mit "of" bzw. die deutschen mit "von", werden durch zwei Fälle der Quenya-Nomen abgedeckt; wir werden den zweiten relevanten Fall in der nächsten Lektion behandeln. Die Funktionen des Falls, den man normalerweise mit dem Quenya-Genitiv meint, sind etwas eingeschränkter als die Funktionen des englischen und deutschen Genitivs. Doch zuallererst lassen Sie uns behandeln, wie der Quenya-Infinitiv gebildet wird.

Die grundlegende Quenya-Endung für den Genitiv ist -o. Ausgehend von Hauptwörtern, die dem Studenten mittlerweile gut bekannt sein sollten, können wir nun Genitive entwickeln wie arano "Königs", tário "(einer) Königin" (wo sich im Deutschen der Genitiv des Nomens selbst nicht vom Nominativ unterscheidet, ergänze ich in Klammern den unbestimmten Artikel), vendëo "Mädchens". Wenn das Hauptwort bereits auf -o endet, wird die Genitivendung normalerweise "unsichtbar". In UT:8 finden wir ciryamo für "Seemanns". Das ist unser einziger Beleg für dieses Hauptwort, aber es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass sein Nominativ "Seemann" gleichfalls ciryamo ist (dieses Wort ist offensichtlich abgeleitet von cirya "Schiff", und die maskuline Personen-Endung -mo [WJ:400] ist an anderer Stelle wohl attestiert: somit cirya-mo = "Schiffs-Person"). Ein Name wie Ulmo könnte beides sein, Nominativ "Ulmo" und Genitiv "Ulmos"; der Kontext muss entscheiden, wie die Form zu verstehen ist. (Im Fall von Hauptwörtern auf -o jedoch, die spezielle Stammformen auf -u haben, wie curo, curu- "geschickter Plan, guter Einfall" sehen wir wahrscheinlich die Genitivform curuo.)

Hauptwörter, die auf -a enden, lassen diesen Vokal fallen, wenn die Genitiv-Endung -o angefügt wird: Da die Phonologie von Quenya die Kombination ao nicht erlaubt, wird sie zu o vereinfacht. Das Namárië zeigt, dass der Genitiv "Vardas" Vardo ist, nicht **Vardao. Daraus folgt dann, dass einige unterschiedliche Nomen im Genitiv übereinstimmen; zum Beispiel scheinen anta "Gesicht" und anto "Mund" beide die Genitivform anto zu haben. Der Kontext muss in die Entscheidung, welches Hauptwort gemeint ist, einbezogen werden.

Im Plural wird die Genitivendung erweitert zu -on (wie wir später sehen werden, taucht der Plural-Marker -n in verschiedenen Fall-Endungen von Quenya auf). Diese Endung -on wird an die einfachste Pluralform des Nomens (den Nominativ), auf -r oder -i, angehängt. Somit hat ein -r-Plural wie aldar "Bäume" den Genitiv Plural aldaron "von Bäumen" - während ein -i-Plural wie eleni "Sterne" die Genitivform elenion "von Sternen" hat. (Es sind nach wie vor die normalen Regeln für die Betonung anzuwenden; während also eleni auf der ersten Silbe betont wird, muss die Betonung in der längeren Form elenion auf -len- fallen.) Beide Beispiele sind im HdR attestiert: Namárië enthält rámar aldaron für "Schwingen der Bäume" (eine poetische Umschreibung für "Blätter"), und Frodo bezieht sich in Cirith Ungol, als er in Zungen spricht, auf Eärendil als ancalima elenion, "hellster der Sterne".

Ein prominentes Beispiel für einen Genitiv Plural ist der Titel des Silmarillion, gebildet aus dem Nominativ Silmarilli "Silmaril" (Pl.). Dieser Titel macht guten Sinn, wenn man beachtet, dass er eindeutig nur die eine Hälfte einer längeren Genitivwendung ist, zu finden auf der Titelseite, die der Ainulindalë und der Valaquenta folgt: Quenta Silmarillion, "Die Geschichte von den Silmaril". Wie wiederum einleuchtend wird ein Quenya-Genitiv im Englischen oft mit einer of-Konstruktion übersetzt, nicht als Genitiv mit der Endung -'s oder -s': "Stars' brightest" oder "the Silmarils' History" wären kein gutes Englisch. Im Deutschen wäre nichts an der Übersetzung "Die Geschichte der Silmaril" auszusetzen, lediglich "Der Silmaril Geschichte" klänge sehr antiquiert.

