Übungen 15

Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach

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Zusammenfassung von Lektion 15 

Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!

Die besitzanzeigende pronominale Endung für „sein, ihr“ in Quenya ist -rya, und sie verhält sich wie die anderen Endungen dieser Art (Endungen für den Numerus oder Fall können daran angehängt werden.) Wenn ein duales Hauptwort eine pronominale Endung erhalten soll, wird seine Dualität durch -t angezeigt, angefügt an diese Endung (vgl. máryat „ihr [Paar] Hände" im Namárië), offensichtlich auch im Fall von Hauptwörtern, die sonst den alternativen Dualmarker -u tragen würden.

Die erweiterten Infinitive auf -ta, die pronominale Endungen erhalten können, um das Objekt zu kennzeichnen (z. B. caritases zu tun“), können ebenfalls besitzanzeigende pronominale Endungen erhalten, die das Subjekt bezeichnen, z. B. caritalya(s) „dein (es) Tun".

Hauptwörter, die auf einen langen Vokal enden, z. B. „Hand“, würden diesen Vokal vor einer Konsonantenhäufung verkürzen; so ist der Allativ Plural attestiert als mannar (anstelle der unmöglichen Form **mánnar). Seltsamerweise werden lange Vokale von ry, ly, ny, ty nicht verkürzt, obwohl diese Kombinationen im Hinblick auf die Betonung als Konsonantenhäufungen zählen.

Der Quenya-Lokativ hat grundsätzlich die Endung -ssë, Plural -ssen, und dual -tsë (zumindest im Fall von Hauptwörtern, die den Dual Nominativ auf -t bilden; Hauptwörter mit dualen Nominativen auf -u könnten vielleicht einfach -ssë anhängen). Angehängt an ein Hauptwort, das auf einen Konsonanten endet, könnte die Lokativendung nach -l und -n als -  erscheinen, und vielleicht als - nach -s und -t. (Aber ein finaler Konsonant könnte vor Anhängen der Endung -ssë auch fallen gelassen werden, oder ein verbindender Konsonant könnte vor der Endung hineinschlüpfen.) Diese Endungen drücken die Vorstellung von „in“, „auf“, „über“ aus, z. B. ciryassëauf einem Schiff“, coassenin Häusern“.

Relativsätze können in Quenya mit dem Relativpronomen ya „welches, das“ gebildet werden. Ya kann auch Fall- und Numerusendungen erhalten, vgl. den Lokativ Plural yassen „in denen“, der im Namárië auftaucht (Plural, weil er auf ein Pluralwort zurückverweist). Der Artikel i "der, die, das" kann wohl ebenfalls als Relativpronomen verwendet werden, vgl. i Eru i or ilyë mahalmar ëa tennoio, „der Eine, der über allen Thronen ist“ in Cirion's Eid, aber i kann offensichtlich keine Endungen für Fall oder Numerus erhalten. Vor einem Verb kann i für sich allein eingesetzt werden, um auszudrücken „derjenige (bzw. die-, dasjenige, diejenigen,...), der tut“, was immer das Verb meint, z. B. i carir quettar „diejenigen, die Wörter bilden“.

Die Pronomenendungen für „er“ und „sie“ sind etwas ungewiss. Frühes Material enthält Verben mit den Endungen -ro „er“ und offensichtlich - „sie“. In nach HdR datiertem Material finden wir einen Beleg von -s als eine Endung, die sowohl „er“ als auch „sie“ abdeckt, und da dieselbe Endung an anderer Stelle auch mit der Bedeutung „es“ (als Objekt) attestiert ist, müssen wir annehmen, dass -s eine Endung darstellt, die allgemein die ganze 3. Person Einzahl abdeckt, als Subjekt wie als Objekt. Eine durchdachte Vermutung lautet, dass dieses -s alterniert mit einer längeren Form -ryë (in plausibler Weise abgeleitet aus der besitzanzeigenden Endung -rya "sein/ihr"), aber in den Übungen unten wird nur die attestierte Endung -s verwendet.

Vokabeln

tatya „zweiter“ (Der ursprüngliche Name des Zweiten Clans der Elben war Tatyar, wörtlich „Zweite“, obwohl der Eldarin-Zweig dieses Clans später stattdessen Noldor genannt werden würde [WJ:380-381]. Eine         Variante von tatya ist atya [attestiert, im Verbund, in VT41:10], das die Verbindung mit der Grundzahl atta „zwei“ offensichtlicher werden lässt. Wie in Lektion 17 zu erklären sein wird, wurde „zweiter“ später mit attëa wiedergegeben, aber Studenten sollten die archaische Form tatya ebenfalls kennen, und wir werden diese Form hier auch anwenden.)
mar- wohnen, irgendwo „leben“ im Sinn von dort wohnhaft sein (vgl. Elendila Proklamation: sinomë maruvan = „an diesem Ort will ich bleiben“)
ya Relativpronomen „das, welches“, oft mit Fallendungen; wechselt sich als Relativpronomen mit i ab (aber i kann augenscheinlich keine Fallendungen annehmen)
aurë            Tag (die Periode des Tageslichts, kein voller 24-Stunden-Zyklus)
veru       (verheiratetes) Paar, Mann und Frau, Ehepaar (eine alte Dualform, der offensichtlich die Singularform fehtl; es gibt nur noch die geschlechtsspezifischen Wörter verno „Ehemann“ und vessë „Ehefrau“, aus derselben Wurzel)
Hand
Lippe, Nominativ Dual peu (so lt VT39:9, das eine nach HdR datierte Quelle wiedergibt. Früher, unter dem Eintrag peg der Etymologies, wurde das Wort stattdessen mit „Mund“ glossiert – was ein reines Plagiat wäre zu dem hebräischen Wort für „Mund“! Aber Tolkien dachte offensichtlich besser davon: im Anhang E von HdR ist als Quenya-Wort für Mund statt dessen anto gegeben, das Wort, das wir in Lektion 11 eingeführt haben.) 
mallë Straße (Nominativ Pl. maller, LR:47, 56; SD:310 – wie wir in Lektion 2 theoretisierten, haben Hauptwörter auf - regulär wohl einen Plural eher auf -ler als auf -li.)
hrívë                 