Was den dualen Genitiv angeht, so zeigte Tolkien seine Endung an als -to, kombiniert aus der dualen Endung -t mit der grundsätzlichen Genitivendung -o. Im Plotz Letter benutzte Tolkien das Beispiel ciryato, "eines Schiffspaares". Es gibt hier eine Unklarheit, im Plotz nicht angesprochen: Sollte die Endung auch im Fall von Hauptwörtern mit dualen Formen auf -u -to sein statt -t? Oder würde hier das u einfach das t ersetzen, so dass solche Hauptwörter statt dessen duale Genitive auf -uo haben? Konkret: Wenn der Nominativ "(die) Zwei Bäume" Aldu lautet, sollte der Genitiv "(der) Zwei Bäume" Alduto lauten oder Alduo? Eine Form wie Alduto hätte einen doppelten Marker für den dualen Plural, sowohl u als auch t, aber attestierte Genitivformen im Plural enthalten ebenfalls doppelte Pluralmarker (elenion, aldaron). Doch auch so bin ich nicht soweit, die Möglichkeit auszuschließen, dass duale Plurale auf -u Genitive auf -uo haben sollten, z. B. i cala Alduo für "das Licht (der) Zwei Bäume". Aber da das veröffentlichte Material in dieser Angelegenheit keine sicheren Rückschlüsse erlaubt, habe ich dieses Problem in den Übungen unten einfach vermieden.

Die speziellen "Stammformen" einiger Nomen sind für die Bildung der Genitive ebenso bedeutend. Aus (ráv-) "Löwe" würden wir den Genitiv rávo "(eines) Löwen" bilden; aus nís (niss-) "Frau" würden wir nisso "(von) Frauen" bilden. Die Pluralformen wären rávion "von Löwen" und nission "von Frauen" - vgl. die Nominative Plural rávi, nissi. Hinsichtlich der dualen Formen bin ich mir nicht sehr sicher; vielleicht können wir ráveto, nisseto bilden (mit einem -e-, das vor der Endung -to hineinschlüpft, damit keine unmögliche Konsonantenhäufung entsteht; siehe spätere Lektionen für attestierte Beispiele eines zusätzlichen eingefügten -e-  wie hier).

Soviel zur Bildung des Genitivs; nun müssen wir zu seiner Funktion zurückkehren. Im Englischen und Deutschen zeigt der Genitiv oft an, wem was gehört, wie in "das Haus des Mannes". Tatsächlich ist das die Hauptfunktion des deutschen und englischen Genitivs. Doch der Quenya-Genitiv wird normalerweise nicht benutzt, um einfach den Besitz von Dingen anzuzeigen. Tolkien merkte ausdrücklich an, dass dieser Fall benutzt wurde "not as a 'possessive', or adjectivally to describe qualities" ("nicht als 'besitzanzeigend', oder adjektivisch, um Eigenschaften zu beschreiben", WJ:368).

Um seine Funktion zu verstehen, ist es oft nützlich, seine letzte Ableitung im Kopf zu behalten. Tolkien erklärte, dass "the source of the most used 'genitive' inflection of Quenya", "die Quelle der meistverwendeten 'Genitiv'-Beugung in Quenya", ein altes adverbiales oder "präpositionales" Element war mit der ursprünglichen Bedeutung from oder from among, von oder von unter. Nach WJ:368 hatte es ursprünglich die Form HO, oder als an Nomen angehängtes Element -hô. Letzteres war die direkte Quelle für die Fallendung -o (Plural -on) in Quenya. Aber nach den Etymologies hatte Quenya auch eine regelgerechte Präposition ho "von", und in WJ:368 erwähnt Tolkien hó- "von, weg" als Vorsilbe von Verben, z. B. in hótuli- ""wegkommen" oder wörtlich "von-kommen".  

Selbst die Fallendung -o kann gelegentlich "von" ausdrücken, die ursprünglichste Bedeutung des primitiven Elementes HO. In der Prosaform des Namárië finden wir die Zeile Varda ... ortanë máryat Oiolossëo, "Varda ... erhob ihre Hände vom Oiolossë" (in der Version im HdR im wesentlichen genauso, aber mit einer komplizierteren, "poetischen" Wortfolge). Die Übersetzung dazu lautet im HdR: "Varda ... from Mount Everwhite has uplifted her hands", "Varda ... hat vom Immerweißen Berg aus ihre Hände erhoben" - mit Oiolossë "immer weiß" als Name für den Taniquetil, den großen Berg des Segensreiches, wo Manwë und Varda wohnen.

Doch Oiolossëo ist unser einziges Beispiel, in dem der Genitiv mit einer solchen Bedeutung gebraucht wird. (Für "von" benutzt Quenya normalerweise einen anderen Fall, den Ablativ, der in einer späteren Lektion zu behandeln sein wird.) Normalerweise sieht man die Endung -o in allgemeineren, abstrakteren Bedeutungen, die sie angenommen hat. Dennoch spiegelt eine wichtige Bedeutung des Genitivs immer noch klar die Idee wieder, etwas komme "von" etwas oder jemandem anderen: Der Quenya-Genitiv kann dazu verwendet werden, die Quelle, den Ursprung oder früheren Besitzer von etwas zu beschreiben - als sogenannter "abgeleiteter Genitiv" (WJ:369). Tolkien erklärte, dass róma Oromëo "Oromës Horn", auf ein Horn verweist, das von Oromë kommt, nicht auf ein Horn, das Oromë noch hat oder zu der betrachteten Zeit noch hatte (WJ:168). Somit kann lambë Eldaron nicht verwendet werden für "die Sprache der Elben", denn das würde "die Sprache, die von den Elben kommt" bedeuten; Tolkien fügte hinzu, dass eine solche Formulierung Gültigkeit hätte "in a case where the whole language was adopted by another people"; in einem Fall also, in dem die ganze Sprache von einem anderen Volk angenommen worden wäre (WJ:368-369). In diesem Licht betrachtet impliziert die Wendung Vardo tellumar "Vardas Gewölbe" im Namárië nicht notwendigerweise, dass die himmlischen "Gewölbe" Varda irgendwie gehörten, sondern vielmehr, dass sie sie errichtet hatte, dass sie in ihr ihren Ursprung hatten.

Tolkien führte auch "from among", "von" im Sinne von "von unter", als eine der Bedeutungen des primitiven Elementes HO an, und diese Bedeutung ist erkennbar in Quenya-Beispielen für den partitiven Genitiv, den Genitiv, der anzeigt, wovon jemand oder etwas ein Teil ist. In der Wendung Eärendil Elenion Ancalima "Earendil, hellster der Sterne" (Letters:385) beinhalten die Wörter elenion ancalima in Wirklichkeit "der hellste von (unter) allen Sternen":Nach seiner mythischen Verwandlung ist Earendil, der den Silmaril trägt, selbst einer der Sterne, wie in dem Kapitel Galadriels Spiegel im Band 1 des HdR angedeutet ist ("Eärendil, the Evening Star, most beloved of the Elves, shone clear above...", "Earendil, der Abendstern, der von den Elben am meisten geliebte, schien klar über ihnen...").

Es scheint, dass ein partitiver Genitiv ebenso gut in einem rein physikalischen Sinn anzeigen kann, wovon etwas ein Teil ist: In einer Wendung, übersetzt mit "the hands of the Powers", "die Hände der Mächte",  Fíriel´s Song, benutzt den Genitiv Plural Valion für "der Mächte" ("der / von den Valar" - wie in den Etymologies, Eintrag BAL, angezeigt, ist Vali eine gültige Alternative zu Valar als Pluralform von Vala). Die Hände der Valar sind, wann immer sie in Fleisch und Blut auftreten, physisch betrachtet Teil der Valar selbst.