 Winter

apa Präposition "nach" (vgl Apanónar "die Spätgeborenen" als elbische Bezeichung für die Menschen - siehe Silmarillion, im Anfang von Kapitel 12. VT44:36 bestätigt, dass apa selbst auch in Tolkiens Aufzeichungen auftaucht.)
Hyarmen Süden
hyarya links

ANMERKUNG: Wie ihre Gestalt vermuten lässt, sind die Wörter für „Süden“ und „links“ eng verwandt. Wie Tolkien im Anhang E des HdR erklärt, werden die vier Himmelsrichtungen Númen, Hyarmen, Rómen, Formen = Westen, Süden, Osten, Norden normalerweise in dieser Reihenfolge aufgelistet, "beginning with and facing west", mit dem Westen beginnend und westwärts blickend – offensichtlich weil das die Richtung war, in der das Segensreich lag. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Richtungen gegen den Uhrzeigersinn aufgelistet sind, so dass der Norden als Letztes kommt, denn im Ersten Zeitalter, in dem sich diese Konvention vermutlich etablierte, war Norden die Richtung auf Morgoths Festung zu (Angband oder Thangorodrim). Unser imaginärer Sprecher, der sich dem Westen zuwendet, hätte den Süden zu seiner Linken, und Tolkien erklärte, dass Hyarmen ursprünglich „Region linker Hand“ meinte. Wie Tolkien weiter anmerkte, ist dieses System das Gegenteil von jenem vieler Menschensprachen, in dem der Sprecher, dem Osten zugewandt, eher zu diesem als „Startpunkt“ tendiert (Richtung des Sonnenaufgangs). Somit könnten hier die Wörter für „Süden“ und „rechts“ verwandt oder identisch sein - vgl. zum Beispiel das hebräische yamîn.

                 

Übungen

 

  1. Übersetzen Sie ins Deutsche (die Pronomenendung -s kann im Deutschen mehrere Bedeutungen haben):

A.     Tuluvas i tatya auressë.

B.     I hrívessë rimbë aiwi autar marien Hyarmessë; apa i hrívë autantë Hyarmello ar tulir nórelvanna. [Hier könnte Hyarmessë auch Hyarmendë heißen]

C.     Hiritarya malta i orontissen ánë alassë lieryan, an hiritaryas carnë lierya alya.

D.     Tatya hrívessë ya marnes i coassë hirnes harma nu i talan.

E.     Quetis lambelva, an maris nórelvassë.

F.      Eques: "Cennen macil i ohtaro hyarya massë."

G.     I nér i hirnë i harma nurtuva i engwi yar ihíries samberyatsë.

H.     I ambossë cenis i veru yat itíries coaryallo, ar yant ánes annarya.

  1. Übersetzen Sie in Quenya:

I.         Sie sah ein Paar auf der Straße.

J.      Ich fand die Frau, die in dem Haus zwischen den Flüssen lebt, und ich beobachtete ihre Lippen (dual) und ihre Hände(dual); in ihrer linken Hand sah ich ein Buch.

K.     Ich sah diesen Becher in seinen Händen (dual), den Becher, aus dem er Wein in seinen Mund goss.

L.      Diejenigen, die in den Türmen leben, zu denen der Mann geht (Verlaufsform), sind Krieger.

M.      Dass er Wein trank war keine gute Idee (Sein Weintrinken war nicht eine gute Idee), denn was der nach seinem Trinken tat war nicht weise. (“seinem” verweist auf den Trinker, nicht auf den Wein)

N.     Nachdem wir (ausschl.) weggingen [1. Verg. von auta-] von unserem (ausschl.) Land in den Süden, haben wir viele Zwerge auf den Straßen gesehen.

O.    Die Türme auf den Hügeln sind groß; derjenige, dem der größte Turm gehört [harya = besitzen], von dem man [quen] das Elbenland [Eldanórë] sehen kann, ist der reichste Mann in der Stadt.

P.     Ein Volk, dessen König weise ist, wird in Frieden in einem guten Land wohnen, das sie zutiefst (tief) lieben.

Lösungen