Die Beziehung zwischen einem Ort und etwas, das sich an diesem Ort befindet, kann ebenfalls mit dem Mittel Genitiv ausgedrückt werden (vgl. unser eigenes Beispiel "Britanniens beste Künstler"). Namárië enthält Calaciryo míri für "Calaciryas Juwelen" (mit Calacirya "Licht-Kluft" als einem Ort im Segensreich; beachten Sie, dass wie im Fall von Vardo "Vardas" die Genitivendung -o das finale -a verschluckt). Vielleicht kann es auch als partitiver Genitiv gedeutet werden, denn wenn sich etwas an einem Ort befindet, dann ist es irgendwo auch als Teil dieses Ortes zu betrachten. Eine abstraktere, aber vielleicht im Grundsatz ähnliche Konstruktion ist in Cirions Eid zu finden: Elenna·nórëo alcar "der Ruhm des Landes von Elenna" oder wörtlich "(der) Elenna-Landes Ruhm". Wenn wir alcar oder Ruhm nicht als irgendwo in Elenna (=Númenor) "lokalisiert" empfinden, müssen wir es als etwas deuten, das von Elenna ausströmt, so dass der Genitiv die Quelle bezeichnet. (Siehe nächste Lektion mit dem vergleichbaren Fall alcar Oromëo.)

Familiäre Verwandtschaft wird mit dem Genitiv angezeigt. In Baumbarts Gruß an Celeborn und Galadriel taucht die Genitivwendung vanimálion nostari auf, "Eltern wundervoller Kinder" (Letters:308) oder wörtlicher "Erzeuger von Schönen" (SD:73) - mit vanimáli in der Bedeutung "Schöne" (Genitiv Plural vanimálion) und nostari mit der Bedeutung "Erzeuger". Man könnte also argumentieren, dass uns dieses Beispiel zeigt, dass ein Hauptwort, das eine Art von Urheber anzeigt, und ein anderes Hauptwort, das jenen anzeigt, mit dem sein Urheber etwas macht, mit Hilfe des Genitivs in Einklang gebracht  werden kann (die "Schönen" wurden erzeugt von den Erzeugern). Was auch immer der Fall sein mag, wir haben andere Beispiele von familiärer Verwandtschaft, die mit Hilfe eines Genitivs beschrieben werden. Im Index des Silmarillion lernen wir unter dem Eintrag "Children of Ilúvatar", "Kinder des Ilúvatar", dass das eine Übersetzung ist von Híni Ilúvataro. Da Ilúvatar ("All-Vater") ein Titel von Gott ist, ist dieses Beispiel etwas tiefschürfend. Das gilt auch für Amillë Eruva lissëo "Mutter von göttlicher Anmut", einer Wendung, die in Tolkiens Quenya-Übersetzung der lauretanischen Litanei auftaucht (V44:12; das sind Amillë "Mutter" + Eruva "göttlich, von Gott" + lissëo, Genitiv von lissë "Anmut, Süße"). Doch der Genitiv würde sicher auch in viel trivialeren Wendungen benutzt wie "die Söhne des Königs" (wahrscheinlich i arano yondor). Solange der Genitiv die Verwandtschaft von Eltern zu ihrer Nachkommenschaft beschreibt, können wir die Konstrukte auch als derivative, abgeleitete Genitive analysieren. Aber in dem Beispiel Indis i·Ciryamo "die Frau des Seemanns" (UT:8) beschreibt der Genitiv ohne Frage eine familiäre Verwandtschaft und nichts anderes, da der "Seemann" in keinster Weise die Quelle oder der Ursprung seiner Frau ist.

Vielleicht können wir sogar noch weiter verallgemeinern und sagen, dass die Verwandtschaft zwischen Völkern mit dem Quenya-Genitiv beschrieben werden kann. In WJ:369 zeigt Tolkien auf, dass der Genitiv in einer Wendung wie Elwë, Aran Sindaron "Elwë [=Thingol], König der Sindar [Grau-Elben] verwendet werden würde. Hier besteht die Beziehung zwischen einem Regierenden und den Regierten. Die selbe Konstruktion könnte jedoch benutzt werden in Bezug auf das Gebiet, das regiert wird: "König von Lestanórë" wäre Aran Lestanórëo (Lestanórë ist der Quenya-Name für jenes Gebiet, das in Sindarin Doriath genannt wird). Der Genitiv könnte sich ebenso auf Dinge beziehen, die regiert werden. In einem Booklet, das eine Ausstellung in den Marquette University Archives im September 1983 begleitete, dem Catalogue of an Exhibit of the Manuscripts of JRRT, präsentierte Taum Santoski Tolkiens Quenya-Übersetzung des Titels "Lord of the Rings", "Herr der Ringe": Heru i Million, das sind heru "Lord  (Herr)" + i "the (der)" + was wahrscheinlich der Genitiv eines Nomens millë "Ring" ist, nirgendwo anders attestiert. Im Herrn der Ringe selbst ist das Quenya-Wort für "Ring" stattdessen corma, Frodo und Sam werden jubelnd als Cormacolindor oder Ringträger empfangen (dieses Wort taucht auf im Cormallen Praise).  Für "Herr der Ringe" hätten wir deshalb Heru i Cormaron erwartet, aber die Wendung Heru i Million bestätigt in gewisser Weise, dass der Genitiv benutzt werden kann, um die Beziehung zwischen einem Herrscher und den Regierten ausgedrückt werden kann (Volk, Gebiet oder Sache).

Eine der abstraktesten Bedeutungen, die der Genitiv annehmen kann, ist von = über, betreffend, wie in Quenta Silmarillion "die Geschichte über die Silmaril (= die Silmaril betreffend). Ein anderes attestiertes Beispiel ist quentalë Noldoron "die Geschichte der Noldor" (VT39:16). Es kann gut sein, dass der Genitiv in diesem Sinn auch zusammen mit Verben wie nyar- "erzählen, berichten" oder quet- "sprechen" benutzt werden kann, z. B. nyarnen i Eldo "ich erzählte über den Elb" oder i Naucor quetir altë harmaron "der Zwerg spricht von großen Reichtümern": Uns fehlen jedoch Beispiele.

Manchmal ist die exakte Bedeutung des Genitivs schwierig zu definieren. In dem berühmten Gruß elen síla lúmenn' omentielvo, "ein Stern scheint auf die Stunde unserer Begegnung" oder wörtlich "...unseres Treffens Stunde" bringt der Genitiv einfach die Hauptwörter "Treffen" und "Stunde" in Einklang, um anzuzeigen, dass das "Treffen" in der "Stunde" stattfand. In der Wendung Heren Istarion "Orden der Zauberer" (UT:388) kann man sich fragen, ob der Genitiv Istarion "der Zauberer" bedeutet, dass der Orden von Zauberern gegründet wurde, dass er Zauberern gehört, dass er aufgebaut ist aus Zauberern, dass er Zauberer organisiert oder kontrolliert (oder sogar kontrolliert wird von Zauberern), usw. Aller Wahrscheinlichkeit nach können einige oder alle dieser Schattierungen gleichzeitig beteiligt sein.

Betrachten Sie auch diese Passage aus dem Herrn der Ringe, in dem Kapitel Die Häuser der Heilung im Band 3

            Da trat der Kräutermeister ein. 'Euer Gnaden fragten nach dem Königskraut, wie es die Bauern nennen', sagte er, 'oder                athelas in der edlen Sprache oder für jene, die etwas Valinorisch verstehen...
            'Das tue ich', sagte Aragorn, 'und mir ist es einerlei, ob Ihr jetzt asea aranion oder Königskraut sagt, solange Ihr 
            welches habt.'.

Asëa aranion ist also Quenya (oder "Valinorisch") für "Königskraut", jenes Kraut, das auf Sindariin athelas genannt wird. Das Wort asëa verweist auf eine Art hilfreiche oder wohltuende Pflanze, aber welche exakte Bedeutung drückt hier der Genitiv Plural aranion "von Königen" aus? Weder gehörte es den Königen noch stammt es von ihnen; es wurde von ihnen nur benutzt zum Zweck der Heilung. Abgesehen davon, dass dies vergleichbar ist mit einem Calaciryo míri-Konstrukt, weil das Königskraut körperlich bei den Königen war, wenn sie es für die Heilung benutzten ("durch Königshand zu geben / Sterbenden das Leben!"), müssen wir schließen, dass der Genitiv auch benutzt werden kann, um einen ziemlich schlecht definierten Status des "Gehörens" oder bloße Assoziation zu bezeichnen.

Schließlich möchte ich eine Funktion des Genitivs erwähnen, die bis Anfang 2002 unbekannt war, als ich die erste Version dieses Kurses schon fertig hatte: Es stellt sich heraus, dass in der Wendung "voll von [etwas]" wiedergegeben wird durch quanta "voll" und ein Hauptwort im Genitiv. Im Deutschen kennen wir diese Konstruktion ebenfalls, allerdings eher in der Schriftsprache, vgl: "voll des Lobes". Unser attestiertes Beispiel ist in gewisser Weise von profunder Bedeutung: In seiner Übersetzung des Ave Maria, zum ersten Mal veröffentlicht in Tyalië Tyelelliéva #18, gab Tolkien die Wendung "full of grace", "voll der Gnade" mit quanta Eruanno. Wörtlich scheint das "voll von Gottes-Geschenk" zu bedeuten (da Eruanno höchstwahrscheinlich die Genitivform von Eruanna darstellt, vgl. anna "Geschenk"). Die selbe Konstruktion würde wahrscheinlich in einem trivialeren Zusammenhang benutzt, so dass "voll von Wasser" wiedergegeben werden kann mit quanta neno (das Hauptwort für Wasser ist nén, nen-).

Wir haben kein belegtes Beispiel für einen Quenya-Genitiv, der als Prädikat eines Satzes fungiert - doch gibt es auch keinen speziellen Grund, daran zu zweifeln, dass z. B. "der Ring ist Saurons" wiedergegeben werden kann mit i corma ná Saurondo. (Der Name Sauron hat wahrscheinlich die Stammform Saurond-, mit der von Tolkien in Letters:380 angedeuteten Ableitung.)

Wortreihenfolge: In der Prosa-Version des Namárië stellte Tolkien einen Genitiv vor das Hauptwort, dem er untergeordnet ist: Aldaron lassi = wörtlich "(der) Bäume Schwingen", ómaryo lírinen = wörtlich "in ihrer Stimme Lied", Calaciryo míri = wörtlich "Calaciryas Juwelen" - vgl. die zwischenzeilige Übersetzung in RGEO:66-67. (Es sollte angemerkt werden, dass aldaron lassi geändert wurde von lassi aldaron in der "poetischen" Version im HdR.) Über die gesamte "Prosa"-Version platzierte Tolkien auch die Überschrift Altariello nainië, "Altariel´s (=Galadriels) Klagelied". Cirion´s Oath verwendet dieselbe Wortreihenfolge: Nórëo alcar "der Ruhm des Landes" oder wörtlich ""(des) Landes Ruhm", Elendil vorondo voronwë "die Treue Elendils des Getreuen" oder wörtlich "Elendils (des) Getreuen Treue" (die Genitivendung wird in der Wendung Elendil voronda "Elendil (der) Getreue" an das letzte Wort angehängt; wie gewöhnlich ersetzt die Endung ein finales -a. Im HdR finden wir auch elenion ancalima für "der Sterne hellster" = "hellster (der) Sterne". Sollte also in normaler Prosa der Genitiv immer vorausgehen?

Nicht notwendigerweise, scheint es. Die meisten attestierten Quenya-Genitive folgen dem Hauptwort, dem sie beigeordnet sind, mit derselben Reihenfolge wie normalerweise auch im Deutschen. In den meisten Fällen der Belege gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die Wortreihenfolge besonders "poetisch" ist: Quenta Silmarillion "Geschichte der Silmaril", Heru i Million "Herr der Ringe", lúmenn' omentielvo "auf die Stunde unserer Begegnung", asëa aranion "asëa [hilfreiche Pflanze] der Könige" (Königskraut; die beiden letzten Beispiele sind aus dem HdR), Híni Ilúvataro "Kinder Ilúvatars" (Index des Silmarillion), mannar Valion "in die Hände der Mächte" (Fíriels Song), Heren Istarion "Orden der Zauberer" (UT:388), Pelóri Valion "Umzingelnde Höhen der Vali [Valar]" (MR:18), aran Sindaron "König der Sindar" (WJ:369), Aran Lestanórëo "König von Doriath" (ebenda), i equessi Rúmilo "die Aussagen Rúmils" (WJ:398), lambë Eldaron oder lambë Quendion "die Sprache der Elben" (WJ:368/PM:395), Rithil Anamo "Ring des Schicksals" (WJ:401). Wo Tolkien eine solches Quenya-Konstrukt mit einem englischen Genitiv auf 's wiedergab, musste er notgedrungen die normale Wortreihenfolge umdrehen: Indis i·Ciryamo "the Mariner´s Wife" (UT:8).
Hier sei ein mögliches Missverständnis erwähnt (das nur Englischsprachige betrifft, ich übersetze es hier nur der Vollständigkeit halber): Gelegentlich kann man Menschen beobachten, die, völlig beeinflusst von englischen of-Konstruktionen, glauben, dass die Genitivendung -o an derselben Stelle im Satz auftauchen sollte, wie es die Präposition of tut. Das läuft darauf hinaus, dass sie die Genitivendung an das falsche Wort anhängen in dem hoffnungslosen Versuch, die englische Wortreihenfolge aller Elemente des Satzes zu imitieren. Bitten Sie zehn Leute, die Wendung "der Ruhm von Aman" in Quenya zu übersetzen, und ich wette mit Ihnen, dass einige mit etwas wie i alcaro Aman ankommen, was in Wirklichkeit "Aman des Ruhms bedeutet"! Was wir hören wollen, ist entweder Amano alcar oder (i) alcar Amano. 

Was die verwendete Wortreihenfolge angeht, wenn eine Präposition in Verbindung mit einem Genitiv verwendet wird, liefert uns das Prosa-Namárië das fremdartige Beispiel Vardo nu luini tellumar. Tolkien übersetzte dies mit "under Varda´s blue domes" ("unter den blauen Gewölben von Arda). Wir sehen, dass die Quenya-Formulierung wörtlich "Vardas unter blauen Gewölben" lautet, die Präposition folgt dem Hauptwort im Genitiv - eine ziemlich unerwartete Reihenfolge, speziell wenn man in Betracht zieht, dass es normale Prosa sein soll. Doch enthält das Prosa-Namárië auch ve aldaron rámar für "wie Schwingen von Bäumen" (oder wörtlich "wie (der) Bäume Schwingen"). Hier ist die Wortreihenfolge genau so, wie wir sie erwartet hätten, nämlich Präposition + Genitiv + das übergeordnete Hauptwort (nicht **aldaron ve rámar oder was auch immer!) Man ist versucht, anzunehmen, dass Vardo nu luini tellumar einfach ein Fehler ist für ?nu Vardo luini tellumar. Zumindest in dieser Phase würde ich immer die Wortreihenfolge "nach englischem Stil" verwenden, wie in dem Beispiel ve aldaron rámar. Vielleicht ist Vardo nu luini tellumar ein Beispiel für die außerordentlich esoterische, von den Elben bevorzugte Syntax, deren Gedanken andere sind als die der Sterblichen... oder vielleicht ist es einfach ein Druckfehler. Wir müssen die Veröffentlichung von mehr Material abwarten.

Der Gebrauch des Artikels: Ein Genitiv bestimmt das Hauptwort, dem er beigeordnet ist, genau so wie es der bestimmte Artikel tut: Indis i·Ciryamo bedeutet "die Frau des Seemanns". Es kann nicht interpretiert werden als "eine Frau des Seemanns in einem unbestimmten, nicht determinierten Sinn, auch wenn der bestimmte Artikel i vor dem Hauptwort indis "Frau, Braut" fehlt. Dasselbe gilt für lambë Quendion "die Sprache der Elben" (PM:395, mit Hervorhebung); das kann nicht interpretiert werden als "eine Sprache der Elben", denn lambë ist bestimmt durch den Genitiv Quendion. Vgl. im Deutschen "der Elben Sprache" = "die [nicht eine] Sprache der Elben", obwohl kein "die" vor "Sprache" steht in einer Wendung wie "der Elben Sprache". Man muss verstehen, dass ein Quenya-Hauptwort, das mit einem folgenden Genitiv verbunden ist, immer bestimmt ist, während das erste Hauptwort einer Konstruktion mit "von" bestimmt oder unbestimmt sein kann und folglich den passenden Artikel bekommt (der/die/das oder ein/eine).

Das System ist tatsächlich dasselbe wie im Englischen, mit einer zusätzlichen kleinen Komplikation: während im Englischen der Genitiv immer dem zugehörigen Hauptwort vorangeht, , kann ein Quenya-Genitiv ebenso gut nach diesem Hauptwort folgen. Im Deutschen ist ebenfalls beides möglich, letzteres jedoch die vor allem in der Umgangssprache gebräuchlichere Variante. Die letztgenannte Reihenfolge lässt einen an englische of-Konstruktionen und deutsche mit von denken, aber sie sind genau genommen nicht vergleichbar, so weit es die Grammatik angeht - auch wenn Quenya-Genitivwendungen oft am besten mit englischen of-Konstrukten wiedergegeben werden. Die übliche deutsche Reihenfolge (Genitiv ohne von) entspricht im Allgemeinen der in Quenya.

Wo der Genitiv dem beigeordneten Hauptwort folgt, ist der Gebrauch des bestimmten Artikels vor diesem Hauptwort offensichtlich optional. Das Hauptwort ist in jedem Fall bestimmt, so dass ein Einfügen des Artikels in gewisser Weise überflüssig ist; dennoch finden wir die Beispiele i arani Eldaron "die Könige der Elben" (WJ:369) und i equessi Rúmilo "Die Aussagen von Rúmil" (WJ:398). Equessi Rúmilo, arani Eldaron ohne den Artikel würden exakt dieselbe Sache meinen. Umgekehrt könnte die Wendung Indis i·Ciryamo "Frau des Seemanns" wahrscheinlich erweitert werden zu i indis i ciryamo "die Frau des Seemanns", wiederum ohne die Bedeutung zu wechseln.

Kein attestiertes Beispiel eines vorangehenden Genitivs wird gefolgt von einem Artikel. Aber wir können frei wählen zwischen i equessi Rúmilo und einfach equessi Rúmilo, vielleicht wäre dieses Prinzip noch gültig, wenn der Genitiv an den Anfang der Wendung gesetzt wird? Rúmilo equessi "Rúmils Aussagen" ist sicher eine gültige Formulierung, aber wie ist das mit Rúmilo i equessi? Wäre das gleichermaßen möglich, oder würde es so verrückt klingen wie "Rúmils die Aussagen" im Deutschen? Ich, für mich gesprochen, würde diese unsichere und nicht attestierte Konstruktion vermeiden.

Einige wenige Präpositionen beherrschen den Genitiv. Es heißt, dass ú "ohne" normalerweise vom Genitiv gefolgt wird, Tolkien erwähnte das Beispiel ú calo "ohne Licht" (VT:39:14). Dieses calo scheint die Genitivform eines Hauptworts cala "Licht" zu sein (wie in Calaquendi "Lichtelben" oder Calacirya "Lichtkluft").